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Jens Holm über Ernährung und die globale Erwärmung sowie seine Arbeit im Europäischen Parlament

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Jens HolmJens Holm ist schwedisches Mitglied des Europäischen Parlaments. Bis Dezember 2008 war er Mitglied des nichtständigen Ausschusses zum Klimawandel des Europäischen Parlaments und ist jetzt noch im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit. Neben Themen der Klimaveränderung beschäftigt er sich mit Tierrechten und globaler Gerechtigkeit.

In einem Interview mit einem Korrespondenten von Supreme Master Television in Belgien sprach Jens Holm über pflanzliche Ernährung und die globale Erwärmung sowie über seine Arbeit in Europäischen Parlament.

Jens Holm: „Die Klimaerwärmung ist eines der Hauptthemen, mit denen ich mich im Europaparlament beschäftige, und wie Sie wissen: Wenn wir den Klimawandel nicht sofort anpacken, gibt es künftig keinen Planeten, auf dem wir leben können. Bei diesem Problem geht es also um unsere Zukunft und besonders um die kommende Generation. Daher ist es eine Frage der Gerechtigkeit und Solidarität sicherzustellen, dass die Emissionen zurückgehen, und sie müssen ziemlich stark zurückgehen. Vor allem wir in der reichen Welt, in Schweden, Europa, Nordamerika, müssen unseren Lebensstil völlig umstellen. Das bedeutet in der Praxis, dass wir in Europa einige sehr schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen, die zu neuen Erfordernissen in der gesamteuropäischen Industrie führen werden: zur Senkung von Emissionen durch Privatautos, zur Senkung von Emissionen in der Luftfahrt, zu geringerem Fleischkonsum – das sind einige Ideen, die hinter der Senkung von Emissionen stecken.“

„Vielleicht denken nicht viele Menschen darüber nach, dass wir mehr Fleisch essen als je zuvor in der Weltgeschichte und dass die Produktion von Fleisch und anderer Tierprodukte ein sehr ineffizienter Weg ist, Nahrung für die Menschen zu produzieren. Man braucht zirka 10 bis 15 kg Getreide, um 1 kg Rindfleisch zu erzeugen. Man braucht zirka 15.000 Liter frisches Wasser, um das gleiche 1 kg Rindfleisch zu erzeugen. Das ist nur ein Beispiel für die Ineffizienz der Fleischindustrie. Die Fleischindustrie ist auch weltweit verantwortlich für zirka 18 % der Treibhausgas-Emissionen. Das bedeutet, diese Industrie verursacht mehr Schaden als die weltweite Transportindustrie. Wir müssen also weniger Fleisch essen – und vor allem in den reichen Ländern, in Nordamerika und Westeuropa, müssen wir weniger Fleisch essen.“

„Mehr als 800 Millionen Menschen auf der Welt leben unterhalb der Armutsgrenze. Diese Menschen hungern Tag für Tag. Und genau auf diese Themen müssen wir uns konzentrieren: weniger Auto fahren, weniger Feldfrüchte zur Erzeugung von Biotreibstoff nutzen – das wäre ein Weg nach vorne. Aber die größte Wirkung würde man erzielen, wenn man seinen Fleischkonsum reduziert oder ganz einstellt. Das hätte eine enorme und positive Wirkung, denn dann entstünde ein Getreideüberschuss, mit dem die heute hungernden Menschen ernährt werden könnten.“

In dem Bericht „Die Tierindustrie und das Klima – die EU schließt die Augen und verschlimmert die Lage“ schrieben Toivo Jokkala und Jens Holm: „Der Klimawandel ist dabei, sich zu der bisher größten Gefahr für das Überleben unserer Welt zu entwickeln. Es gibt eine relativ große Bewusstheit über und eine Handlungsbereitschaft gegen einige der schlimmsten Verunreiniger, wie die Industrie und den Transportsektor. Aber einer der größten Verursacher des Klimawandels glänzt – bemerkenswerterweise – in der Debatte oft mit Abwesenheit: die Lebensmittelindustrie.“

Jens Holm: „Als wir uns den Haushalt der Europäischen Union ansahen, stellten wir fest, dass ein beträchtlicher Teil des EU-Haushalts direkt an die Fleischindustrie geht, in Form von so genannten Unterstützungsgeldern. Das bedeutet, die Europäische Union kauft den gesamten Fleischüberschuss in der Union auf, um die Fleischproduzenten zu schützen. Sie investierten auch in die Werbung für Fleisch. Private Firmen erhalten Geld, direkt vom Steuerzahler, durch die Europäische Union, um Fleischprodukte zu vermarkten. Das kann in Zukunft nicht weitergehen.“

Der Bericht rät der Europäischen Union und den Regierungen, aktive und wirksame Maßnahmen zu unternehmen, um einen umweltfreundlichen und nachhaltigen Lebensmittelkonsum zu fördern.

Jens Holm: „Die Europäische Union subventioniert die Fleischproduktion mit zig Milliarden Euro, und das ist nicht hinnehmbar. Denn diese Subventionen fließen in eine Produktion, die zur Nachhaltigkeit und zur Balance des Planeten völlig im Gegensatz steht. Es war eine unserer Forderungen, dass die Europäische Union alle Subventionen für die Fleischindustrie streichen muss und stattdessen Anreize für eine vegetarische Ernährung geben soll.“

„Der Klimawandel ist die seit jeher größte Bedrohung für den Planeten, und zwar aufgrund der immer stärker zunehmenden Treibhausgase. Doch zugleich gibt es sehr viel, das Sie und ich als Einzelperson tun können. Zum Beispiel könnten wir weniger Fleisch essen oder wir könnten Vegetarier oder reine Veganer werden. Das wäre wahrscheinlich tatsächlich der größte Schritt, den ein Mensch tun kann, um die Treibhausgase zu senken. Aber wir müssen auch politisch und in Organisationen aktiv werden und dafür sorgen, dass unsere Regierungen und Parteien tun, was sie tun müssen: also keine Subventionen für die Fleischindustrie, sondern z. B. die vegetarische Ernährung fördern.“

„Die Gesellschaft sollte das Geld einsetzen, um über die Vorzüge einer vegetarischen Ernährung zu informieren, in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen wie Altenheimen und vielleicht auch in Kindergärten, damit sich die kleinen Kinder an das vegetarische Essen gewöhnen. Denn es ist gut für jeden. Es ist nicht nur für die Umwelt gut, es ist offensichtlich auch gut für die Tiere und für unsere eigene Gesundheit. Heutzutage fließen EU-Subventionen direkt in Werbekampagnen für den Fleischkonsum. Es sollte umgekehrt sein! Es sollte Kampagnen für den Vegetarismus geben, denn das ist die Lösung. Ein anderer Weg wäre, das Fleisch zu besteuern, damit es teurer wird und man verinnerlicht, dass Fleischkonsum auf Kosten der Umwelt und des Gemeinwohls geht. Und die Einnahmen aus dieser Fleischsteuer können zur Subvention vegetarischer Nahrungsmittel verwendet werden. Man könnte vieles tun. Und wer weiß, vielleicht leben wir eines Tages in einer Welt, in der die Menschen keine Tiere essen.“

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2008 richtete Jens Holm zusammen mit der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus (SVV) und der European Vegetarian and Animal News Alliance (EVANA, Europäische News-Agentur für die Bereiche Vegetarismus und Tiere) die Petition „Lebensmittel gegen Futter“ an die Vereinten Nationen und deren Niederlassungen. Durch diese Kampagne sollen mindestens 1 Million Unterschriften gesammelt werden, um eine pflanzliche Ernährung zu fördern. Alle Unterschriften werden am 1. Oktober 2009 in New York, USA, in Rom, Italien, und in Genf, Schweiz, an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, sowie an Dr. Jacques Diouf, Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), und an Dr. Margaret Chan, Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), weitergeleitet. Zusätzlich initiierte Jens Holm eine ähnliche Unterschriftenkampagne in Zusammenarbeit mit dem Nutrition Ecology International Center (NEIC), in der die Europäische Union aufgefordert wird, Subventionen für die Vieh- und Fischindustrie abzuschaffen.

Jens Holm: „Das ist ein sehr wichtiges Mittel, denn es zeigt, dass es Tausende und Abertausende Leute gibt, die eine solche Petition unterschreiben und damit ihre große Sorge in dieser Angelegenheit ausdrücken, indem sie die Vereinten Nationen ersuchen, den Fleischkonsum als ein politisches Problem zu behandeln, denn es ist ein politisches Problem. Petitionen, Demonstrationen, Artikel und Zeitungen, Fernsehsendungen wie diese – es gibt so viele Dinge, die an der Wurzel angepackt werden können. Und ich kann das als Politiker fühlen, ich höre all diese Äußerungen. Vor ein paar Jahren gab es nur sehr wenige. Doch jetzt sehe ich ein wachsendes Bewusstsein beim Thema Fleischkonsum und das ist wirklich gut!“

Am 2. Dezember 2008 veröffentlichte der nichtständige Ausschuss zum Klimawandel des Europäischen Parlaments einen Bericht, der eine Reihe von Vorschlägen an die EU hinsichtlich einer zukunftsorientierten Klimapolitik enthält; der Vegetarismus und die Reduzierung des Fleischkonsums wurden darin als wichtige Ziele angeführt. In Bezug auf diesen Beschluss sagte Herr Holm: „Es ist fast ein historisches Ereignis, auf die Anfrage zur Reduzierung des Fleischkonsums eine so große Unterstützung zu bekommen.“

„Der erwähnte Bericht, den Herr Jokkala und ich zusammen schrieben und vom Schwedischen ins Englische übersetzten, entfachte tatsächlich eine große Debatte im Europäischen Parlament und darüber hinaus. Die Fleischindustrie zur Verantwortung zu ziehen und die vegetarische Ernährung als eine der Lösungen für das Klimaproblem zu fördern, ist eine Angelegenheit, auf die ich wirklich stolz bin – das ins Europäische Parlament einzubringen und eine europäische Diskussion darüber zu entfachen.“

„Ich hoffe, dass die Kinder in Zukunft in einer Welt leben können, die im Einklang mit der Natur steht. Das heißt, in einer Welt, in der wir das Problem der Armut gelöst haben, in der alle Menschen ein Zuhause haben und täglich drei Mahlzeiten essen können. Eine Welt, in der wir auch im Einklang mit den Tieren leben, in der wir keine Tiere züchten, keine Tiere transportieren und natürlich auch keine Tiere töten; dass die Tiere mehr oder weniger frei leben können und dass wir mit der Natur leben und nicht gegen sie. Das ist mein Ziel.“

Für weitere Details zur Arbeit von Jens Holm besuchen Sie bitte:
http://meatclimate.org/sites/default/files/reports/meatclimate_german.pdf (PDF-Datei • 454 KB)
http://www.jensholm.se/category/english/
http://www.europarl.europa.eu/members/public/geoSearch/view.do?id=37008

Veröffentlichung der Auszüge aus diesem Interview mit freundlicher Genehmigung von Jens Holm und Supreme Master Television

Quelle:
http://suprememastertv.com/de/bbs/board.php?bo_table=pe_de&wr_id=65&goto_url=&url=link2_0 (21. Januar 2009)