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Dr. Rajendra Pachauri, Vorsitzender des IPCC der UNO über eine Win-Win-Situation für den Planeten

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Der Welt-Umwelt-Tag 2008Der Welt-Umwelt-Tag ist eines der wichtigsten Ereignisse im Kalender der UN und wird jährlich in mehr als 100 Ländern auf der ganzen Welt abgehalten. Das Thema des diesjährigen Welt-Umwelt-Tages lautete: „Wirf die CO2-Gewohnheit’ über Bord.“ Angesichts dieses besonderen Tages übernahm Neuseeland am 5. Juni 2008 die Gastgeberrolle bei einem Treffen weltweit führender Umweltschützer, Wissenschaftler und Regierungsdelegationen in Wellington, der Hauptstadt des Landes.

Bei diesem Ereignis gab es eine besondere Pressekonferenz, bei der die größte Krise der Menschheit angesprochen wurde – der Klimawandel. An diesem Treffen beteiligt waren der neuseeländische Umweltminister Trevor Mallard, der neuseeländische Minister für Klimawandel, Herr David Parker, Herr Achim Steiner, Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, Anote Tong, der Präsident von Kiribati, und Dr. Rajendra Pachauri, Leiter des UN-Weltklimarates.

Trevor Mallard – neuseeländischer Umweltminister: Es ist wirklich eine Freude und eine Ehre für Neuseeland, bei solch einem bedeutenden Ereignis Gastgeber zu sein. Es hat uns wirklich geholfen, eine große Anzahl Neuseeländer zu motivieren, sich an den Feierlichkeiten und Aktivitäten im ganzen Land zu beteiligen; mehr als 120 Schulen, Kiwi-Gemeindegruppen, werden heute Bäume pflanzen und gärtnern, Spazier- und Fahrradwege bauen oder reparieren oder Schulungen über den sorgfältigeren Umgang mit der Umwelt abhalten.

Präsident Tong von Kiribati: Kiribatis höchster Punkt auf der Insel liegt ungefähr zwei Meter über dem Meeresspiegel. Wir sind vielleicht schon an dem Punkt, wo es kein Zurück mehr gibt; wo die Emissionen in der Atmosphäre auch weiterhin zum Klimawandel beitragen und der Meeresspiegel derart ansteigt, dass unsere kleine niedrig liegende Insel überschwemmt wird.
Hier geht es nicht um Wirtschaftswachstum, sondern um das Überleben von Menschen. Für einige gilt das schon jetzt. Wenn die Weltgemeinde, die verschiedenen Länder, ihren CO2-Ausstoß drosseln, wird es das nächste Land treffen.

Herr Achim Steiner, Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen und Exekutivdirektor des UN-UmweltprogrammsHerr Achim Steiner (Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen und Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms): Es mag viele Länder geben, die nicht sofort dieselben Auswirkungen zu gewärtigen haben; es gibt jedoch tatsächlich viele Inselvölker, die jetzt schon dem Untergang geweiht sind, die bis Ende dieses Jahrhunderts verschwunden sind. Und das ist nur der Anfang der sichtbaren Auswirkung des Klimawandels. Der noch unsichtbare Teil, die Anteile, die wir noch nicht unbedingt verstanden haben, die aber um uns herum geschehen, sind auch schon auf dem Weg.

Der Weltklimarat der UN (IPCC) konzentriert sich auf die wissenschaftlichen und strategische Dimensionen der Drosselung des Klimawandels. Das IPCC erzielte erfolgreich eine Übereinstimmung mit 2.500 Wissenschaftlern aus mehr als 130 Ländern für seinen Bericht aus dem Jahr 2007, der auf den entscheidenden Zusammenhang der globalen Erwärmung mit den menschlichen Aktivitäten hinweist.
Zusammen mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore erhielt das IPCC 2007 den Friedensnobelpreis für sein Arbeit „zum Aufbau und der Verbreitung größerer Kenntnisse über den vom Menschen verursachten Klimawandel und die Grundsteinlegung für Maßnahmen, die erforderlich sind, solchen Veränderungen entgegen zu wirken.“
Dr. Rajendra Pachauri, Ökonom und Umweltwissenschaftler mit zwei Doktortiteln, ist seit 2002 Vorsitzender des IPCC. Er ist auch Generaldirektor des Instituts für Energie und Ressourcen in Indien, einer Organisation, die nachhaltige Entwicklung erforscht und fördert.
Dr. Pachauri ist strikter Vegetarier aufgrund seines Hindu-Glaubens und auch wegen der Auswirkungen des Fleischverzehrs auf die Umwelt.
Den größten Teil des Jahres reist er durch die ganze Welt, um das Bewusstsein auf den Klimawandel zu lenken. Er drängt Regierungsführer und die Öffentlichkeit, sich eine nachhaltigere Lebensweise anzueignen und den Fleischkonsum zu stoppen, Fahrrad zu fahren und genügsame Verbraucher zu sein.

Die Reporterin von Supreme Master Television griff dieses Thema bei der Pressekonferenz in Wellington auf, um weitere Erklärungen von Dr. Pachauri zu erhalten.

Dr. PachauriKönnen Sie unseren Zuschauern in aller Welt erklären, wie ein verringerter Fleischverzehr die globale Erwärmung drosseln kann?

Dr. Rajendra Pachauri (Vorsitzender des Weltklimarates der UN): Nun, betrachten wir den gesamten kommerziellen Fleischzyklus und beginnen wir mit dem Töten des Tieres. Es muss in einer kalten Umgebung aufbewahrt werden, denn heutzutage ist es ein weltweites Geschäft. Man braucht nicht nur Kühlgeräte an der Quelle, man braucht auch Kühlung beim Transport; dann wird das ganze Fleisch in Großmärkten eingelagert und kommt dann zum Weiterverkauf in andere Geschäfte, wo es wieder in Kühlgeräten aufbewahrt wird.

Die Leute kaufen Fleisch; sie kaufen jede Menge davon; tragen es nach Hause und kühlen es in immer größeren Gefriertruhen, warum? Weil man das Fleisch vor dem Verderb schützen muss; und ich spreche nicht einmal vom Abholzen der Wälder für Weideflächen!

Wenn man also die gesamte Kette, den gesamten Zyklus der Fleischproduktion und des Konsums in Betracht zieht, ist das ungeheuer intensiv hinsichtlich der CO2-Emissionen. Und deshalb sage ich immer, wenn man weniger Fleisch isst, ist man selbst gesünder und auch der Planet ist gesünder! Wir essen viel zu viel Fleisch in dieser Welt! Und wenn das Einkommen in den Gesellschaften steigt, die sich eigentlich vegetarisch oder mit nur wenig Fleisch ernährt haben, dann haben sie auf einmal einen größeren Verbrauch an tierischem Eiweiß.

Es ist also ganz klar sinnvoll, denn alle können nur gewinnen, wenn man weniger Fleisch isst. Das ist das überzeugende Argument bei diesem Appell, den ich überall im Laufe der Jahre ausgesprochen habe – sogar in Ländern, die nichts außer Fleisch essen; und glücklicherweise habe ich überlebt!

Würden Sie als Vorsitzender des IPCC, den Führern und Regierungen in aller Welt gerne irgendwelche Ratschläge hinsichtlich der großen Menge von CO2-Emissionen geben, die von der Massentierhaltung produziert werden? Welche Maßnahmen sollten wir diesbezüglich ergreifen?

Dr. Rajendra Pachauri: Ich denke, es würde der globalen Gemeinde enorm helfen, wenn wir weniger Fleisch konsumieren. Aber ich hebe nur die Tatsache hervor, dass der gesamte Fleischzyklus sehr, sehr intensiv ist im Hinblick auf die CO2-Emissionen.

In dem Moment, wo die Wälder für Weideflächen abgeholzt werden, hat man Rinder, die dort grasen. Dann werden die Rinder getötet und gekühlt. Wenn man also die mit dem gesamten Zyklus verbundenen CO2-Emissionenan schaut, sind sie ziemlich hoch. Wenn man einige der Schätzungen betrachtet, erscheint es wirklich erschütternd. Aber mehr als alles andere, denke ich, können wir alle nur gewinnen, wenn wir weniger Fleisch zu essen. Es gibt genug medizinische Beweise dafür, dass die Höhe des Fleischkonsums, den wir heute pro Kopf in der Welt haben – besonders in Gesellschaften, in denen Fleisch einen großen Teil der Ernährung ausmacht – sogar schädlich ist für die menschliche Gesundheit. Und wenn man deshalb beginnt, weniger Fleisch zu essen, dann wären, wie ich bereits sagte, der Einzelne und der Planet gesund!

Wir hören viel davon, dass Regierungen ihre CO2-Emissionen reduzieren oder versprechen es zu tun, und das in all den verschiedenen Bereichen: Transport, Elektrizität, Produktion usw. Wir hören aber nicht viel über den Tierhaltungssektor. Und wenn wir etwas hören, scheint es sich auf einen Zeitraum von 4 oder 5 Jahren zu konzentrieren – was laut vieler Wissenschaftler zu spät ist. Gibt es irgendeinen Rat, den wir unseren Führern und unseren Regierungen geben sollten, damit sie diesbezüglich eiliger handeln?

Dr. Rajendra Pachauri: Ich denke, wir müssen wirklich anfangen, über unseren Tellerrand hinauszuschauen; wir sollten nichts als gegeben ansehen. Wir sollten nicht annehmen, dass die bestehenden Strukturen des Konsums und der Produktion außerhalb unseres Einflussbereiches oder der Alternativen liegen, für die wir Menschen uns entscheiden können. Und wenn man sich den Fleischzyklus anschaut, dann merkt man, dass vieles davon sehr zerstreut ist – also besonders in verschiedenen Teil der Welt gelegen ist – und so der Aufmerksamkeit entschwindet.

Aber das Sache der Analytiker, derjenigen, die im Demokratie-Geschäft sind. Sie müssen die Fakten herausbringen. Ich denke, wenn sie draußen sind und die Öffentlichkeit sie versteht, dann sicherlich können die Weltführer und diejenigen, die die öffentliche Meinung verbreiten, auch klar darstellen, was der Fleischverzehr in großen Mengen beinhaltet.

Mein Rat wäre daher, dass wir die Fakten herausgeben sollten. Und sobald die Leute sich der Fakten bewusst sind, dann wird die Öffentlichkeit insgesamt und werden die Führer gewisser Gesellschaften Vorteile darin sehen, zu einer weniger fleischorientierten Ernährung zu überzugehen. Leider wurden diese Dinge noch nicht wirklich angemessen dargestellt, damit die Leute einen Blick darauf werfen und Haltungen einnehmen können, durch die sie ihre Abhängigkeit von Fleisch reduzieren.

Sie sagten, dass es zu spät sein wird, wenn wir nichts vor 2012 unternehmen. Dass wir innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre etwas unternehmen müssen; also ist das etwas, auf das wir unsere Regierungen drängen sollten, damit sie die Bevölkerung und andere Führer darauf hinweisen, dass wir jetzt wirklich dringend Taten vollbringen müssen?

Dr. Rajendra Pachauri: Absolut. Schauen Sie sich den vierten Klimabericht des IPCC an. Wir haben mehrere Stabilisierungsszenarien beurteilt. Eines davon möchte ich gerne hervorheben. Es ist dasjenige, das sicherstellt, dass der Klimawandel nicht zu mehr als 2 bis 2,4 Grad Celsius Erwärmung führen wird.

Nun, bei diesem bestimmten Szenario müssten wir sicherstellen, dass wir bis spätestens 2015 anfangen, die globalen Treibhausgase zu reduzieren. Uns bleibt wirklich nicht viel Zeit. Es unterstreicht daher die Dringlichkeit, so schnell wie möglich zu handeln.

Ich möchte auch betonen, dass es selbst bei diesem Szenario ein schlimmes Ergebnis geben wird. Dass die Welt sich mit steigenden Meeresspiegeln durch thermische Ausdehnung konfrontiert sehen wird. Und wir schätzen den steigenden Meeresspiegels auf 0,4 bis 1,4 Meter ein – lediglich aufgrund der thermischen Ausdehnung. Wenn man dem die Wassermenge hinzufügt, die durch schmelzende Eiskörper freigesetzt wird und die den Meeresspiegel weiter ansteigen lässt, dann haben wir die Welt bereits einer Bedrohung ausgesetzt, die Auswirkungen hat auf eine große Anzahl kleiner Inselstaaten, tiefliegende Küstengebiete auf der ganzen Welt.
Das gibt uns eine absolut deutliche Warnung, dass wir überhaupt keine Zeit zu verlieren haben, und sicherstellen müssen, dass wir anfangen, die Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich zu reduzieren – ganz sicher bis 2015, wenn wir den Temperaturanstieg zwischen 2 und 2,4 Grad Celsius stabilisieren wollen und die Meeresspiegelsteigerung allein durch die thermische Ausdehnung, wie vorhin bereits erwähnt, verhindern wollen.
Und es gibt viele andere Gründe, warum es so dringlich ist, etwas zu unternehmen. Wenn man auf die Auswirkungen des Klimawandels schaut beim Wasser, der menschlichen Gesundheit, der Landwirtschaft, des Ökosystems, dann kommen wir wirklich in eine Zone, in der diese Auswirkungen sehr ernst werden, selbst bei einem Temperaturanstieg von 1 bis 1,5 Grad.

Also können wir wirklich keine Sekunde verlieren; und ich denke, wenn die Welt das Klima der Erde stabilisieren und deshalb die Bedrohung der schädlichen Auswirkungen minimieren oder ausschalten möchte, dann müssen wir uns beeilen.

Vielen Individuen sind die sehr wichtigen und effektiven Schritte nicht klar, die sie als Einzelpersonen unternehmen können, um die globale Erwärmung und den Klimawandel zu drosseln. Sie erkennen nicht, welchen Einfluss es hat, weniger Fleisch oder gar kein Fleisch zu essen hat. Wenn es also zwei oder drei einfache Schritte gibt, die jede Person machen kann, um ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren, können Sie uns vorschlagen, was das sein könnte?

Dr. Rajendra Pachauri: Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die der Einzelne tun kann. Gewiss sollten wir auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Zum Beispiel überlegen wir es uns nicht zweimal, bevor wir in ein Auto steigen und fahren, wohin wir wollen; wir überprüfen nicht, ob vielleicht öffentliche Verkehrsmittel zur Verfügung stehen, um an einen bestimmten Ort zu gelangen; und wenn sie verfügbar sind, dann denke ich, ist es bei weitem besser, öffentliche Verkehrsmittel zu nehmen. Es ist besser zu Fuß zu gehen, wenn wir gehen können, oder ein Fahrrad zu benutzen, wenn wir es können.

Ich denke daher, wir können im Transportbereich und bei der Wahl der Verkehrsmittel, gewiss die nehmen, die einen viel geringeren CO2-Ausstoß verursachen. Ähnliches gilt für die Beleuchtung und den Gebrauch von Klimaanlagen. Wenn wir Technologien benutzen, die sehr energiesparend sind, können wir einen bedeutenden Unterschied bei unseren CO2-Emissionen bewirken; und schließlich: unsere Ernährungsform.

Ich denke, wenn wir sicherstellen, dass unsere Ernährungsmethode – dass das, was wir essen – viel weniger CO2-Emissionen verursacht, aber keinesfalls die Nährstoffe reduziert, die wir bekommen, so denke ich, sollten wir in diese Richtung wechseln.

Ich halte es jedoch für wichtig, ein Regierungsprogramm zu haben, das auch die individuelle Wahl beeinflusst. Und dazu käme es besonders dann, wenn wir das CO2 mit einem Preis versehen. Denn wenn das geschieht, dann kann sich der Preis von allem, was mit CO2-Emissionen verbunden ist, signifikant ändern. Die Verbraucher würden ihre Entscheidungen entsprechend der Preisänderungen vornehmen.

Dr. Pachauri, unsere Zuschauer in aller Welt werden durch Ihre Worte sehr inspiriert werden. Vielen Dank, dass Sie uns heute Ihre Erkenntnisse mitgeteilt haben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Supreme Master Television

 

Quelle:
http://suprememastertv.com/de/bbs/board.php?bo_table=pe_de&wr_id=43&goto_url= (25. Juni 2008)