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youthXchange: hin zu einem zukunftsfähigen Lebensstil;
Trainings-Kit für verantwortungsvollen Konsum – der Ratgeber
Copyright © 2008 UNESCO und UNEP

Seite 11-15

youthXchange_11Einführung eines nachhaltigen Konsums

„Die gegenwärtigen Konsumtrends hebeln die Vorteile aus, die die Technologie bietet, es sei denn, es gibt radikale Veränderungen in der Art und Weise, wie wir unsere Ressourcen verbrauchen.“
~ Barbara Young, Geschäftsführerin des britischen Umweltministeriums, 2003

Beim nachhaltigen Konsum geht es darum, dass wir brauchbare Lösungen für Ungerechtigkeiten auf sozialer als auch auf ökologischer Ebene finden, indem jeder sich verantwortungsvoller verhält. Der nachhaltige Konsum steht in direktem Zusammenhang mit der Produktion und der Verteilung, dem Verbrauch und der Entsorgung von Produkten und Dienstleistungen und bietet die Möglichkeit, ihren Lebenszyklus zu überdenken. Das Ziel ist es zu garantieren, dass die grundlegenden Bedürfnisse der gesamten globalen Gemeinschaft befriedigt werden, Überfluss reduziert wird und Umweltschäden vermieden werden.

Nachhaltiger Konsum ist ein integrales Element einer nachhaltigen Entwicklung und ein immens wichtiges Thema für die Vereinten Nationen:

„eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Bedürfnisbefriedigung künftiger Generationen zu gefährden.“

Es liegt in der Verantwortung von Regierungen, behördlichen Institutionen, Nicht-Regierungsgruppen und Unternehmen, die Instrumente für einen Wandel anzubieten. Der weltweite Konsument/Bürger hat jedoch die wesentliche Rolle, diese Gruppen zum schnelleren und besseren Handeln zu drängen.

„Beim nachhaltigen Konsum geht es um die Macht des Einzelnen. Niemand ist hilflos. Jeder kann die Wahl treffen, umweltfreundliche Produkte zu kaufen oder nicht zu kaufen. Das wird schließlich die Produktionsmuster beeinflussen.“
~ Kofi Annan, früherer Generalsekretär der Vereinten Nationen, New York, den 29. April 2004

Aus diesem Grund haben zwei Behörden der Vereinten Nationen, UNESCO und UNEP, sich zusammengetan, um die jungen Leute auf die Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die ein eher nachhaltiger Lebensstil birgt, und um sie zu befähigen, schon in ihrem Alltag etwas zu bewirken.

youthXchange_12Jede Definition des nachhaltigen Konsums betont, dass ein geringerer Konsum oft vorrangig ist, aber nicht immer geht es nur darum. Anders zu konsumieren und wirksam zu konsumieren, ist die Haupt-Herausforderung. In vielen Fällen ist es erforderlich, die Möglichkeit des Konsums umzuverteilen.

Über 2 Milliarden Menschen in der Welt benötigen mehr, nur um zu überleben:

„Viele Menschen in der Welt müssen mehr konsumieren, um zu überleben. Viele andere müssen vielleicht verantwortungsvollere Entscheidungen treffen. Am Ende bedeutet das dann, dass weniger Ressourcen notwendig sind und weniger Emissionen erzeugt werden und dennoch die Bedürfnisse und Wünsche der Weltbevölkerung befriedigt werden.“
~ UNEP, Jugend und nachhaltiger Konsum, Nairobi/Paris, Oktober 1999

Man kann es mit der Faktor-4 und der Faktor-10-Herangehensweise anschauen, deren Argumentation es ist, dass wir in der Lage sein sollten, in den nächsten Jahrzehnten doppelt so gut mit nur der Hälfte unserer kostbaren Ressourcen zu leben. Wir müssen hinarbeiten auf eine zehnfache Verbesserung der Ressourcen-Produktivität in den Industrieländern bis 2050. Produktion und Konsumverhalten müssen effizienter werden, wenn wir einen anhaltenden und gleichberechtigten Zugang zu den Ressourcen für alle wünschen.

youthXchange_13Wechsel zu nachhaltigen Lebensstilen

„Die Konsumenten sind zunehmend interessiert an der Welt, die hinter einem Produkt liegt, das sie kaufen. Abgesehen von Preis und Qualität, wollen sie auch wissen, wie und wo und von wem das Produkt hergestellt wurde.“
~ Klaus Töpfer, Geschäftsführer UNEP

Was genau bedeutet Nachhaltigkeit für uns als Individuen? Was können wir tun, um verantwortungsvoller zu werden? Müssen wir alle dasselbe tun? Was sollten wir zuerst tun, um die Umwelt zu retten oder Armut auszulöschen? Was kommt zuerst, unsere Gesundheit oder die der Erde? Auf schwierige Fragen gibt es nie leichte Antworten – sagten schon die Alten!

Nachhaltiger Konsum ist nicht nur ein Umweltthema, sondern ein Thema, das für einen würdevollen Lebensstandard für alle wirbt. Es ist auch das Problem eines fortschreitenden Entwicklungszustands, bei dem die Antworten selten unkompliziert sind. Nichtsdestotrotz gibt es eine Reihe von Grundelementen, die das ganze Bild ausmachen. Es folgt ein Überblick der Themen und der Herausforderungen.

Je mehr wir die Umwelt schädigen, desto mehr bringen wir uns und künftige Generationen in Gefahr. Die Gesundheit des Planeten ist unsere Gesundheit. Jeden Tag werden 50 Pflanzenarten ausgerottet. Wie viele sind das pro Woche, pro Monat, pro Jahr? Wissenschaftler glauben, dass Pflanzen der Schlüssel zur Heilung viele Krankheiten sind. Jede verlorene Art verursacht daher nicht nur einen irreparablen Schaden für das Ökosystem, sondern ist auch eine verlorene Chance für unsere zukünftige Entwicklung.

Die Zahlen des GLOBAL FOOTPRINT NETWORK zeigen, dass der durchschnittliche Weltbürger gegenwärtig 2,2 Hektar (ein Hektar ist die Größe eines Fußballfeldes) für die Produktion dessen, was sie oder er jedes Jahr konsumiert, und für die Entsorgung des erzeugten Abfalls benötigt.

youthXchange_14Sind wir also alle gleichermaßen verantwortlich? Nein, nicht wirklich. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind riesig. Ein Nordamerikaner konsumiert im Durchschnitt 9,4 Hektar pro Jahr, ein Europäer 4,8 Hektar, ein Afrikaner 1,1 Hektar und in Inder 0,8 Hektar. Das sind nur Durchschnittszahlen und es gibt auch große Unterschiede zwischen wohlhabenderen und ärmeren Menschen in ein und demselben Land.

20 % der reichsten Leute der Welt konsumieren fast 75 % der natürlichen Ressourcen des Planeten. Die 225 reichsten Individuen haben das gleiche Jahreseinkommen wie 47 % der Weltbevölkerung oder 2,5 Milliarden.

Das zeigt uns auch, dass die Verteilung des Konsums ernsthaft aus dem Gleichgewicht geraten ist. Der ganze Youthxchange-Ratgeber wird diese Kontraste und einige der Lösungen hinsichtlich bestimmter Aspekte unseres Lebensstils darstellen.

Schauen wir uns zum Beispiel die Nahrung und die Verteilung der Nahrung an. Viele Menschen denken, dass der Planet nicht genug produziert, um seine Bevölkerung zu ernähren. Falsch. Die ungleiche Verteilung der Nahrung ist der Hauptgrund dafür, dass es heute mehr als 800 Millionen unterernährte Menschen in der Welt gibt. (Von 2000-2002 ist die Gesamtzahl der unterernährten Menschen weltweit auf 852 Millionen gestiegen. 815 Millionen in Entwicklungsländern, 28 Millionen in Schwellenländern und 9 Millionen in Industrieländern. Quelle: http://www.wfp.org/hunger)

youthXchange_15In grausamem Kontrast dazu ist die Verschwendung von Nahrungsmitteln ein alltägliches Problem in wohlhabenden Gesellschaften. In Großbritannien werden schockierende 30-40 % der Nahrung nie aufgegesssen; in den Vereinigten Staaten werden 40-50 % der erntereifen Nahrung nie gegessen. Die Auswirkungen dieser Verschwendung sind nicht nur finanzieller Art. In der Umwelt führt das zu:

* verschwenderischem Gebrauch von Chemikalien wie Düngern und Pestiziden;
* mehr Treibstoffverbrauch für den Transport;
* mehr verrottenden Lebensmitteln, die mehr Methan produzieren – eines der schädlichsten Treibhausgase, die zum Klimawandel beitragen.

Ist es also machbar, die Nahrungsmittelverschwendung und ihre Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren und gleichzeitig die Armut in den Griff zu bekommen? Lebensmittelhilfe für Sozialschwache sind eine mögliche Lösung für das Problem ...

Wie vielen solcher Probleme und Lösungen sehen wir uns täglich gegenüber?

Seite 17-20

youthXchange_17Achtsam sein

„Kein Thema ist fesselnder als die Luft, die wir atmen, sei sie heiß oder kalt, sei sie für den Habicht oder den Menschen.“
~ Jack Nicholson, Schauspieler

Gesundheit ist Wohlstand, sagt das alte Sprichwort. Die Leute entscheiden sich zunehmend für Lebensstile, die sich mehr auf die Gesundheit konzentrieren.
Auf seine Gesundheit zu achten, sollte auch heißen, auf die Gesundheit des Planeten zu achten. Von Änderungen im Lebensstil sollte der Planet genau wie du selbst profitieren.

Nahrung ist das Schlüsselglied zwischen beidem. Viele Leute entscheiden sich für Nahrungsprodukte, die gesünder sind, aber auch so produziert wurden, dass sie der Umwelt einen nur minimalen Schaden zufügen und Tiere human behandelt werden. Außerdem wollen die Menschen, dass die Nahrung, die sie kaufen, sicher ist und keine Überraschungen enthält.

Vor ein paar Jahren führte eine Serie von Nahrungsmittelproblemen – Rinderwahn (BSE), Maul- und Klauenseuche, Dioxin in Hühnerfleisch – dazu, dass die Käufer ein aktives Interesse an nachhaltigeren, geprüften Optionen zeigten (biologischer Anbau, Freiland, gentechnikfreie Lebensmittel).

Letzten Endes sind es die Konsumenten, die entscheiden. Die Verbraucher verlangen mehr Informationen über das, was sie in den Supermarkregalen finden. Sind in dieser Dose gentechnisch veränderte Tomaten? Wurde dem Fleisch, das ich kaufen will, Hormone eingespritzt? Es ist eine Frage der Wahl. Manchen Leuten mag es egal sein, ob die Nahrung gentechnisch verändert ist, aber es ist wichtig, dass es ausreichend Informationen gibt, damit die Leute selbst entscheiden können.

 

youthXchange_18 Trittsteine

Essen und trinken sie so gesund Sie können: mehr frische Nahrung, weniger Zusatzstoffe und weniger fabrikatorisch verarbeitete Nahrung.

* Lassen Sie Ihren Supermarkt wissen, dass Sie Etiketten wünschen, die Sie über die Nahrung informieren, die Sie essen.
* Bevorzugen Sie Lebensmittel der Jahreszeit.
* Versuchen Sie, Fleisch aus der Massentierhaltung zu vermeiden.
* Informieren Sie sich über gentechnisch veränderte Nahrung und damit in Verbindung stehende Gesetze Ihres Landes.
* Essen Sie nur Nahrungszusatzstoffe, wenn Sie sie wirklich zu brauchen glauben. Entscheiden Sie sich für diejenigen, die aus natürlichen Zutaten hergestellt sind, statt der chemischen Imitationen.
* Informieren Sie sich über die E-Nummern, die unsere Nahrungsmittel künstlich färben und aromatisieren.

Die Entscheidung für biologische Lebensmittel oder die vegetarische Ernährung, ist eine Entscheidung, die die Leute aufgrund ihrer Lebensweise treffen oder weil es zu ihrer Kultur gehört. Es liegt auch daran, dass sie gesünder sein wollen. Diese Entscheidungen können auch der Umwelt gut tun, denn die Fleischproduktion hat größere Folgen für die Umwelt und verbraucht mehr Land als der Gemüseanbau.

Wir brauchen 25-35 kg Getreide, um 1 kg rotes Fleisch zu erzeugen. Eine fleischfreie Ernährung vermeidet einige Folgen für die Umwelt (Wasser, Boden, Energie usw.). Hühnerfleisch hat geringere Auswirkungen auf die Umwelt als rotes Fleisch – 15 Mal weniger Umweltschaden pro Portion.

Achtsamkeit steht auch in enger Beziehung zu Produkten, die wir regelmäßig zur Reinigung und zur Wartung unserer Häuser und für uns selbst benutzen. Viele enthalten Chemikalien, die zur Umweltverschmutzung beitragen und nicht biologisch abbaubar sind.

youthXchange_19 Trittsteine

Es gibt viele kleine Schritte, die wir machen können, um den Gebrauch von Chemikalien zu reduzieren.

* Informieren Sie sich über die Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln, Toilettenartikeln und Kosmetika und darüber, was sie Ihnen und der Umwelt antun.
* Verwenden Sie, wann immer es möglich ist, umweltfreundliche, tierversuchsfreie Produkte und nehmen Sie immer die Minimalmenge (gewöhnlich etwas weniger als empfohlen).
* Überlegen Sie gut, wie oft Sie Ihre Kleider wirklich waschen müssen. Vermeiden Sie die chemische Reinigung, da die verwendeten Chemikalien oft unsere Umwelt stark verschmutzen.
* Wenn Sie Pestizide verwenden müssen, nehmen Sie die am wenigsten schädlichen.
* Wenn Sie zum Arzt gehen, fragen Sie immer nach, ob das Ihnen verschriebene Mittel das mildeste ist, das wirksam sein kann.
* Räumen Sie Ihre Hausapotheke auf und bringen Sie alle abgelaufenen Medikamente zur Entsorgung zurück in die Apotheke. Bringen Sie verwendungsfähige Medikamente, die Sie nicht länger brauchen, in Apotheken, die sie für bedürftige Menschen sammeln.

  

 

youthXchange_20 Trittsteine

Wir sollten uns alle um unseren Körper kümmern, indem wir gesündere Verhaltensweisen annehmen:

* Wenn Sie die Wahl haben, gehen Sie lieber durch einen Park als durch eine Hauptstraße.
* Hören Sie auf zu rauchen oder rauchen Sie weniger.
* Denken Sie daran, regelmäßig Sport zu treiben; man kann Fitness nicht fürs Alter speichern.

Quelle:
YouthXchange: towards sustainable lifestyles; training kit on responsible consumption - THE GUIDE
http://unesdoc.unesco.org/images/0015/001587/158700e.pdf (PDF-Datei • 8,10 MB • Englisch)