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Zukunftsschock

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Datumsangabe: Im Juni des Jahres 2109, in einer Sozialkundestunde in der High School in Boise, Idaho.

Lehrer: Guten Morgen, Schüler. Heute erinnern wir uns daran, wie das Leben war in den Tagen von Barack Hussein Obama, dem ersten afroamerikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wie ihr alle wisst, hat Präsident Obama viel getan, um sich als einer der größten Präsidenten, die unser Land je gesehen hat, zu profilieren.

Damals im Jahr 2009 kam es in unserem Lande zu einem rapiden Absturz des Finanzwesens in katastrophalem Ausmaß. Aber Obama und sein Kabinett setzten gegen alle Widrigkeiten einen Plan um, der das Geschäftsgebaren der Banken und der staatlichen Unternehmen neu organisierte. Sie mussten nicht nur den Aktionären und der Regierung Rechenschaft ablegen, sondern waren auch der Umwelt und dem Wohl der Arbeiter verpflichtet. Für viele Menschen kamen ein paar schwierige Jahre, aber eine zweite große Depression wurde abgewendet.

Unter Präsident Obamas Führung wurde in diesem Land das Zeitalter des Friedens und des Wohlstands eingeleitet, das wir seitdem erleben durften. Einige vertreten die Ansicht, dass er die Welt vor dem ökologischen Kollaps rettete, indem er Agrarexperten und Wissenschaftler, die entscheidende Empfehlungen abgaben, in Schlüsselpositionen berief.

Vor hundert Jahren, und das mag euch unglaublich vorkommen, verhielt sich die ganze Welt in einer Weise, dass die damaligen Wissenschaftler laut darüber nachdachten, ob die Menschen tatsächlich eine rationale Spezies seien. Einige der brillantesten und angesagtesten Wissenschaftler vertraten die Ansicht, dass ohne einen politischen Wandel die Welt dazu verurteilt sei, Seuchen biblischen Ausmaßes, Überschwemmungen, Hungersnöte, Kriege um Nahrung und Wasser und andere Katastrophen zu erleben und das alles hausgemacht. Und trotzdem taten sich ganze Industrien zusammen, diese Wissenschaftler zu verurteilen. Es gab tatsächlich eine Debatte darüber, ob die globale Erderwärmung ein Problem sei.

Entsetzen und ungläubiges Gemurmel von den Schülern.

Ich weiß, heute sehen wir das alles ganz klar. Aber damals waren die Leute daran gewöhnt, sich einfach von den natürlichen Ressourcen zu nehmen, was sie wollten, weil sie nicht glaubten, dass das je Folgen haben könnte. Sie nahmen an, das Öl im Boden sei unerschöpflich und es gäbe nie einen Mangel an frischer Luft, Bäumen oder sogar Tieren. Sie glaubten, sie könnten tun, was immer sie wollten und das taten sie dann auch.

Es ist eindrucksvoll, sich vor Augen zu halten, wie schließlich der Wandel eintrat. Stellt euch zum Beispiel nur vor, wie die Menschen damals aßen. Früher aßen die Menschen zu nahezu jeder Mahlzeit Tiere; im Ernst. Aber dann vertraten gegen Ende des Jahres 2006 die Vereinten Nationen die Meinung, dass der Fleischkonsum eine der zwei oder drei bedeutendsten Ursachen für die schlimmsten Umweltprobleme sei – auf allen Ebenen, von der lokalen zur globalen. Sie hoben hervor, dass der Fleischverzehr eine der wichtigsten Ursachen von allen sei – von der Versteppung bis zum Verlust der Artenvielfalt und der Erderwärmung.

Tatsächlich war es die Rinderzucht für den Fleischverzehr, die mehr Ausstoß von Erderwärmungsgasen – Kohlendioxid, Methan und Lachgas – verursachte als sämtliche Transportmittel zusammengenommen. Obwohl also diese Millionen von großen Autos und altmodischen ölbetriebenen Flugzeugen die Umwelt verschmutzten und den Planeten mit halsbrecherischer Geschwindigkeit erwärmten, war die Viehzucht ein noch größeres Problem.

Trotzdem schien niemand davon Notiz zu nehmen, dass weiterhin jährlich 10 Milliarden Landtiere und viele Milliarden von Fischen allein in den Vereinigten Staaten von den Menschen getötet und gegessen wurden.

Ein Schüler: 10 Milliarden Tiere und alle diese Fische wurden pro Jahr geschlachtet? Als Nahrung für die Menschen?

Lehrer: Oh ja, die Menschen in den Vereinigten Staaten verzehrten jährlich pro Person ca. 100 kg tierischen Fleisches. Natürlich maßen damals die Vereinigten Staaten das Gewicht in etwas namens Pfund. Es waren also durchschnittlich ungefähr 220 Pfund. Sie aßen riesige Stücke von der Kuh: ihre Hinterteile, ihre Schultern und Fleisch aus ihrem Rücken und sie tranken ihre Milch. Sie aßen sogar die Babys der Kuh, man nannte es Kalbfleisch, denn sie mochten den Geschmack von zartem Fleisch. Mehr als alles andere verzehrten sie Hühnchen, sie aßen Hühnerbrust, Hühnerbeine, Hühnerflügel und die Menschen aßen auch ihre Eier.

Laute des Ekels aus der Klasse. Ein Schüler ruft aus: Die Menschen verzehrten die Milch und die Eier von Kühen und Hühnern? Im Ernst?

Lehrer: Ja, im Ernst. Bitte zurück zur Umwelt. Es war für die Menschen unvorstellbar, dass die Ursache für die Erwärmung des Planeten die Nahrung war, die sie verzehrten. Sogar der frühere Präsident Al Gore, der damals noch nicht zum Präsidenten gewählt worden war oder seinen Kreuzzug gegen den Verzehr von Tieren gestartet hatte, hatte davon keine Ahnung. Schließlich sah er den Zusammenhang und er wurde einer von Präsident Obamas Hauptratgebern, der ihn dazu drängte, sich ein genaues Bild zu machen, was die Viehzucht unserem Planeten antat.

Gleichzeitig kam eine Anzahl von Wissenschaftlern zusammen und forderte die Welt auf zu erkennen, was für ein Wahnsinn es war, Feldfrüchte durch Tiere zu schleusen, um diese dann zu essen. Abgesehen davon, dass dies die Ursache für 1/5 der gesamten Erderwärmung war und noch dazu sowohl grausam als auch ungesund, verschwendete die Schleusung von Getreide durch Tiere Hunderte Millionen Tonnen Weizen, Mais und Soja. Dieses Getreide wurde durch die Tiere geschleust, wobei alle Ballaststoffe und Kohlehydrate und die allermeisten Kalorien verschwendet wurden.

Und ihr dürft nicht vergessen, das war vor 100 Jahren, als fast eine Milliarde Menschen Hunger litten und fast mehr als eine Milliarde in extremer Armut lebten. Es ist ein schockierender Gedanke, dass in einer so reichen Welt Menschen verhungerten und trotzdem war es so. Von dieser fast einen Milliarde, die nicht genug zu essen hatten, um gesund zu sein, starben jährlich tatsächlich 40 Millionen Menschen aus hungerbedingten Gründen. Das macht es noch schwerer, diese Verschwendung von Getreide zu verstehen.

Es findet eine angeregte Debatte im Fachbereich Politische Wissenschaften an Colleges und Universitäten statt, ob es am wissenschaftlichen Streit über die Tiere oder der Debatte über die Umwelt und den Hunger unter den Menschen lag, dass der Verzehr von Tieren als vollkommen unethisch betrachtet wurde.

Aber alle sind sich einig, dass Richard Dawkins, andere Wissenschaftler und Tierschutzgruppen ihre Aufmerksamkeit auf das wissenschaftliche Argument richteten, für uns heute selbstverständlich, dass andere Tiere uns mehr ähnlich als unähnlich sind (sie fühlen Schmerz, sie haben Familiensinn, sie suchen Genuss usw.) und dass ihr Verzehr ... Nun, es liegt unter unserer Würde als Menschen und ist sicherlich schlecht für unsere Gesundheit und die Gesundheit des Planeten.

Professor Dawkins, der damals der führende Wissenschaftler der Evolutionstheorie war, prangerte an, was er „speziesistische Arroganz“ nannte – den Gedanken, dass die menschlichen Wesen die Krönung der Schöpfung sind – und er nannte andere Spezies unsere Vettern, obwohl diese Gedanken kaum den einhelligen wissenschaftlichen Konsens repräsentierten, trotz der Bemühungen von Dawkins, Jane Goodall und anderen Pionieren. Natürlich ist es für uns selbstverständlich, dass andere Spezies die gleichen grundlegenden Fähigkeiten und Sinne haben wie menschliche Wesen, aber wie schon gesagt, das war eine ganz, ganz große Sache, als Dawkins und Goodall dies vor 100 Jahren äußerten.

Zur gleichen Zeit begannen Tierschutzgruppen sich mehr und mehr darauf zu konzentrieren, wie diese Tiere behandelt wurden. Die Gruppen machten die unglaubliche Grausamkeit von Einrichtungen zur Eierproduktion aktenkundig, wo so genannte Bauern 7 Tiere in winzigen Käfigen zusammenpferchten, bis zu 100.000 in einem Stall, wo sie nicht in der Lage waren, sich artgerecht zu verhalten. Sie machten Schlachthäuser aktenkundig, – ich finde es immer noch erstaunlich, dass die Gesellschaft keinen anderen Namen für die Orte gefunden hat – wo man den Tieren bei vollem Bewusstsein die Glieder abhackte.

Sie hielten Tiere zu Tausenden in fensterlosen, gut abgeschirmten Gebäuden und im Inneren wurden Leute dazu eingeteilt, sie zu töten, sie zu zerlegen, zu zerhacken und als Nahrungsmittel zu versenden. Es war eine Menge Blut überall und von diesen Orten waren schreckliche Geräusche zu hören. Aber es war die größte Industrie der ganzen Welt und die Menschen schienen ihre Rechtmäßigkeit nicht in Zweifel zu ziehen. Manchmal kann man diese Videos spät am Abend im Kanal Amerikanische Geschichte anschauen, aber es ist ihnen eine Warnung an die Eltern vorangestellt, weil das nichts für schwache Gemüter ist.

An diesem Punkt starren die meisten Schüler blicklos vor sich hin, total geschockt.

Es tut mir leid, ich weiß, das Zuhören fällt einem schwer, aber es ist wichtig, dass wir unsere Geschichte verstehen und es ist wichtig, dass ...

Ein Schüler unterbricht: Aber, wie konnte das sein? Wurden die Leute nicht krank, wenn sie Tierkörper aßen? Ich meine, sie aßen Leichen!

Lehrer: Natürlich wurden sie krank. Millionen Menschen erkrankten jedes Jahr, weil sie verseuchtes tierisches Fleisch gegessen hatten, und Tausende starben. Und was noch schockierender ist, mehr als die Hälfte der Amerikaner starben an Herzkrankheiten und Krebs; das waren zu jenen Zeiten schlimme Krankheiten. Und 2/3 der Amerikaner waren übergewichtig aufgrund dieser ungesunden Ernährung, obwohl einige Ärzte und Ernährungsexperten versuchten, der Allgemeinheit zu erklären, dass der menschliche Körper nicht auf den Konsum von Tieren ausgelegt ist: ungefähr so, wie die Leute Zigaretten rauchten und so lange deren Schädlichkeit leugneten, so aßen die Menschen auch Tiere und leugneten deren Schädlichkeit. Ich weiß, all das kommt euch ziemlich skurril vor, aber es ist wahr.

Ein weiterer Schüler schaltet sich ein: Aber warum, warum aßen sie Tiere? Es scheint so ... so krass.

Lehrer: Nun, vielleicht mochten sie den Geschmack von Tierfleisch (allgemeines Aufstöhnen der Schüler). Ich bin mir nicht wirklich sicher. 2008 lief ein Film an über ein Rugby Team, das einen Flugzeugabsturz überlebte, und die Mitglieder aßen schließlich ihre Teamgenossen auf, als diese erfroren. Ich vermute, dass die Erkenntnis, dass die Menschen ebenfalls aus Fleisch bestehen, vielleicht einige schockiert hat.

Man darf nicht vergessen, dass damals allein der Gedanke an umweltbewusste Unternehmen absolut neu war und dass einige Unternehmen boomten, weil die Menschen so traditionsgebunden waren. Es gab riesige Firmen, die auf den Profit aus Kriegen, aus dem Bergbau, aus dem Ölgeschäft und aus der Tötung von Milliarden von Tieren ausgerichtet waren. Ihr glaubt dies vielleicht nicht, aber die Menschen nannten tatsächlich das Erntedankfest „den Tag des Truthahns“, denn ungefähr 50 Millionen Truthähne wurden alleine für diesen Tag getötet.

Der erste Schüler platzt frustriert heraus: Wie konnte das sein? Meine Urgroßmutter war noch vor 100 Jahren am Leben. Sicherlich hat sie keine Tiere gegessen?!

Lehrer: Nun, denkt daran, vor nicht allzu langer Zeit, hielten die Menschen andere Menschen als Sklaven und der Holocaust fand lediglich 60 Jahre vor dem Amtsantritt Obamas statt. Denkt an Ereignisse wie die Hexenverbrennungen, Kreuzzüge, die Tatsache, dass die Frauen 100 Jahre vor der ersten schwarzen Präsidentschaft nicht einmal wählen konnten. Gott sei Dank entwickeln sich die menschlichen Wesen auch ethisch und nicht nur physisch!

Sei’s drum, ungefähr vor 100 Jahren wurde eine Kampagne gestartet, angeführt von einer Koalition von Gesundheits-, Umwelt-, Armuts- und Tierschutzorganisationen und unterstützt von Präsident Obama und seiner tierlieben Familie. Plötzlich waren überall T-Shirts und Aufkleber zu sehen mit „Vegetarismus ist unsere HOFFNUNG“ und natürlich wurden viele Bereiche abgedeckt: die Umwelt, die globale Armut und unsere Gesundheit. Allmählich wurde eine Ernährung auf eher pflanzlicher Basis populär und tatsächlich kam Bewegung in die Sache und innerhalb weniger Jahre ließen die Menschen den Verzehr von Tieren auslaufen.

Es war vielleicht der unvermeidliche Verlauf der Geschichte. In diesem Fall begegnete man der ökologischen Krise mit wissenschaftlichem Verständnis, gekoppelt mit einem starken Selbsterhaltungstrieb. Wir lernen aus unseren Fehlern und wir lernen aus der Wissenschaft. Wenigstens dafür können wir dankbar sein. Seid ihr nicht auch der Meinung, dass wir etwas zu feiern haben, wenn wir aus unsern Fehlern lernen?

Ein junges Mädchen, das sich bisher still verhalten hat, sagt leise: „Ich bin froh, dass ich damals nicht gelebt habe, ich glaube ich hätte es nicht über mich gebracht, ein Tier zu essen.“

Dieser Artikel wurde zuerst in der Huffington Post veröffentlicht.

Copyright © 2009 HuffingtonPost.com, Inc.

Veröffentlichung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Mrs. Kathy Freston

Quelle:
HuffingtonPost.com: Future Shock
http://www.huffingtonpost.com/kathy-freston/future-shock_b_210545.html (3. Juni 2009)