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Freisetzung von Methan sieht stärker aus

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Von Michael Fitzpatrick
Wissenschaftsreporter, BBC-Nachrichten

6. Januar 2010

Gefrorene Speicher geben Methan ins Meer abWissenschaftler haben anscheinend eine weitere dramatische Zunahme bei der Freisetzung von Methangas entdeckt, das aus dem arktischen Meeresboden entweicht.

Methan ist etwa 20 Mal wirksamer als CO2, was das Einfangen der Sonnenhitze angeht.

Die Ergebnisse stammen aus den Messungen des Kohlenstoffflusses im Norden Russlands, die geleitet werden von Igor Semiletov von der Universität Alaska in Fairbanks.

„Die Methanfreisetzung aus dem ostsibirischen Eisschelf ist im Gange und sie sieht viel stärker aus, als angenommen worden war“, sagte er.

Professor Semiletov hat die Methanfreisetzung in der Region in den letzten Jahrzehnten studiert und leitet die Internationale Sibirische Eisschelfstudie (ISSS – International Siberian Shelf Study), die zahlreiche Expeditionen in den arktischen Ozean unternommen hat.

Die vorläufigen Ergebnisse von ISSS 2009 werden jetzt gerade zur Veröffentlichung vorbereitet, sagte er den BBC-Nachrichten.

Das Aussickern von Methan, das letzten Sommer aufgenommen wurde, war bereits das stärkste, das je im arktischen Ozean gemessen wurde.

Hohe Freisetzung

Die seichten Schelfgebiete Sibiriens fungieren als gigantische gefrorene Kohlenstoffspeicher für z. B. CO2 und Methan (oft gespeichert als kompakte feste Gashydrate) und sind zunehmender Erwärmung ausgesetzt. Sie geben nun größere Mengen Methan ins Meer und in die Atmosphäre ab, als das in der Vergangenheit aufgezeichnet worden ist.

Der Permafrostboden unter dem Meer wurde bis vor kurzem als stabil eingeschätzt.

METHANHYDRATE
* Methangas ist im Innern einer kristallinen Eis-Wasser-Struktur eingeschlossen.
* Das Gas wird freigesetzt, wenn das Eis schmilzt; normalerweise bei 0 Grad Celsius.
* Bei höherem Druck – also unter dem Ozean – sind die Hydrate bei höheren Temperaturen stabil.

Aber jetzt nehmen die Wissenschaftler an, dass die Freisetzung eines solch kräftigen Treibhausgases, die globale Erwärmung beschleunigen kann.

Höhere Konzentrationen des atmosphärischen Methans tragen zum Anstieg der globalen Temperaturen bei; das wiederum lässt das weitere Schmelzen der Permafrostböden und die Freisetzung von noch mehr Methan in einer Rückkopplungsschleife voraussehen.

Ein Schlimmstfall-Szenario sieht so aus, dass die Rückkopplung einen Umkipppunkt überschreitet und Milliarden von Tonnen Methan plötzlich freigesetzt werden, wie es mindestens einmal in der Erdgeschichte vorgekommen ist.

Solche plötzlichen Freisetzungen werden in Verbindung gebracht mit einem rapiden Anstieg der globalen Temperaturen und könnten ein Faktor für die Massenvernichtung der Spezies gewesen sein.

Laut einem Bericht der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (Noaa), waren die Frühlings-Lufttemperaturen in der Region in dem Zeitraum von 2000 bis 2007 durchschnittlich um 4 Grad Celsius höher als von 1970 bis 1999.

Das ist der schnellste Temperaturanstieg auf dem Planeten, gibt die Universität an.

Das jüngste Abtauen im letzten Jahrzehnt bedeutet, dass eine große Kohlenstoffreserve aus organischem Material, wie toten Tieren und Pflanzen, aus den Sedimenten jetzt ins Meer und in unsere Atmosphäre freigesetzt wird.

Darunter eingeschlossen befindet sich das sich nun erwärmende Methanhydrat, das durch Löcher im auftauenden Sediment nach außen sickert.

Früher wurde angenommen, dass das Gas größtenteils vom Meer aufgenommen würde.

Aber laut dem jüngsten Bericht von Professor Semiletov und seinem Team, der von der Umweltschutzgruppe WWF zusammengestellt wurde, bedeutet die geringe Tiefe der arktischen Schelfs, dass das Methan in die Atmosphäre gelangt, ohne als gelöstes CO2 im Meer zu reagieren.

Mit Professor Semiletov arbeitet Professor Orjan Gustafsson von der Universität Stockholm in Schweden an Bord des Eisbrechers zusammen, der das ISSS-Team jedes Jahr transportiert.

Er sagte, dass das in der Atmosphäre gemessene Methan in der Region 100 Mal höher ist, als normale Grundwerte – in manchen Fällen 1.000 Mal höher.

Kein Alarm

Trotz der hohen Messergebnisse meinte Professor Gustafsson, dass es bis jetzt noch keinen Grund zum Alarm gäbe, und er betonte, dass noch weitere Studien notwendig seien, um die exakte Ursache der Methanfreisetzungen festzustellen.

„Es ist jetzt wichtig zu verstehen, wie schnell es freigesetzt wird und wie viel davon freigesetzt wird“, meinte er.

Es gibt jedoch eine echte Angst, dass die globale Erwärmung in Sibirien die Permafrostböden unter dem Meer auftauen könnte.

Manche Schätzungen legen die Kohlenstoffmenge, die in den Schelf-Permafrostböden eingeschlossen sind, auf 1.600 Milliarden Tonnen fest – etwa zweimal so viel Kohlenstoff, wie sich jetzt in der Atmosphäre befindet.

Die Freisetzung des einst eingeschlossenen Kohlenstoffs aus destabilisierten Meeressedimenten und aus den Permafrostböden hätte einen katastrophalen Effekt auf unser Klima und das Leben auf der Erde, warnen die Wissenschaftler.


Wie das Methan vom Meeresgrund entweicht

1. Methanydrat ist stabil bei hohem Druck und niedriger Temperatur.
2. Nahe der Oberfläche, wo der Wasserdruck niedriger ist, lösen sich die Hydrate bei steigenden Temperaturen früher auf, als in größeren Tiefen.
3. Gas steigt aus dem Meer in Blasen auf – einiges davon löst sich auf, bevor es die Oberfläche erreicht.
4. Das ISSS-Team sagt, es habe Methan entdeckt, das an die Meeresoberfläche aufsteigt.

Quelle:
BBC: Methane release 'looks stronger'
http://news.bbc.co.uk/2/hi/science/nature/8437703.stm (6. Januar 2010)