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Dr. Rajendra K. Pachauri – Globale Erwärmung: die Auswirkungen der Fleischproduktion und des Fleischverzehrs auf den Klimawandel

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Dr. Pachauri

Am 8. September 2008 lud die gemeinnützige britische Organisation „Compassion in World Farming“ (Mitgefühl in der weltweiten Landwirtschaft) zu einer Veranstaltung ein, die die zerstörerischen Auswirkungen der Viehzucht auf die Umwelt zum Thema hatte. Unter den 400 anwesenden VertreterInnen von Regierungen, Botschaften sowie aus der Forschung etc. waren auch Dr. Henning Steinfeld, Viehzuchtspezialist der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und Dr. Robert Robert Watson, wissenschaftlicher Leiter der britschen Behörde für Umwelt, Ernährung und ländliche Entwicklung. Dr. Rachendra Pachauri, Vorsitzender des UN-Weltklimarates (IPCC), hielt dort folgende Rede mit dem Titel „Globale Erwärmung: die Auswirkungen der Fleischproduktion und des Fleischverzehrs auf den Klimawandel“:

Dr. Pachauri: Vielen Dank. Ich freue mich sehr, hier zu sein, und es ist eine große Ehre, dass ich eingeladen wurde, diesen wichtigen Vortrag zu halten, den zweiten dieser Reihe. Ich möchte auch gleich zu Beginn betonen, dass ich bei allem, was ich sagen werde, nur für mich spreche. Denn in der Schlagzeile einer Zeitung hieß es, die UN würde einen geringeren Fleischverzehr befürworten ... Wenn ich hier rede, spreche ich nicht im Namen des IPCC (Weltklimarat der Vereinten Nationen).

Gewiss, im 4. Klimabericht des IPCC wird beschrieben und betont, wie wichtig Veränderungen im Lebenswandel sind, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Diese Botschaft möchte ich hier, als Einzelperson, vermitteln, indem ich eine Veränderung im Lebenswandel hervorhebe, die meiner Ansicht nach einen Wandel bewirken kann. Weiters möchte ich meinem ehemaligen Chef Anerkennung zollen, dem Vorsitzenden des IPCC Bob Watson, unter dem ich als Vize-Vorsitzender fungierte. In der Tat haben Prof. Burt Bolin und Bob Watson den IPCC dorthin gebracht, wo er heute steht. Ich habe eigentlich nur den Staffelstab übernommen und versucht, so schnell zu laufen wie sie. Und da ich in sechs Jahren nicht weit genug gekommen bin, dachte ich, ich würde sechs weitere Jahre bekommen, um die vorgeschriebene Distanz zu überwinden.

Ich werde Ihnen jetzt zu Beginn ein paar wichtige Ergebnisse aus dem 4. Klimabericht des IPCC mitteilen. Dann behandle ich das Thema Fleischverzehr und seinen Beitrag zum Treibhausgas-Ausstoß und danach spreche ich über ein paar Möglichkeiten, wie wir letzteren verringern könnten.

Das ist nur ein Überblick über die Veränderungen, die stattgefunden haben. Veränderungen, die man bei den weltweiten Durchschnittstemperaturen festgestellt hat, beim durchschnittlichen Meeresspiegel und bei der Schneedecke der nördlichen Halbkugel.

Hier können Sie sehen, dass diese Aufzeichnung der Temperaturschwankungen seit Beginn der Industrialisierung offensichtliche Aufs und Abs aufweist. Das liegt vor allem daran, dass die Veränderungen sowohl das Resultat natürlicher Faktoren als auch von Menschen verursachter Faktoren sind. Besonders bedeutsam ist jedoch, dass der Temperaturanstieg in den letzten Jahrzehnten viel steiler ist als in den Jahrzehnten davor.

Daher sieht man – und dazu sage ich gleich noch mehr –, dass dieser rapide Temperaturanstieg der letzten Jahrzehnte größtenteils das Resultat des menschlichen Beitrags zur Konzentration der Treibhausgase ist. Und wenn man die Gesamtzunahme, den durchschnittlichen Zuwachs im 20. Jahrhundert betrachtet, dann betrug dieser 0,74 Grad Celsius.

Dementsprechend zeigt Ihnen das mittlere Diagramm den weltweiten Durchschnitt der Veränderungen der Meereshöhe. Das waren, wenn ich das erwähnen darf, im 20. Jahrhundert etwa 17 cm. Sie könnten nun sagen, dass 17 cm nicht viel sind, aber wenn Sie auf den Malediven oder in einem tief liegenden Teil von Bangladesch leben, dann sind 17 cm – also fast ein Fuß – schon sehr viel. Man muss da gar nicht warten, bis die gesamte Landfläche aufgrund des Meeresspiegelanstiegs überschwemmt wird, sondern es gäbe bloß durch die Überflutungen der Küsten sowie die Sturmwellen und Wirbelstürme bei höherem Meeresspiegel viel größere Zerstörungen.

Die Schneedecke der nördlichen Halbkugel geht zurück. Man kann das besonders an der arktischen Region sehen, die sich zweimal so schnell aufwärmt wie der Rest des Globus.

Nun haben wir im 4. Klimabericht (des IPCC) Vorhersagen über Temperaturanstiege zum Ende dieses Jahrhunderts gemacht und natürlich gibt es – basierend auf Szenarien des Wirtschaftswachstums, von technologischen Veränderungen und anderen Faktoren – eine Vielzahl von Ergebnissen, die man vorhersagen kann.

Dementsprechend werden wir zum Ende des Jahrhunderts eine Reihe dieser Temperaturerhöhungen haben, angefangen von 1,1 Grad Celsius bis zu 6,4 Grad Celsius. Aber wir haben zwei sogenannte beste Schätzungen, am unteren Ende, wo wir sie auf 1,8 Grad Celsius schätzten, und am oberen Ende auf etwa 4 Grad Celsius. Ich könnte sagen, dass sogar die Erhöhung um 1,8 Grad Celsius einen Grund bietet, Alarm zu schlagen, denn zusammen mit den Erhöhung um 0,74 Grad, die im 20. Jahrhundert eingetreten sind, addiert sich das auf über 2,5 Grad Celsius.

Bei Betrachtung der Auswirkungen des Klimawandels sind wir nun zu dem Schluss gekommen, dass eine Temperaturerhöhung von 2,5 Grad Wirkungen zeigt, die auf jeglicher Basis eindeutig inakzeptabel wären, besonders auf der Basis von Gerechtigkeit. Denn einige der am schlimmsten betroffenen Regionen der Welt sind jene, die kaum an der Verursachung des Problems beteiligt waren.

Das sind Regionen, in denen großflächig Armut herrscht. Dort gibt es keinerlei Infrastruktur oder Kapazität, die sie befähigen könnten, den Auswirkungen des Klimawandels standzuhalten. Es geht mir also darum, dass wir wirklich etwas gegen die derzeitigen Tendenzen unternehmen müssen, und wir müssen größere Veränderungen herbeiführen, durch die wir für die Zukunft dieses Planeten Sorge tragen können.

Das gibt Ihnen ein Bild davon, wie die Emissionen seit den 1970ern angewachsen sind. Natürlich ist offensichtlich, dass die größte Quelle für den Anstieg aus CO2-Emissionen stammt, die durch Nutzung fossiler Brennstoffe entstehen. Es gibt natürlich auch einen Anstieg bei anderen Kohlendioxid-Quellen, etwa Abholzung, die ganz beträchtlich ist, Verwesung organischer Stoffe, Torf usw. Dann gibt es weitere Gase wie Methan und Distickstoffoxid aus der Landwirtschaft und andere mehr.

Wenn man nun weiter ins Detail gehen möchte, wie viele dieser Emissionen der Fleischerzeugung zugerechnet werden, dann müssen wir schon auf einige Zahlen blicken, die ich Ihnen vorlegen möchte.

Unglücklicherweise hat der Zuwachs an der weltweiten täglichen Verfügbarkeit von Kalorien pro Kopf die Nahrungsmittelunsicherheit und die Fehlernährung in armen Ländern nicht beseitigt und den Druck auf die Umwelt vielmehr verstärkt.

Nun gab es in den letzten Monaten, wie Sie wissen, einen erheblichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Und in manchen Ländern und Gesellschaften, wo fast 80 bis 90 Prozent des Haushaltseinkommens für den Kauf von Lebensmitteln verwendet werden, ist das eine echte Katastrophe. Und in der Folge gab es Unruhen, gab es Demonstrationen, gab es Proteste in mehreren Teilen der Welt. Aber besonders traurig ist die Tatsache, dass jahrzehntelanges Bemühen, der Armut Herr zu werden, durch das, was in den letzten Monaten geschah, geradezu ausgelöscht wurde.

Es ist also wichtig für uns, die Ungerechtigkeit und Ungleichheit der Lebensmittelverteilung zu begreifen. Obwohl die Gesamtheit der Welt derzeit eine enorme Menge an Kalorien verzehrt, sowohl pro Kopf als auch im Ganzen gesehen, lässt deren Verteilung sehr zu wünschen übrig. In den letzten vier Jahrzehnten gab es einen Zuwachs an landwirtschaftlichem Boden von 500 Mio. Hektar auf Kosten von Wäldern und anderer Bodennutzung, Wälder wurden gerodet. Ich wurde im Bergland Indiens geboren und erinnere mich, dass die an die Berge angrenzenden Ebenen wunderschön e Wälder waren. Doch schon in den 1950ern wurde alles für die Landwirtschaft abgeholzt. Und noch heute wird viel Druck ausgeübt, obwohl ich glaube, dass die Regierung gegenüber dem Waldschutz viel sensibler ist – aber eine Menge Schaden wurde in den letzten Jahrzehnten angerichtet. Nicht nur Indien ist hier ein Beispiel, das geschieht in mehreren anderen Ländern.

Kürzlich war ich in Brasilien – vor etwa zwei Monaten – und war eingeladen, vor dem dortigen Senat zu sprechen. Und Frau Marina Silva, die ehemalige Umweltministerin – die jetzt natürlich abgelöst wird – und andere Senatoren erzählten mir, dass sie über die Geschwindigkeit, mit der die Abholzung im Amazonasgebiet im letzten Jahr voranschritt, wirklich besorgt sind.

Sie scheint Jahr für Jahr zuzunehmen. Ich meine also, worüber wir uns sorgen müssen, ist, dass unser Waldland für die Landwirtschaft und damit verbundene Zwecke abgeholzt wird.
Die Umwandlung von weiteren 500 Mio. Hektar in landwirtschaftlichen Grund ist bis 2020 vorgesehen, insbesondere in Lateinamerika und in Afrika, südlich der Sahara.

Wenn wir die Emissionswerte der Landwirtschaft betrachten, vor allem bei der Viehzucht, dann sehen wir, dass 80 % der Emissionen, des gesamten landwirtschaftlichen Treibhausgasausstoßes, aus der Massentierhaltung stammen. Sie belaufen sich auf 18 % aller Treibhausgas-Emissionen, wie hier dargestellt.

Ich benutze Daten, die die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN) zur Verfügung stellt. Ihr einziger Mangel ist bzw. war, dass sie die für die Lagerung von Fleisch erforderliche Kühlung nicht berücksichtigen. Aber ich glaube, bis auf jene Haushalte, in denen Menschen Fleisch in ihren Kühl- und Gefrierschränken lagern müssen, sind die mit Kühlung verbundenen CO2-Emissionen, ob im Großhandel, Einzelhandel oder Transportwesen, in dieser Zahl von 18 % erfasst. Als bekannt wurde, dass ich heute hier diesen Vortrag halten würde, erhielt ich mehrere E-Mails von Menschen, die ich respektiere, die besagen, dass die Zahl von 18 % untertrieben ist, eine niedrige Schätzung, und es tatsächlich sehr viel mehr ist. Aber ich denke, solche Debatten werden andauern.

Wenn wir uns die Anteile der Treibhausgasemissionen aus verschiedenen Bereichen der Viehzucht anschauen, so stammt ein guter Teil aus Abholzung und Versteppung – etwa 35,4 % –, danach von Dünger, sowohl direkt als auch indirekt; denn bedenken Sie, dass ein großer Teil der Getreideproduktion in die Futtermittelproduktion für Tiere gesteckt wird, die wegen ihres Fleisches gezüchtet werden.

Und es entstehen Darmgase, die auch einen großen Anteil ausmachen – 25 %. Und es gibt andere Quellen. Alles das wird hier in übersichtlicher Form dargestellt.

Die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch führt, so glaube ich, zu einem Treibhausgasausstoß, der einem Erwärmungspotenzial von 36,4 Kilo CO2 entspricht; es setzt Düngerbestandteile frei, die 340 g Schwefeldioxid entsprechen, 59 g Phosphaten und es verbraucht 169 Mega-Joules Energie.

Und ein Kilo Rindfleisch ist verantwortlich für einen CO2-Ausstoß, der jenem entspricht, den ein durchschnittlicher europäischer Autofahrer pro Auto auf 250 km verursacht. Und es verbraucht genug Energie, um eine 100-Watt-Glühbirne 20 Tage leuchten zu lassen.

Werfen wir noch einen Blick auf die Ungerechtigkeit der Lage und später sage ich etwas mehr dazu. Es gibt 1,6 Milliarden Menschen in dieser Welt, die keinen Zugang zu Elektrizität haben und zu Hause nie auch nur eine einzige Glühbirne besaßen. Das ist für mich im 21. Jahrhundert, in dem wir uns befinden, eine riesige Tragödie.

Ich behaupte nicht, dass eine Reduzierung der Emissionen hier vor Ort sich auf die Beleuchtung der Wohnungen von Menschen auswirkt, die heute keine Elektrizität haben, doch es verdeutlicht den starken Kontrast zwischen der Situation wohlhabender Gesellschaften und jener, die wirklich unterprivilegiert sind.

Über zwei Drittel der Energie fließt in die Produktion und den Transport tierischer Futtermittel. Das ist eine erhebliche Menge. Und es ist ein klarer Hinweis auf das Konzept der Massenviehwirtschaft bezüglich der Fleischprodukte. Natürlich sind das zusätzliche Treibhausgas-Quellen aufgrund von Fleischverzehr.

Fleisch muss üblicherweise bei hohen Temperaturen über lange Zeit gekocht werden. Man kann Gemüse ungekocht essen und manchmal ist das wahrscheinlich gesünder, weil man so alle Nährstoffe aus den pflanzlichen Produkten erhält. Und große Teile des Fleisches werden zu Abfallprodukten: Knochen, Fett, abgelaufene verdorbene Produkte usw., die wahrscheinlich in Müllgruben landen und verbrannt werden.

Das ist also eine zusätzliche Emissionsquelle, die wir einkalkulieren müssen. Wenn man zwei gleichwertige Mahlzeiten vergleicht – z. B. ein Beefsteak von 170 g mit der Mahlzeit, die man oben sieht: eine Tasse Brokkoli, die ich übrigens hasse, wie George Bush sen. Ich glaube, er hasste Brokkoli, weil seine Mutter ihn zwang, sie zu essen. Meine Mutter zwang mich nie, Brokkoli zu essen, aber ich mag sie trotzdem nicht –, eine Tasse Auberginen, 113 g Blumenkohl, 226 g Reis. Wenn man sich nun die Auswirkungen jeder dieser beiden Speisen anschaut, sieht man, dass die eine 181 g CO2 verursacht, während der Treibhausgasausstoß des 170 g-Steaks sich auf 4535 g an CO2-Äquivalenten beläuft – das ist fast 25 Mal so viel.

Der Viehzuchtsektor hat den weitaus größten vom Menschen verursachten Landverbrauch. Die Viehzucht verbraucht 70 % des landwirtschaftlichen Bodens und 30 % der Landgebiete auf der Erdoberfläche. Und 70 % des ehemals bewaldeten Landes im Amazonasgebiet sind jetzt Viehweiden; und Ackerland, auf dem Tierfutter wächst, bedeckt einen großen Teil des Restes.

Ich habe die brasilianische Wirtschaft vor etwa 15 bis 20 Jahren beobachtet, und Sie erinnern sich sicher, dass es in den 1980er Jahren eine Zeit gab, in der Brasilien riesige Auslandsschulden hatte – damals etwa 120 Mrd. USD. Und eine der Möglichkeiten, für die man sich entschied, um diese aufzulösen und auszugleichen, war, große Waldgebiete in Weideland umzuwandeln.

Damit ging das ganze Problem los, aber es hält noch immer an. Und Brasilien steht nicht alleine; es gibt mehrere andere Länder auf der Welt, die dasselbe getan haben. Zwanzig Prozent des Weidelandes sind durch Überweidung, Verdichtung und Bodenabtragung zerstört. Sie wissen, dass auf einem Großteil davon keinerlei Ackerbau mehr möglich ist. Andere Umwelteinflüsse durch die Viehzucht: die Wassermenge für die Produktion von je einem Kilo Mais beträgt 900 Liter; Reis 3000 Liter, Hühnerfleisch 3.900 Liter, Schweinefleisch 4.900 Liter und Rindfleisch kolossale 15.500 Liter.

Auch der Wasserverbrauch ist also sehr hoch, wenn man den ganzen Kreislauf betrachtet. Die Viehzucht ist verantwortlich für 64 % der Ammoniak-Emissionen, die zum sauren Regen beitragen. Die Viehzucht gehört zu den größten bereichsbezogenen Quellen der Land- und Wasserverschmutzung durch Nitrate und Phosphor aus Schlämmen und abfließender Silage und durch den Gebrauch von Stickstoffdünger.

Wenn man also die Gesamtsumme all dieser Einflüsse betrachtet, wird klar, dass wir die gesamten Umweltfolgen von Fleisch, seiner Herstellung und seines Konsums, nicht richtig berechnet haben. Die Auswirkungen der Viehzucht auf die Verfügbarkeit von Nahrung: Nun, ein Drittel der Weltgetreideernte und über 90 % der Sojaernte werden als Viehfutter verbraucht, trotz der offensichtlichen Unwirtschaftlichkeit.

Man braucht fast 10 kg Tierfutter, um 1 kg Rindfleisch herzustellen, und 4 bis 5,5 kg Getreide, um 1 kg Schweinefleisch zu produzieren, und 2,1 bis 3 kg Getreide, um 1 kg Geflügelfleisch zu produzieren. Nun findet dieser Fleischverzehr tatsächlich in weit größerem Maße statt als noch vor sogar – sagen wir – zwei oder drei Jahrzehnten. Und sogar in meinem Land, in Indien, ist die Geflügelindustrie richtig aufgeblüht. Vieles davon fußt auf importiertem Getreide, das bei der Aufzucht von Geflügel eingesetzt wird.

Und ich bin einige Jahre lang nach China gefahren. Mein erster Besuch dort fand im Jahr 1981 statt, als China größtenteils Schweinefleisch und natürlich Meeresfrüchte verzehrte. Aber nun hat es in China einen großen Zuwachs beim Fleischverzehr gegeben. Das ist ein weltweites Phänomen: Wo das Einkommen steigt, wechseln die Menschen von Gemüse zu tierischem Eiweiß und zum Fleischkonsum.

Ein Bauer kann bis zu 30 Personen das ganze Jahr über auf einem Hektar Land mit Gemüse, Obst, Getreide und Pflanzenfetten versorgen. Wenn das gleiche Land für die Produktion von Eiern, Milch oder Fleisch verwendet wird, verringert sich die Personenzahl auf 5 bis 10. Das ist also eine bedeutende Veränderung.

Klar ist, dass der Verzehr von rotem Fleisch Gesundheitsrisiken birgt. Ich habe mich vor einigen Jahren dem Vegetarismus zugewandt, da eine frühere Umweltministerin eine gute Freundin von mir war. Sie sagte: „Du bist ekelhaft, du isst Fleisch“, denn wir sind ein paar Mal zusammen gereist. Wissen Sie, ich habe mich mit Fleisch vollgestopft und sie saß neben mir. Sie ernährt sich rein vegetarisch und sagte: „Ich bin sicher, du kannst nicht einen Monat ohne Fleisch auskommen.“ Ich erwiderte: „Gut, dann werde ich das jetzt tun und dir zeigen, wie das geht.“ Und um ganz ehrlich zu sein, am Ende dieses Monats hatte ich keinen Appetit auf Fleisch und ich fühlte mich viel besser, weil ich mich vegetarisch ernährte. Also beschloss ich, gänzlich Vegetarier zu werden, was einige Probleme mit sich bringt. Ich erinnere mich, als Teil 3 des IPCC-Berichts letztes Jahr im Mai in Bangkok verabschiedet wurde, gab es eine Pressekonferenz. Und wir betonten die Tatsache, dass wir Veränderungen im Lebenswandel als wichtigen Bestandteil medizinischer Maßnamen angeführt hatten. Einer der Presseleute fragte mich: „Welche Art von Veränderungen im Lebenswandel?“ Und da ich nun diesbezüglich gewissen Neigungen hatte, antwortet e ich: „Nun, weniger Fleisch zu essen würde meiner Meinung nach etwas ändern.“ Darüber waren meine lateinamerikanischen Kollegen im IPCC nicht besonders erfreut.

In Ordnung, es gibt Menschen, die kompetenter über die gesundheitlichen Folgen des Fleischkonsums sprechen. Aber auf diese Weise hat die Fleischproduktion über einen bestimmten Zeitraum hinweg zugenommen. Im Jahr 2006 produzierten die Landwirte 276 Mio. Tonnen Fleisch – 5 Mal so viel wie in den 1950er Jahren. Das ist also ein ganz starker Zuwachs.

Wenn wir uns die Länder mit dem größten Zuwachs anschauen – man sieht sie hier, und es sind natürlich nicht die einzigen, es gibt noch andere –, stellt man einige bedeutende Veränderungen und eine Steigerungsrate beim Konsum fest; all das zusammen führt zu dem Zuwachs, der gerade stattfindet. Diese Zahlen stammen von der FAO.

Wenn wir die zu erwartenden Trends in der Massenviehzucht betrachten, kommt es – gut geschätzt – zu einer Verdopplung der weltweiten Fleischproduktion bis 2050, sie könnte von 229 Mio. Tonnen auf 465 Mio. Tonnen steigen. Das sind natürlich Daten, die von „Mitgefühl in der Landwirtschaft der Welt“ stammen – ich gehe das schnell durch, denn ich bin sicher, es wird eine Diskussion dazu geben.

Diese Zahlen überspringe ich jetzt. Und auch das stammt von derselben Organisation, „Mitgefühl in der Landwirtschaft der Welt“. Hier auf der linken Seite sind ein paar Dinge aufgelistet, die getan werden, um die Erzeugung von Fleisch zu steigern. Auf der rechten Seite sind einige der Folgen aufgelistet, und zwar die Auswirkungen sowohl auf die Tiere als auch darauf, was mit der Gesellschaft im Allgemeinen geschieht.

Was ich sagen möchte: Es ist an der Zeit, dass wir unser Konsumverhalten verändern. Ich spreche deshalb über die Verringerung des Fleischverzehrs, weil es etwas ist, was jeder Einzelne tun kann. Oft wenn man über den Klimawandel spricht, gibt es in jedem Publikum einen, der fragt: „Okay, ich akzeptiere das alles, aber was kann ich persönlich in meinem Leben tun?“

Man kann dann sagen: die Glühbirnen austauschen, Kompaktleuchtstofflampen kaufen, das Licht ausschalten, wenn man von einem Zimmer ins andere geht, wann immer möglich zu Fuß gehen, statt ins Auto zu springen, den Thermostat so einstellen, dass man zuhause mitten im Winter eine Strickjacke braucht, anstatt dort im T-Shirt zu sitzen usw. Aber ich glaube, was wir ohne allzu große Anstrengung tun können, ist, den Fleischverzehr zu verringern.

Ich denke, das ist ein Wandel des Lebensstils, der in der Macht eines jeden Menschen liegt. Die Verminderung der Größe der Viehzuchtindustrie durch reduzierten Konsum ist der wirksamste Weg, die Treibhausgas-Emissionen einzudämmen. Heute, etwas früher, wurde ich von jemandem interviewt, der mir sagte, die britische Rindfleischindustrie, oder wie immer diese Vereinigung heißt, sei sehr verärgert über meine Äußerungen – und es würde mich wundern, wenn sie das nicht wären.

Britische und US-amerikanische Haushalte verschwenden etwa ein Drittel der Nahrung, die sie kaufen. Eine Änderung des Konsumverhaltens wird notwendig sein, um eine nachhaltige Gesellschaft mit niedrigem CO2-Ausstoß zu schaffen. Was würde die Macht der britischen Konsumenten bewirken? Der durchschnittliche Haushalt würde durch die Halbierung des Fleischverzehrs seinen CO2-Ausstoß stärker reduzieren als durch die Halbierung seiner Autofahrten.

Das ist also eine wichtige Tatsache. Eine vierköpfige Familie, in der jeder einen Rindfleisch- Burger von 125 g isst, ist verantwortlich für einen CO2-Ausstoß, der einer Autofahrt von London nach Cambridge entspricht – 16 kg an CO2-Emissionen.

Das sind nur ein paar der Fakten, die auf die Bedeutung und die Folgen hinweisen, die eine Verminderung des Fleischverzehrs bewirkt.

Wie kann der Wandel erreicht werden? Nun, durch die Macht der Konsumenten und Bürger, durch reduzierten Fleischkonsum, die Entscheidung für biologische, schadstofffreie Produkte, durch Kampagnen und Schärfung des Bewusstseins. Vor einigen Tagen rief mich jemand von BBC an und fragte, ob Regierungen Gesetze erlassen oder die einzelnen Bürger auffordern sollten, ihren Fleischkonsum zu verringern. Ich sagte, nein, ich glaube, das ist nicht richtig. Diese Rolle sollten Regierungen nicht übernehmen. Selbstverständlich können sie äußerliche Maßnahmen treffen, indem externe Folgen von höherem Fleischkonsum – oder in diesem Fall von allem, das mit CO2-Emissionen in Verbindung steht – internalisiert werden. Denn im 4. Klimabericht haben wir ganz deutlich gesagt, dass eine starke Entlastung durch die Erhebung von Gebühren auf Kohlenstoff bewirkt würde. Und wenn es aufgrund des gesamten Fleischkreislaufes CO2-Emissionen gibt, dann denke ich, sollten diese Kosten für die Gesellschaft internalisiert werden und es sollte darauf eine Steuer oder so etwas erhoben werden.

Dies hat ein guter Freund von mir gesagt, Jonathan Patz, ich habe es für Sie wiederholt. Aber ich möchte betonen ... lassen Sie mich vom Einzelnen zum Allgemeinen kommen. Ich glaube, das Problem des Klimawandels ist in Wahrheit Teil eines viel größeren Problems, nämlich das eines nicht nachhaltigen Teils der Entwicklung , der weltweit fast wie eine Monokultur übernommen wurde. Das geschieht in den entwickelten Ländern und in den Entwicklungsländern.

Ich habe vorhin erwähnt, dass 1,6 Mio. Menschen in der Welt keinen Zugang zu Elektrizität haben. Wir könnten nun thermische Kraftwerke errichten und Kohle verbrennen oder irgendetwas anderes, um Strom zu erzeugen. Selbst wenn wir das tun, können sich viele von ihnen den Stromanschluss für ihre Häuser einfach nicht leisten. Mein Institut und ich haben daher ein groß angelegtes Programm gestartet, das wir „Eine Milliarde Leben erhellen“ nennen.
Es handelt sich im Wesentlichen um Photovoltaik.

Wir haben Solarlaternen und Solartaschenlampen entwickelt, die übrigens auf die Bedürfnisse der Armen in ländlichen Gegenden zugeschnitten sind. Ich denke insgesamt, was Gandhi sagte, ist in jeder Hinsicht bedeutsam in Bezug auf die Taten, die beim Kampf gegen den Klimawandel erforderlich sind: „Seid die Veränderung, die ihr in der Welt sehen wollt!“

Um aufzuzeigen, dass dies die Entwicklungsländer tun müssen, wie ich meine – denn ich ziele damit nicht auf die entwickelten Ländern, außer mit der Aufforderung, ihren Fleischkonsum zu reduzieren –, was die Entwicklungsländer tun können, sehen Sie nun in einem kurzen Videofilm, um dessen Einspielung ich jetzt bitte.

VIDEO

Danke.

Ausgewählte Fragen an Dr. Pachauri:

Frage: Mein Name ist Rob Little von WAP TV. Ein ausgezeichneter Vortrag, sehr interessant. Ich möchte nur etwas über Permakultur wissen, denn das ist eine weitaus effizientere Anbaumethode, die in Kuba umgesetzt wurde, als das Land von Erdöllieferungen aus Russland abgeschnitten war.

Dr. Pachauri: Ehrlich gesagt weiß ich darüber nicht viel. Ich habe nur einiges darüber gelesen, aber ich kenne mich nicht wirklich aus. Ich könnte dazu nicht viel sagen. Ich bin sicher, es gibt andere hier im Publikum, die darüber Bescheid wissen.

Frage: Würden Sie sich damit beschäftigen?

Dr. Pachauri: Wenn Sie mir dazu raten, ja.

Frage: Jeanette Longfield von „Sustain – The Alliance for Food and Farming“ (Nachhaltig – Die Allianz für Nahrung und Landwirtschaft). Ich weiß nicht, ob man diese beiden Dinge in Verbindung bringen darf – aber könnte man eine Rechnung aufstellen, wie viel Geld ich sparen würde, wenn ich weniger Fleisch esse? Und wie viele dieser großartigen Glühbirnen kann ich dann für Sie kaufen?

Dr. Pachauri: Das ist interessant. Wissen Sie, eine Solarlaterne kostet umgerechnet etwa 60 Dollar. Und angesichts der Kostendegression, wenn das in größeren Mengen produziert würde und wir z.B. das Design noch verbessern, dann können wir das höchstwahrscheinlich auf 40 bis 45 Dollar senken. Ich weiß jetzt nicht, wie viele Steaks das umgerechnet wären ...

Frage: Mayer Hillman vom Policy Studies Institute (Institut für Politische Studien). Die Bedeutung von Dr. Pachauris Ausführungen liegt darin, dass wir alle lernen müssen, wie unsere Ernährung zu den verstörenden Zukunftsaussichten bezüglich des Klimawandels beiträgt. Während man natürlich begreift, wie wichtig das ist und wie schlecht die große Mehrheit der Bevölkerung informiert ist – zweifelsohne weltweit –, haben seine wichtigen Erläuterungen dennoch vorausgesetzt, dass wir infolge einer zunehmenden Bewusstwerdung schließlich handeln würden. Ich glaube, wir sollten nicht länger den frommen Wunsch hegen, dass die Menschen freiwillig zu Veränderungen in dem Umfang bereit sind, der so dringend erforderlich ist. Könnte Dr. Pachauri daher etwas zu dem Vorschlag sagen, dass wir eine gleiche Pro-Kopf-Verteilung der weltweiten Emissionen brauchen, die Nahrungsmittel wie auch Transport, Heizung, Beleuchtung etc. einschließt und abdeckt.

Dr. Pachauri: Das ist zweifellos ein Prinzip, das sogar schon in den Verhandlungen vorgelegt wurde. Und mir ist klar, dass das nicht über Nacht passieren wird. Wir können nicht erwarten, dass sich Regierungen und Bürger sofort darüber einig sein werden. Aber ich glaube, ein Weg zur Veränderung liegt in der Erziehung der Kinder. Ich denke, wenn wir den Jugendlichen vermitteln, welche Folgen unser gegenwärtiges Konsum- und Produktionsverhalten hat ... Ich finde, Jugendliche können uns sogar auf beschämende Weise zu etwas bringen, was sie für richtig halten. Ein Freund erzählte mir neulich, dass sein elfjähriger Sohn zu dem Grundsatz gelangt ist, dass eine Dusche maximal fünf Minuten dauern soll. Und er sagte: „Jedes Mal wenn ich unter der Dusche stehe, klopft er nach fünf Minuten an die Tür. Damit sagt er, ich soll kürzer unter der Dusche bleiben.“

Frage: Ich bin von der Vegetarian Society (der Vegetarischen Gesellschaft). Ich glaube, wir haben inzwischen einen Überblick über das Thema Biotreibstoff und wie sich dies zu den Millionen Tonnen von Getreide addiert, die als Tierfutter verwendet werden. Das ist also ein doppeltes Problem, das, wie Sie sagten, in vielen Teilen der Welt zu Aufständen führt. Mais ist etwa ein Grundnahrungsmittel in Amerika und Afrika. Menschen verhungern und der Mais wird für Biotreibstoff verwendet. Der Punkt ist – und Sie sagten auch, dass die Vereinten Nationen nicht erfreut waren, als sie dachten, Sie würden im Namen der Vereinten Nationen die Meinung vertreten, dass Fleischverzehr ...

Dr. Pachauri: ... das vertrete ich einzig und allein in meinem Namen.

Frage: Ja, und das ist das Problem. Es gibt so viele Probleme. Aber es gibt Lösungen. Wir haben soeben gehört, dass der Staat Trinidad der britischen Regierung angeboten hat, ihr den gesamten Waldbestand zur Aufsicht zu übergeben, damit die britische Regierung im Gegenzug für einige Schulden aufkommt. Wir brauchen solche positive Lösungen – wie erreichen wir sie? Und wie können wir die Mittelschichten in Indien, in China aufhalten? Ich finde, es ist eine Schande, dass die Menschen in Indien, einem stark vegetarisch geprägten Land, jetzt immer mehr Fleisch essen. Wenn wir an die Praxis denken, ich meine ... gibt es weitere Lösungen wie das Beispiel Trinidad?

Dr. Pachauri: Meiner Meinung nach müssen wir auf mehreren Ebenen ansetzen. Sicherlich bei den Preisen, durch die die Menschen ermutigt werden, sich dem Vegetarismus zuzuwenden und weniger Fleisch zu konsumieren. Ohne Zweifel muss man ein Bewusstsein schaffen. Und ich glaube, dann werden wir nach einiger Zeit sehen, ob es eine globale Übereinkunft gibt, die jedes Land der Welt umfasst und eine Reduzierung der Emissionen garantiert. Regierungen werden gezwungen sein, Maßnahmen zugunsten dieser Reduzierung zu veranlassen. Ich meine also, wir brauchen Verordnungen, wir brauchen Bewusstsein und zweifellos brauchen wir den Markt, um Veränderungen in die richtige Richtung zu bewirken.

Frage: Guten Abend. Kann man etwas verändern, wenn man seinen Fleischkonsum reduziert, aber dennoch weiterhin Milchprodukte verzehrt, wie Milch, Käse und ab und zu ein Ei?

Dr. Pachauri: Nun, ich glaube, man müsste eine Rechnung aufstellen, um die Folgen dieser Auswahl zu analysieren. Um ehrlich zu sein, das habe ich nicht getan, vielleicht jemand anderer. Vielleicht könnte der- oder diejenige etwas dazu sagen, ich weiß es nicht.

Frage: Danke, guten Abend. Jonathan McCarthy vom Chelmsford Independent. Im dritten Bericht des IPCC heißt es, diese Krise sei schlimmer als der zweite und der erste Weltkrieg zusammen. Im zweiten Weltkrieg gab es Rationierungen. Wenn Fleisch so gefährlich ist, wie Sie meinen, dann müssten wir es gewiss rationieren, wenn die Zeit knapp wird.

Dr. Pachauri: Ich habe Ihre Frage leider nicht ganz verstanden.

Frage: Seit Erscheinen des IPPC-Berichts hat sich die Eisschmelze in der Arktis beschleunigt und wir stecken in einer Krise. Im dritten Bericht heißt es, diese Krise sei schlimmer als der zweite und der erste Weltkrieg zusammen. Wenn Fleisch so schädlich ist, wie Sie sagen – im zweiten Weltkrieg wurde Nahrung rationiert. Warum können wir nicht jetzt im Kampf gegen den Klimawandel Fleisch rationieren?

Dr. Pachauri: Ich bin überzeugt, wir müssen eine Menge Dinge tun, es geht nicht nur um die Reduktion der Fleischproduktion und -konsumierung. Es ist fürchterlich, auf welche Weise wir Energie verschwenden. Wir überlegen nicht einmal. Ich möchte Ihnen ein Beispiel erzählen, Ähnliches habe ich öfters erlebt. Vor vier Jahren gab es eine Veranstaltung in Washington D.C., organisiert vom Energieminister, dem Carbon Sequestration Leadershop Forum (Leadership-Forum für Kohlenstoffsequestrierung), die erste Veranstaltungsreihe dieser Art. Ich wurde eingeladen, daran teilzunehmen und dort zu sprechen. Ich kam am Flughafen in Dallas an. Bis die Einreisemodalitäten erledigt waren, dauerte es lange, und freilich war das kurz nach dem 11. September 2001. Sie können sich also vorstellen: Wenn man eine dunkle Hautfarbe und einen Bart hat, ist es nicht einfach, irgendeine offizielle Grenze in den USA zu passieren. Wie auch immer, als ich herauskam, war jemand da, um mich abzuholen, und er sagte: „Ich dachte, Sie wären nicht gekommen.“ Ich erwiderte: „Nun, hier bin ich.“ Er führte mich zu einem Auto auf dem Parkplatz: Der Motor lief, die Klimaanlage lief und ich sagte: „Warum zum Teufel haben Sie das gemacht?“ Er sagte: „Ich wollte, dass Sie in ein komfortables Auto einsteigen.“
Es geht also darum, dass wir so wenig nachdenken und auf derart kriminelle Weise Energie verschwenden. Ich glaube, wir können eine Menge tun. Wenn man von Rationierung spricht, gibt es viele Bereiche, in denen jeder binnen Kurzem unmittelbar etwas verändern kann.

Frage: Ich bin Elizabeth Usher von „MAD for Animals“ (Verrückt nach Tieren). Was antworten Sie den Klimaskeptikern, die bestreiten, dass der gegenwärtige Klimawandel in erster Linie von Menschen verursacht wird?

Dr. Pachauri: Nun, ich muss sagen ... Ich meine, wir leben in freien Gesellschaften. Menschen haben das Recht auf ihre eigene Meinung. Aber wenn man die Geschichte der Wissenschaften und des Wissens betrachtet – immer wenn eine neue Erkenntnis aufkam und bekannt wurde, gab es viele Leute, die sie in Frage stellten und nicht anerkennen wollten. Selbst heute gibt es etwas wie die „Flat Earth Society“ (Organisation zur Propagierung einer flachen Erde). Wahrscheinlich treffen sie sich manchmal oder tauschen zumindest ab und zu Ideen aus, um einander zu überzeugen, dass die Erde flach ist. Ich möchte nur sagen: Schauen Sie sich an, mit welcher Organisationsweise, Transparenz und Objektivität der IPCC funktioniert. Müsste man ein System erfinden, das wirklich zu 100 Prozent glaubwürdig ist, käme es dem IPCC ziemlich nahe. Meiner Meinung nach gibt es bei der Arbeit des IPCC auf keinerlei Ebene irgendeine Voreingenommenheit. Wenn es also immer noch Skeptiker gibt, möge Gott sie segnen. Ich habe nichts gegen sie; in einer freien Gesellschaft haben Menschen das Recht auf ihre Ansichten. Sie sollen mit ihren Ansichten glücklich sein. Aber die Welt ist gewiss nicht glücklich mit ihnen und kann es nicht sein.

Veröffentlichung der deutschen Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Dr. R. K. Pachauri

Dies ist die inoffizielle Übersetzung eines ursprünglich von Dr. R. K. Pachauri auf Englisch gehaltenen Vortrags, den Sie auf http://www.ciwf.org.uk/resources/lecture (Compassion in World Farming - Mitgefühl in der weltweiten Landwirtschaft) finden können.

Quelle:
Compassion in World Farming: "Global Warning: the impact of meat production & consumption on climate change"
http://www.ciwf.org.uk/resources/lecture (8. September 2008)