GREEN INC. KOLUMNE
Von JAMES KANTER
24. Januar 2010
BRÜSSEL – Die Delegierten, die letzten Monat an den Toren der Klimakonferenz ankamen, wurden von Frauen in pelzigen Tierkostümen begrüßt, die Schilder mit Bildern von Lämmern, Kühen und Schweinen hochhielten, die warnten: „Esst mich nicht!“
Die Frauen waren Repräsentanten von Ching Hai, die Leiterin der Gruppe, die sich für das Befolgen der buddhistischen Gebote ausspricht, darunter auch die Einhaltung einer veganen oder vegetarischen Ernährung.
Da sie stundenlang in der Eiseskälte anstehen mussten, schienen viele der Delegierten dankbar für die ordentlich verpackten Snacks, – fleischfreie Sandwichs – die die Frauen kostenlos verteilten.
Die Anhänger von Ching Hai geben an, dass es eines ihrer Hauptziele sei, die Umweltkatastrophen zu bekämpfen. Und ihre Repräsentanten in Kopenhagen schienen sehr interessiert zu sein, die Botschaft zu verbreiten, dass Methan – das in großen Mengen ausgerülpst wird von Kühen und anderen Nutztieren, die wegen ihres Fleisches gezüchtet werden – zu den stärksten Gasen gehört, die den Planeten erwärmen.
Aber die Vorteile des Vegetarismus, als Teil des Kampfes zur Drosselung des Klimawandels, sind nicht nur ein Thema für spirituell Offene.
Lange vor dem Gipfeltreffen in Kopenhagen bedeutete die steigende Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten, – besonders in der aufkeimenden Mittelklasse in Ländern wie China und Indien, deren Wirtschaften sich schnell entwickeln – dass die Beziehung zwischen Klimawandel und Nahrungspolitik ein wichtiges Thema in der Debatte um die steigenden Treibhausgase werden würde.
Das Thema schien in den Wochen vor der Kopenhagener Konferenz mehr Antrieb erhalten zu haben, indem prominente Personen aus Wissenschaft und Unterhaltung sich einschalteten.
Bei einer Rede vor dem Europäischen Parlament Anfang Dezember sagte Paul McCartney, ein früheres Mitlied der Beatles, es sei dringend notwendig, etwas gegen die Fleischproduktion zu unternehmen, nicht nur wegen ihrer Folgen für das Klima, sondern auch wegen der mit ihr in Zusammenhang stehenden Probleme, wie die Entwaldung und die Gewährleistung sicheren Trinkwassers.
Herr McCartney, der sich schon lange für den Vegetarismus einsetzt, drängte die europäischen Gesetzgeber, Maßnahmen zu unterstützen, die die Bürger dazu ermuntern, einen Tag pro Woche kein Fleisch zu essen. Das sei etwas, das so üblich werden könnte, wie Recycling und Hybrid-Autos.
Beamte in der belgischen Stadt Gent und Schulkinder in Balitmore halten sich bereits an einen fleischfreien Tag pro Woche, sagte er.
Rajendra Pachauri, der Vorsitzende des Weltklimarates der UN, der im Jahr 2007 den Friedensnobelpreis erhielt, schloss sich im Parlament Herrn McCartney an.
Das öffentliche Bewusstsein für die Probleme, die mit Fleisch in Verbindung stehen, ist niedrig und die Behörden müssten vielleicht in Betracht ziehen, auf Fleisch einen Aufschlag zu erheben, um den Konsum zu behindern, kommentierte Herr Pachauri, wie Agence France-Presse berichtete.
Die Fleischwirtschaft brandmarkte die Kommentare sofort als einen Angriff gegen das Gewerbe und die Kritik kam von so weither wie Neuseeland.
„Einen Tag pro Woche, kein Fleisch zu essen, scheint vielleicht eine einfache Lösung, aber es gibt wenig Belege dafür, dass das Vorteile bringt“, sagte Rod Slater, der Geschäftsführer von Beef and Lamb New Zealand (Rind und Lamm verarbeitendes Gewerbe, Neuseeland).
„Die Behauptung, Fleisch sei nicht umweltfreundlich, ist die pathetische Verunglimpfung eines Industriezweiges, der weiterhin in laufende Forschungen investiert, um weitere Verbesserungen zu erreichen“, fügte Herr Slater hinzu. Er meinte, die Leute in Neuseeland erhielten ihren täglichen Nährstoffbedarf und das meiste Protein, Zink und Vitamin B12 durch Rind- und Lammfleisch.
Tatsächlich ist, wie einer Reihe anderer Forschungsgebiete der Klimawissenschaften, die Intensität von Treibhausgasen durch die Fleischproduktion umstritten.
Als eine Studie in der November-Dezember-Ausgabe des World Watch-Magazins behauptete, dass mehr als die Hälfte der Menschen gemachten Treibhausgase von der Fleischindustrie verursacht werden, hielt eine Forschergruppe der Nutztierindustrie dagegen, dass eine Studie der Welternährungsorganisation der UN (FAO) bereits gezeigt habe, die relevanten Zahlen lägen näher bei 18 %.
Die in Word Watch publizierte Studie versäumt es „aufzuzeigen, wie eine Welt ohne Nutztiere aussehen würde“, schrieb Carlos Seré, der Generaldirektor des internationalen Nutztierforschungsinstituts in Nairobi im November an Green Inc.
„Würden z. B. wilde Pflanzenfresser und Termitenhügel viele dieser Gebiete übernehmen und am Ende genauso viele Treibhausgase wie die wiederkäuenden Nutztiere produzieren?“, fragte Herr Seré. „Ehrlich gesagt, wir wissen es nicht und wir können es nicht wissen.“
Sicherlich ist das Thema facettenreicher als manche Kommentatoren andeuten.
Zum Beispiel mögen Rinder, die mit Gras gefüttert werden, einen viel niedrigeren Kohlendioxidausstoß haben, als die, die in Mastparzellen gemästet werden; weil Weidetiere weniger Futter benötigen, das z. B. mit Düngemitteln auf der Basis fossiler Energien angebaut wurde, und weil sie dazu beitragen, dass die Erde Kohlenstoff aufnimmt.
Es wird weiter daran gearbeitet, der Sache auf den Grund zu gehen.
Anfang dieses Monats sagte die Weltorganisation für Tiergesundheit mit Sitz in Paris (World Organization for Animal Health), dass sie, angesichts der Anfragen aus ihren Mitgliedsländern, die Auswirkungen der Fleischproduktion auf den Klimawandel untersuchen wolle.
„Es ist eine Frage, die mit viel Distanz untersucht werden muss“, sagte Bernard Vallat, der Generaldirektor der Organisation, laut Reuters, bei einer Nachrichtenkonferenz. „Wir wollen einen bescheidenen und unabhängigen Beitrag leisten.“
Herr Vallet sagte, dass es eine der schwierigsten Fragen sei, wie man die Landwirtschaft in die Verminderung der Treibhausgase einbeziehen und gleichzeitig die Nahrungssicherheit erhalten könne.
Herr Seré vom Nutztierforschungsinstitut bestätigte, dass es notwendig sei, eine Form der Nutztierhaltung zwischen Massenviehwirtschaft und Familienbetrieb zu entwickeln, die die Armut erleichtern würde, ohne die natürlichen Ressourcen zu erschöpfen oder das Klima zu schädigen.
Er sagte, Umweltschützer sollten daran denken, dass „die Hauptsorge vieler Experten hinsichtlich der Nutztierhaltung in Entwicklungsländern nicht ihre Auswirkungen auf den Klimawandel ist, sondern die Auswirkungen des Klimawandels auf die Nutztierhaltung.“
Es wird vorausgesagt, dass je „heißer und extremer tropische Gebiete sind, dort nicht nur der Lebensunterhalt von bis zu einer Milliarde Menschen, der auf Nutztieren basiert, gefährdet ist, sondern auch die Milch-, Fleisch- und Eierversorgung für hungrige Gemeinden, die diese nahrhaften Nahrungsmittel besonders benötigten“, sagte er.
Quelle:
NYTimes.com: Stop Eating Meat and Save the Planet?
http://www.nytimes.com/2010/01/25/business/energy-environment/25iht-green25.html (24. Januar 2010)
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