sos-klimawandel.info

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Interview mit Dr. James Hansen, Direktor des Goddard Instituts für Weltraumstudien der NASA

E-Mail Drucken
Dr. HansenDas NASA Goddard Institut für Weltraumstudien (GISS) an der Columbia Universität in New York City ist ein Labor der Abteilung Geowissenschaften des Goddard Weltraum Flugzentrums der NASA und Teil des Instituts für Geowissenschaften an der Columbia Universität. Dr. Hansen ist der Direktor des Goddard Instituts für Weltraumstudien der NASA und leitet dort die Forschung über die Atmosphäre des Planeten und den globalen Klimawandel. Als Doktor der Physik hat dieser angesehene amerikanische Wissenschaftler mehr als 20 Auszeichnungen erhalten, angefangen im Jahre 1977 mit dem Goddard Special Achievement Award. Am 16. Februar 2008 ehrte ihn die American Association zur Förderung der Wissenschaften (AAAS) für seine beispielhaften Taten zur Förderung der wissenschaftlichen Freiheit und Verantwortung.

Auf Einladung der schwedischen Kirche besuchte Dr. Hansen kürzlich den religionsübergreifenden Klimagipfel, auf dem sich zirka 1000 Delegierte und Führer verschiedener religiöser Traditionen der Welt im schwedischen Uppsala trafen. In der Hauptdiskussion ging es um die Sorge um die Umwelt und wie man den Bürgern des Planeten die dringende Botschaft mitteilt, dass es notwendig ist, die globale Erwärmung anzuhalten. Beim Gipfeltreffen rief Dr. Hansen zur Beseitigung des Kohleverbrauchs auf, durch strenge Maßnahmen seitens der Regierung, um die Auswirkung der Klimaerwärmung zu mindern.

In einem Interview mit einem Korrespondenten von Supreme Master Television in Schweden diskutierte Dr. Hansen weiter über Umweltziele, die helfen sollen, den Planeten zu retten.

Wir müssen uns also zum Ziel setzen, den Klimawandel zu bremsen.

Dr. James Hansen: Ich denke, nächstes Jahr ist ein entscheidendes Jahr. Wir müssen einen Ersatz für das Kyoto-Protokoll finden. Und es muss anders und wirksamer sein. Das Kyoto-Protokoll war nicht sehr wirksam, denn es hatte Notventile; sogar die Länder, die dachten, sie kämen nahe an ihr Ziel heran, erhöhten in Wirklichkeit ihre Emissionen.

Wir müssen bessere Vereinbarungen haben, die wirklich die Dinge ansprechen, die gemacht werden müssen, und dazu gehört, dass man damit beginnt, die Verwendung von Kohle auszuschleichen. Das ist der entscheidende Faktor, und ich hoffe, dass die Politiker ehrlich sind und sich nicht nur Ziele setzen; sie müssen darauf schauen, was wirklich getan werden muss.

Wenn man sich nur den Anteil von Kohlenstoff in Öl, Gas oder Kohle anschaut, sieht man, dass das reale, größte Problem auf lange Sicht die Kohle ist. Denn CO2 hat eine so lange Lebenszeit und ein hoher Anteil davon bleibt mehr als tausend Jahre in der Luft. Wir können daher einfach nicht alle fossilen Treibstoffe verbrennen. Es hilft nicht, die Rate, mit der man sie verbrennt, etwas zu erniedrigen.

Das bedeutet, wir müssen die CO2-Menge in der Atmosphäre reduzieren; sie hat sich bereits auf zirka 385 Teile pro Million (ppm) erhöht. Wenn wir die Erwärmung stoppen wollen, die Eisschmelze stoppen wollen, müssen wir das CO2 zumindest auf 350 ppm reduzieren und vielleicht sogar noch etwas niedriger.

Das ist ein großer Anspruch, es erfordert, dass die Kohleemissionen abgebaut werden. Und bedeutet auch, dass wir unsere landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Praktiken verbessern müssen.

Das bedeutet zum Beispiel Aufforstung von Brachland, das entwaldet wurde und nicht zum Anbau von Feldfrüchten verwendet wird; und auf diesen Flächen könnten wir wieder Bäume pflanzen. Und auch die Praktiken in der Landwirtschaft: Wir dürfen den Acker nicht oder nur leicht bearbeiten und müssen sogar Bio-Kohle, Holzkohle, in den Boden einarbeiten, damit die Erde mehr Kohlenstoff aufnimmt.

Zum Beispiel importieren wir Nahrung, die einmal um die halbe Welt reist, obwohl wir sie genau so gut von einem Bauernhof in der Nähe kaufen könnten. Aber Fliegen ist so billig, denn es gibt keine Steuern auf Flugbenzin. Vor 50 Jahren gab es die Vereinbarung, Flugbenzin nicht zu besteuern, so verschwenden wir wirklich fossile Treibstoffe. 

Wenn wir jetzt fossile Brennstoffe abbauen wollen, was wir tun müssen, wenn wir einen Planeten behalten wollen, der so aussieht wie der, den wir von unseren Eltern geerbt haben, dann müssen wir einen Preis auf die CO2-Emission ansetzen.

Und damit es so läuft, dass die Allgemeinheit dies akzeptiert, denke ich, muss man 100 % der Steuern an die Allgemeinheit zurückgeben. Und das macht man auf eine einheitliche Basis, so dass jeder den gleichen Gewinnanteil bekommt. Aber wenn Sie zwei Autos und ein großes Haus haben, dann wird Ihr Preis, Ihre Steuer größer sein als der Durchschnitt; aber derjenige, der besser als der Durchschnitt daran arbeitet, seine CO2-Emissionen zu reduzieren, wird Geld verdienen.

Wenn die Öffentlichkeit weiß, dass der Steuersatz mit der Zeit steigen wird, dann unternimmt sie Schritte, um ihren Treibstoffverbrauch zu reduzieren. Und allmählich werden wir zu einer kohlenstofffreien Gesellschaft.

Es ist möglich und offen gesagt, die Wirtschaft würde wachsen, denn das würde zu Innovationen anspornen. Die Menschen würden Dinge erfinden, die weniger oder keine fossilen Treibstoffe brauchen. Und wenn man den Leuten diesen Gewinnanteil gibt, hätten sie Geld in der Tasche und könnten es sich leisten, die neuen Produkte zu kaufen. Wir müssen wirkliche Veränderungen schaffen. Es geht nicht an, sich bis 2050 eine Reduzierung von 80 % zum Ziel zu setzen.

Dr. James HansenWas halten Sie persönlich vom Vegetarismus?

Dr. James Hansen: Meine persönliche Meinung zum Vegetarismus ist, wir sollten uns in diese Richtung bewegen. Meine Tochter und meine Schwiegertochter sind beide Vegetarierinnen. Und sie haben uns beeinflusst, dass wir sie mit vegetarischen Speisen verköstigen. Und auch wir bewegen uns in diese Richtung.

Es gibt viele Dinge, die die Leute tun können, um die CO2-Emission zu reduzieren, aber Glühbirnen zu wechseln und viele dieser Dinge sind weit weniger wirksam als die Ernährung zu ändern; denn wenn Sie Pflanzen anstelle von Tieren essen, die viele Treibhausgase produziert haben und beim Mästen viel Energie verbrauchen, können Sie auf diese Weise wirklich einen größeren Beitrag leisten als durch irgendetwas anderes. Also in Bezug auf Einzelaktionen ist es wahrscheinlich das Beste, was Sie tun können. Und Sie müssen auch Dinge tun, die die Entscheidung der Spitzen-Politiker beeinflussen.

Glauben Sie, dass es ein Hauptthema vieler Organisationen sein sollte, sich bei ihren Kampagnen gegen die globale Erwärmung für den Vegetarismus einzusetzen?

Dr. James Hansen: Ja, in der Tat, die wahrscheinlich einzige Aktion, die ein Mensch individuell ergreifen kann, um die CO2-Emission zu reduzieren, ist Vegetarismus.

In den letzten ein oder zwei Jahren haben wir erkannt, dass es Rückkopplungseffekte gibt, die jetzt eine Rolle spielen und die direkte Auswirkung der vom Menschen erzeugten Emissionen verstärken. Einer davon ist die Freisetzung von Methan, durch den schmelzenden Permafrostboden und den Kontinentalsockel unter dem Meer. Das geschieht aufgrund der Erwärmung; während sich der Planet erwärmt, schmilzt das Eis und dieses gefrorene Methan wird freigesetzt. Das ist potentiell sehr gefährlich. Wir können das nur vermeiden, indem wir die Erwärmung reduzieren oder indem wir sie stoppen.

Die Klimaerwärmung durch Methan ist ungefähr halb so groß wie die Erwärmung durch Kohlendioxyd. Wenn wir den Zuwachs an Methan an sich stoppen könnten, wäre das ein signifikanter Anteil des Problems.

Wir könnten das Kohlendioxyd auch etwas reduzieren, indem wir zu einer natürlicheren vegetarischen Ernährung zurückkehren, im Gegensatz zur Fleischkost. Durch seinen persönlichen Lebensstil kann der Einzelne hier am meisten dazu beitragen, also wir könnten uns ändern, um mitzuhelfen, das Klimaproblem zu lösen.

Dr. HansenWie denken Sie, kann dies alles so bewirkt werden und wie können wir in der Zukunft eine Veränderung herbeiführen?

Dr. James Hansen: Es gibt eine große Kluft zwischen dem, was wir jetzt wissenschaftlich verstehen, und dem, was die Öffentlichkeit weiß, und wir müssen besser mit der Öffentlichkeit kommunizieren; sie muss verstehen, was notwendig ist, um den Planeten zu bewahren. Denn die meisten Menschen wollen für ihre Kinder und Enkelkinder einen solchen Planeten bewahren, wie jenen, den wir gehabt haben. Und diesbezüglich können Religionen hilfreich sein.

Für weitere Details zur Arbeit von Dr. James Hansen vom Goddard Institut für Weltraumstudien der NASA (GISS) besuchen Sie bitte:
www.giss.nasa.gov/staff/jhansen.html
oder www.columbia.edu/~jeh1

Veröffentlichung der Auszüge aus diesem Interview mit freundlicher Genehmigung von Dr. James Hansen und Supreme Master Television

Quelle:
Supreme Master Television: Interview mit Dr. James Hansen, Direktor des Goddard Instituts für Weltraumstudien der NASA
http://suprememastertv.com/de/bbs/board.php?bo_table=pe_de&wr_id=63&goto_url=&url=link2_0 (7. Januar 2009)