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Eine neue Strategie gegen die globale Erwärmung: Wie Umweltschützer den Vegetarismus als das zu unseren Lebzeiten wirksamste Mittel gegen den Klimawandel übersehen

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earthsave.org

von Noam Mohr

 

Der ganze Bericht zum Herunterladen (PDF-Datei • 315 KB, auf Englisch)

noam_mohrZusammenfassung
Die globale Erwärmung stellt eine der ernstesten Bedrohungen für die Umwelt dar, der wir uns in der gesamten Menschheitsgeschichte je gegenübergesehen haben. Aber auch dadurch, dass sie sich völlig auf den Kohlendioxidausstoß konzentrieren, übersehen die großen Umweltschutzorganisationen veröffentlichte Daten, die zeigen, dass andere Gase die Hauptschuldigen sind, die hinter der globalen Erwärmung stehen, die wir heute sehen. Daraus folgt, dass sie auch das vernachlässigen, was die wirkungsvollste Strategie zur Reduzierung der globalen Erwärmung in unserem Leben sein könnte: Das Plädoyer für eine vegetarische Ernährungsform.

Globale Erwärmung und Kohlendioxid
Die Gemeinschaft der Umweltschützer erkennt die globale Erwärmung zu Recht als eine der schwerwiegendsten Bedrohungen des Planeten an. Die Temperaturen weltweit sind jetzt schon höher als sie es zumindest im letzten Jahrtausend gewesen sind und sie steigen sogar schneller an als es die Wissenschaftler vorausgesagt hatten. Die erwarteten Folgen sind u. a. die Überflutung von Küsten, die Zunahme von extremen Wetterlagen, die Ausbreitung von Seuchen und ein Massensterben.

Unglücklicherweise hat die Gemeinschaft der Umweltschützer ihre sämtlichen Bemühungen fast ausschließlich darauf ausgerichtet, Kohlendioxid zu vermindern. Die Bemühungen der örtlichen Gesetzgebung konzentrieren sich auf die Steigerung der Wirtschaftlichkeit von Treibstoffen, auf die Begrenzung des CO2-Ausstoßes von Kraftwerken und auf die Investition in alternative Energiequellen. Ebenso beschränken sich die Verbraucherempfehlungen auf das CO2: „Kaufen Sie Autos und technische Geräte mit effizientem Kraftstoffverbrauch und verringern Sie deren Gebrauch!“

Dies ist eine ernste Fehleinschätzung. Daten, die von Dr. James Hansen und anderen veröffentlicht wurden, zeigen, dass der CO2-Ausstoß nicht die Hauptursache der zu beobachtenden Erwärmung der Atmosphäre ist. Das mag sich jetzt wie das Werk von Skeptikern der globalen Erwärmung anhören, ist es aber nicht. Hansen ist der Direktor des Goddard Instituts für Weltraumstudien der NASA und wird auch „der Großvater der Theorie der globalen Erwärmung“ genannt. Er unterstützt seit langem Aktionen gegen die globale Erwärmung, wurde von Al Gore und auch oft von Umweltschutzorganisationen zitiert und hat sich gegen die Skeptiker ausgesprochen, die den wissenschaftlichen Prozess untergraben. Seine Resultate werden allgemein von Experten der globalen Erwärmung angenommen, unter ihnen auch hochgestellte Persönlichkeiten wie Dr. James McCarthy, Vize-Vorstand der Gruppe II des Internationalen Expertenteams zum Klimawandel.

Die ausschließliche Konzentration auf CO2 wird teilweise durch Missverständnisse untermauert. Es stimmt zwar, dass menschliche Aktivitäten viel mehr CO2 als alle anderen Treibhausgase zusammen produzieren. Das bedeutet aber nicht, dass CO2 für den Großteil der Erderwärmung verantwortlich ist. Viele andere Treibhausgase schließen Hitze viel stärker ein als CO2, einige von ihnen sogar zehntausende Male stärker. Wenn man nun das globale Erwärmungspotential verschiedener Gase in Betracht zieht, – wobei das Potential definiert wird als die Summe der tatsächlichen Erwärmung, die ein Gas innerhalb der nächsten 100 Jahre produziert, – dann zeigt sich, dass ganz andere Gase als CO2 für den Großteil des Problems der globalen Erwärmung verantwortlich sind.

Und sogar diese Aussage übertreibt noch die Auswirkungen des CO2, weil die hauptsächliche Quelle dieser Emissionen – Autos und Kraftwerke – auch Aerosole produzieren. Aerosole wirken sich abkühlend auf die weltweiten Temperaturen aus; und der Großteil dieser Kühlung löscht den erwärmenden Effekt von CO2 nahezu vollständig aus. Was daraus folgt, ist überraschend: Die Quellen des CO2 Ausstoßes haben Pi mal Daumen Null Auswirkung auf die weltweiten Temperaturen – auf kurze Sicht zumindest.

Dieses Ergebnis ist in der Gemeinde der Umweltschützer noch nicht ausreichend bekannt, weil befürchtet wird, dass die Umwelt verschmutzenden Industrien es als Ausrede für ihren Treibhausgasstoß benutzen könnten. Die Union der Besorgten Wissenschaftler (Union of Concerned Scientists) zum Beispiel hat diese Daten von anderen Klimaexperten überprüfen lassen, die die Schlussfolgerungen von Hansen bestätigten. Die Union zitierte aber auch den Missbrauch durch die Verleugner der Erderwärmung, die gegen eine Drosselung von CO2 argumentierten. Diese Verdrehung der Tatsachen durch die Verleugner kann nicht gerechtfertigt werden.

Während CO2 auf kurze Sicht nur wenig Einfluss ausübt, bleibt seine Minderung jedoch notwendig, um den Klimawandel auf lange Sicht zu bekämpfen. Aerosole sind kurzlebig, sie verlassen nach ein paar Monaten die Luft, während CO2 die Atmosphäre weiterhin für Jahrzehnte und Jahrhunderte aufheizt. Außerdem können wir nicht davon ausgehen, dass der Ausstoß von Aerosolen mit dem steigenden CO2 mithalten kann. Wenn wir darin versagen, uns heute erfolgreich mit CO2 zu beschäftigen, wird der Zug längst abgefahren sein, wenn die Emissionen uns einholen.

Nichtsdestotrotz bleibt die Tatsache bestehen, dass die Quellen von Nicht-CO2-Treibhausgasen für so gut wie die ganze globale Erwärmung, die wir heute sehen und innerhalb der nächsten 50 Jahre sehen werden, verantwortlich sind. Wenn wir uns wünschen, die globale Erwärmung im Laufe des halben kommenden Jahrhunderts zu drosseln, müssen wir unseren Blick auf die Strategien richten, die gegen den Ausstoß von Nicht-CO2-Gasen angehen. Die Strategie mit der größten Wirkung ist der Vegetarismus.

Methan und Vegetarismus
Das bei weitem wichtigste Nicht-CO2-Treibhausgas in diesem Zusammenhang ist Methan; und die Quelle Nr. 1 von Methan weltweit ist die Viehzucht.

Methan ist für fast genauso viel globale Erwärmung verantwortlich wie alle anderen Nicht-CO2-Treibhausgase zusammen genommen. Methan ist ein 21 mal stärkeres Treibhausgas als CO2. Während die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre seit vorindustrieller Zeit um etwa 31 % gestiegen ist, hat sich die Konzentration von Methan mehr als verdoppelt. Wohingegen menschliche Quellen von CO2 sich nur auf 3 % der natürlichen Emissionen belaufen, produzieren menschliche Quellen eineinhalb Mal so viel Methan wie alle natürlichen Quellen zusammen. In der Tat können die Auswirkungen unseres Methanausstoßes pauschal auch als Methan induziert bezeichnet werden, da Erwärmung im Gegenzug den mikrobiologischen Zerfall organischer Materie in Feuchtgebieten anregt – die Hauptquelle von Methan.

Da Methan die Hälfte der durch den Menschen verursachten Erwärmung hervorruft, muss der Abbau von Methan absoluten Vorrang haben. Methan wird von verschiedenen Quellen verursacht, – darunter Bergwerke und Mülldeponien – aber die Quelle Nr. 1 weltweit ist die Viehzucht. Die Viehzucht produziert mehr als 100 Millionen Tonnen Methan pro Jahr. Und diese Quelle ist im Wachstum begriffen: Der weltweite Fleischverbrauch hat sich in der letzten fünfzig Jahre verfünffacht, und es ist kein Zeichen des Abklingens in Sicht.

Etwa 85 % dieses Methans werden durch den Verdauungsvorgang des Viehbestands produziert. Und während eine einzelne Kuh nur einen relativ kleinen Anteil an Methan freisetzt, ist der Gesamteffekt auf die Umwelt der Hunderte Millionen Tiere des weltweiten Viehbestands enorm. Weitere 15 % des Methans aus der Viehzucht werden durch gewaltige „Gülleseen“ freigesetzt, die zur Auslagerung von unbehandeltem Abfallprodukten aus der Viehzucht verwendet werden. Diese Gülleseen sind bereits jetzt in der Schusslinie der Umweltschützer, aufgrund ihrer Rolle als Hauptursache der Wasserverschmutzung in den USA.

Die Schlussfolgerung ist einfach: Die wohl beste Art und Weise, die globale Erwärmung während unserer Lebzeiten zu reduzieren, ist die Verringerung oder Beendigung unseres Verbrauchs an tierischen Produkten. Indem wir einfach Vegetarier werden (oder noch eher Veganer), können wir eine der größten Quellen des Methanausstoßes – dem Treibhausgas, das für die Hälfte der globalen Erwärmung und deren Auswirkungen auf den Planeten heute verantwortlich ist – ausschalten.

Die Vorteile des Vegetarismus gegenüber einer CO2-Reduzierung
Neben dem Vorteil der sofortigen Reduzierung der globalen Erwärmung ist eine Wende weg von Methan absondernden Lebensmittelquellen auch viel einfacher als die Verringerung des Kohlendioxids.

Erstens gibt es keine Begrenzung bei der Reduzierung der Quelle dieses Treibhausgases, die durch eine vegetarische Ernährungsweise erreicht werden kann. Vom Prinzip her können sogar 100 % mit nur sehr geringen negativen Auswirkungen erzielt werden. Im Gegensatz dazu sind ähnliche Sparmaßnahmen beim Kohlendioxid ohne verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft unmöglich. Sogar die ehrgeizigsten Strategien zur Reduzierung von Kohlendioxid schaffen es nicht, die Absonderungen um die Hälfte zu verringern.

Zweitens verringert die Wende in der Ernährungsweise die Absonderung von Treibhausgasen viel schneller als die Wende weg von Technologien, die fossile Brennstoffe verbrauchen und Kohlendioxid absondern. Die „Umlaufrate“ für das meiste wiederkäuende Vieh beträgt ein bis zwei Jahre, so dass eine Abnahme des Fleischkonsums einen fast sofortigen Rückgang der Methanemissionen zur Folge hätte. Die Umlaufrate für Autos und Kraftwerke jedoch kann Jahrzehnte betragen. Sogar wenn Treibstoff aus Quellen mit Null-Emissionen heute verfügbar wären, würde es viele Jahre dauern, die umfangreiche Infrastruktur, von der unsere Wirtschaft heute abhängt, aufzubauen und langsam zu ersetzen.

Hinzukommt, dass Methan, – anders als Kohlendioxid – das länger als ein Jahrhundert in der Luft bleiben kann, die Atmosphäre in nur acht Jahren verlässt, so dass eine geringere Methanabsonderung eine schnelle Abkühlung der Erde zur Folge hat.

Drittens beinhalten die Bemühungen, Kohlendioxid zu verringern, das Ankämpfen gegen mächtige und wohlhabende geschäftliche Interessen wie die der Auto- und Ölindustrie. Gruppen von Umweltschützern setzen sich schon seit Jahren dafür ein, dass Kraftstoff sparende Geländewagen hergestellt und Kraftwerke, die moderne Umweltschutzstandards nicht erfüllen, stufenweise ausgeschaltet werden – ohne Erfolg. Gleichzeitig sind aber vegetarische Lebensmittel bereits erhältlich und somit sind Verringerungen beim Ausstoß des Methans aus der Viehwirtschaft durch jede Mahlzeit machbar.

Umfragen zeigen außerdem, dass eine Besorgnis über die globale Erwärmung weit verbreitet ist. Umweltschützer fühlen sich aber oft hilflos, etwas dagegen zu tun, denn, wenn sie nicht gerade ein Auto oder ein größeres technisches Gerät erstehen, können die meisten Leuten, die eben den entscheidenden Unterschied machen wollen, wenig tun; es sei denn sie schreiben ihren Gesetzgebern und schalten zuverlässig das Licht aus. Die Verringerung ihres Fleischkonsums bis hin zu vollständigem Verzicht ist hingegen etwas, das betroffene Bürger jeden Tag tun können, um unserem Planeten zu helfen.

Zum Schluss ist es noch wichtig zu bemerken, dass die Reduktion dieser Quelle von Treibhausgasen viele förderliche Nebenwirkungen für die Umwelt hat. Weniger Methan hat weniger tropospherisches Ozon – ein Schadstoff für die menschliche Gesundheit und die Landwirtschaft – zur Folge. Hinzukommt, dass dieselben Massenviehzuchtbetriebe, die für diesen Methanausstoß verantwortlich sind, auch die meisten Wasservorräte des Landes [der USA] verbrauchen und das Land seiner Wildflächen berauben, um sie als Weideland und für den Futteranbau zu nutzen.

Die Schaffung von Weideflächen zur Stillung des wachsenden Hungers der westlichen Länder nach Fleisch ist eine Hauptursache für die Entwaldung und Wüstenbildung in den Ländern der Dritten Welt. Die Gülleseen aus den Massenviehzuchtanlagen sind eine Hauptursache der Wasserverschmutzung in den USA. Es ist tatsächlich so, dass aufgrund des hohen Bedarfs an fossilem Brennstoff in der Landwirtschaft die durchschnittliche amerikanische Ernährungsweise mehr zur Umweltverschmutzung durch CO2 beiträgt, als eine pflanzliche Ernährung.

Empfehlungen

  • Organisationen sollten in Betracht ziehen, das Plädoyer für den Vegetarismus zu einem großen Teil ihrer Kampagnen gegen die globale Erwärmung zu machen.
    Zumindest sollten Umweltschutzbefürworter die vegetarische Lebensform in jeder Information über Handlungen erwähnen, die jeder gegen die globale Erwärmung unternehmen kann.
  • Die politische Linie der Regierung sollte die vegetarische Ernährungsweise unterstützen. Mögliche Herangehensweisen beinhalten eine Umweltsteuer auf Fleisch, ähnlich der bereits bestehenden auf Benzin, eine Wende bei den landwirtschaftlichen Subventionen, um den Obst- und Gemüseanbau gegenüber der Viehzucht zu fördern und einen zunehmende Schwerpunkt auf vegetarischen Lebensmitteln in Programmen der Regierung wie der Schulspeisung oder den Lebensmittelmarken.

earthsave

Quelle:
EarthSave International: “A New Global Warming Strategy: How Environmentalists are Overlooking Vegetarianism as the Most Effective Tool Against Climate Change in Our Lifetimes”
http://www.earthsave.org/globalwarming.htm (August 2005)