
Bestandsaufnahme:
• Die Landwirtschaft trägt signifikant zum anthropogenen Klimawandel bei. Allerdings entstehen Emissionen fast ausschließlich durch natürliche Prozesse, die nur wenig beeinflusst werden können. Die Landwirtschaft ist sowohl Emissionsquelle für Treibhausgase wie auch Kohlenstoffsenke zur Speicherung von Kohlendioxid (CO2).
• Der Agrarsektor ist weltweit die Hauptquelle für Emissionen von Methan (CH4) vor allem aus der Viehzucht und dem Reisanbau. Er ist auch Hauptquelle der Emissionen von Lachgas (Distickstoffoxid N2O) durch die Düngung der Böden. Der Nettoausstoß von CO2 ist relativ gering.
• Die Umwandlung von landwirtschaftlich zu forstwirtschaftlich genutzten Flächen verfügt über ein großes Minderungspotenzial von CO2 aus der Atmosphäre.
• Die Klimawandel stellt die Landwirtschaft in Europa und der Welt vor mehrere gleichrangige Herausforderungen. Sie muß zunächst selbst Emissionen reduzieren und Anpassungsstrategien auf sich verändernde Klimabedingungen entwickeln. Als Produzent von Biomasse und von Material für Biokraftstoffe liefert die Landwirtschaft die wesentlichen Ausgangsprodukte für nachwachsende Energieträger. Außerdem müssen ausreichend Nahrungsmittel für die weiter wachsende Weltbevölkerung produziert werden.
• Der Agrarsektor wird in besonderem Maße von der Klimaveränderung betroffen. Die biophysikalischen Auswirkungen des Klimawandels (Temperatur, Niederschlag, CO2-Gehalt der Atmosphäre) beeinflussen wesentlich die Nahrungsmittelproduktion. In einigen Regionen wird die Produktivität steigen, in anderen eher beeinträchtigt werden.
• Durch Trockenheit oder Dürren drohen ein Verlust von Anbaufläche durch Wüstenbildung, Bodenerosion oder Versalzung. Überflutungen, Sturmschäden oder Erdrutsche in Zusammenhang mit Wetterextremen bedrohen Ernten. Aber auch die allgemeine Verfügbarkeit von Wasserressourcen wird durch die steigenden Durchschnittstemperaturen und die sich verändernder Niederschlagsmuster negativ beeinflusst. Es drohen außerdem die Verschiebung von Vegetationszonen, der Verlust von Kulturpflanzen und ein höherer Krankheits- und Schädlingsdruck.
• Um die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung sicherzustellen, müsste die Produktivität der Landwirtschaft in den nächsten 25 Jahren verdoppelt werden. Damit wird der Klimawandel die Frage der Lebensmittelsicherheit im Blick auf die Verfügbarkeit, der Zugang, den Gebrauch und die Stabilität der Produktion von Nahrung zusätzlich beeinflussen.
Daten:
• Nach Schätzungen des World Resources Institute von 2005 sind landwirtschaftliche Tätigkeiten für 13,5 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Berücksichtigt man zusätzlich Landnutzungsveränderungen, um Anbauflächen oder Weideland zu gewinnen, verursacht der gesamte Sektor etwa 30 % der globalen Emissionen von Treibhausgasen.
• Nach Zahlen des WWF emittiert ein Hektar gedüngte landwirtschaftliche Nutzfläche jährlich etwa 1,3 Tonnen Lachgas (N2O). Das entspricht dem CO2-Äquivalent eines PKW bei 10.000 km Fahrleistung und einem CO2-Ausstoß von 130 gr/km.
• Nach gegenwärtigen Schätzungen wird die Weltbevölkerung bis 2025 um weitere 2,5 Milliarden Menschen wachsen. Dies bedeutet einen konkreten Mehrbedarf von 35 % an Nahrungsmitteln.
• Die Dürre in Mitteleuropa im Sommer 2003 hat wirtschaftliche Schäden in Höhe von 15 Milliarden Dollar verursacht.
• Die Landwirtschaft in Deutschland hat ihre Emissionen von 1990 bis 2005 um 22 % gesenkt.
• Das Reduktionspotenzial von Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft bis 2020 wird auf 35 % geschätzt.
• Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes (DBV) werden beim Anbau von landwirtschaftlichen Kulturen je nach Kultur und Ertragsniveau zwischen 14 und 36 Tonnen CO2 pro Hektar aus der Atmosphäre gebunden.
• Nach einer Studie von Greenpeace liegt das Reduktionspotenzial in der Landwirtschaft bei bis zu 6 Gt CO2E pro Jahr.
Empfehlungen:
• Es fehlen klare Klimaschutzziele in der Landwirtschaft. Verbindliche Vorgaben zur Reduktion von Methan- und Lachgasemissionen aus der landwirtschaftlichen Produktion fehlten ebenso wie Anreizsysteme, die vorhandenen Mitigationspotenziale auszunutzen. Eine Verbindung der EU-Agrarpolitik zu Klimaschutzzielen ist nicht vorhanden.
• Um Lachgasemissionen zu verringern, sollte Mineraldünger zum richtigen Zeitpunkt und mit Präzisionstechniken ausgebracht werden. Die Düngung mit organischer Masse statt Mineraldünger sollte wo möglich verstärkt werden.
• Mineraldünger sollte nicht offen gelagert werden, um Methan- und Lachgasemissionen bis zur Ausbringung zu vermeiden. Die Abdeckung des Düngers mit Folien ist kostengünstig und kann die lagerungsbedingten Emissionen deutlich senken.
• Gülleausbringungen sollte statt über einen Prallteller mit der Schleppschuhtechnik bodennah erfolgen, um bei nahezu gleichen Kosten signifikant Emissionen zu reduzieren.
• Eine Emissionssteuer oder Klimaabgabe für synthetische Düngemittel sollte ergebnisoffen auf ihre Wirksamkeit hin geprüft werden.
• Die Einbeziehung des Landwirtschaftssektors in den Europäischen Emissionshandel sollte ergebnisoffen auf ihre Wirksamkeit und technologische Durchführbarkeit hin geprüft werden.
• Forschung und Entwicklung in der Landwirtschaft müssen intensiviert und an den verbindlichen Klimaschutzzielen ausgerichtet werden. Privatinvestitionen und öffentliche Forschungsmittel zur Entwicklung von Agro- und Biotechnologien, in der Saatgut- und Pflanzenzucht und für den Pflanzenschutz müssen bei der Ausarbeitung und Umsetzung einer landwirtschaftlichen Klimaschutzpolitik eine zentrale Rolle erhalten.
• Der Klimawandel erfordert eine Umstellung der Landbewirtschaftung und die Anpassung von Kulturpflanzen. Ökonomische Analysen über die Wirtschaftlichkeit bestimmter regionaler Anbaupraktiken unter veränderten Klimabedingungen können Anpassungschancen aufzeigen und die Umstellung auf andere Kulturpflanzen erleichtern.
• Eine optimierte Landbewirtschaftung vergrößert den Humusgehalt der Böden. Anbauflächen können über verbessertes Anbaumanagement und die Vermeidung von Brachen oder von unbegrünten Böden einen deutlich höheren Beitrag zur Einlagerung von Kohlenstoff leisten als bisher.
• Verbraucherinformationen über die Klimaauswirkungen landwirtschaftlicher Produkte fehlen weitgehend. Das Kaufverhalten der Konsumenten kann über gezielte Informationskampagnen beeinflusst werden und eine Bewusstseinsänderungen in der Ernährungsweise der Bevölkerung einleiten, die auch für gesundheitspolitische Ziele genutzt werden kann.
• Eine klimagerechte Landwirtschaftspraxis erfordert das Vermitteln neuer Erkenntnisse in der Bodenbewirtschaftung. Die Berufsausbildung junger Landwirte muß sich mit den Auswirkungen der Klimaveränderung oder der Klimarelevanz landwirtschaftlicher Produktion beschäftigen, damit Pflügetechniken und Düngepraxis den neuen Anforderungen angepasst werden.
Quelle:
http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2004_2009/documents/dv/723/723777/723777de.pdf (PDF-Datei • 99,7 KB)
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