
Von Reuters
Veröffentlicht am 2. Juni 2008
Von Gerard Wynn
BONN, Deutschland (Reuters) – Die am Montag in Deutschland unter der Leitung der UN begonnenen Klimagespräche für einen Pakt zur globalen Erwärmung werden von Kritikern in Frage gestellt, die sagen, dass die Klima-Maßnahmen teilweise schuld an den hohen Nahrungs- und Energiepreisen sind.
Das Treffen ist das zweite einer Serie von acht, die darauf abzielen, ein globales Klimaabkommen bis zum Ende nächsten Jahres in Kopenhagen zu sichern, das in Kraft treten soll, wenn die erste Runde des Kyoto-Protokolls im Jahr 2012 ausläuft.
Die Gespräche treffen zusammen mit der wachsenden öffentlichen Besorgnis über hohe Energie- und Nahrungspreise. Das ist gepaart mit Kritik darüber, dass die Strategien zur Reduzierung von Treibhausgasen – speziell die Befürwortung von Bio-Treibstoffen, Kohlenstoffsteuern und Emissionshandel – die Angelegenheit verschlechtern könnten.
Emporschnellende Nahrungspreise haben Krawalle in Entwicklungsländern wie Haiti entzündet und ein Rekord-Ölpreis schmerzt die Autofahrer und rief Proteste und Blockaden in Europa hervor. Diese Ereignisse drohen, – zusammen mit einer Konjunkturflaute – die Aufmerksamkeit vom Klimawandel abzulenken.
„Sie haben absolut Recht, sich wegen der Nahrungs- und Energiepreise zu sorgen; aber gegen den Klimawandel nicht vorzugehen, würde wahrscheinlich beides verschlechtern“, sagte der UN-Klimachef Yvo de Boer am Montag zu Reuters und bezog sich auf die Ernteschaden durch Dürren und höhere Energiepreise, die durch Unwirtschaftlichkeit anschwellen.
De Boer lehnte den Vorschlag ab, die Kohlenstoff reduzierenden Bio-Treibstoffe zu verbieten, nachdem die Nahrungspreise durch die Verwendung von Nahrungspflanzen wie Mais zur Herstellung eines Äthylalkohols als Alternative zum Benzin hochgeschnellt worden waren.
„Ich denke Bio-Treibstoffe sind ein sehr wichtiger Teil der Lösung“, sagte er.
„Wenn Mais in großem Maßstab zu Nahrungsmangel und zu einem Anstieg der Nahrungspreise führt, ist das beunruhigend, aber ich beurteile es so, dass es nicht in großem Maßstab passiert. Die beste Lösung wäre für uns, wenn wir alle Vegetarier würden“, denn Getreide wird als Viehfutter benutzt, fügte der Leiter der UN-Klimabehörde (UNFCCC) hinzu.
Eine andere UN-Behörde, die Welternährungsorganisation, veranstaltet diese Woche in Rom ein Gipfeltreffen, um über die hohen Lebensmittelpreise zu debattieren.
NEUE VEREINBARUNG
Das Treffen in Bonn, das am 13. Juni endet, folgt einer Sitzung in Bangkok im März und April, die einen Zeitplan für die zweijährigen Gespräche aufstellte, aber wenig Substanzielles für ein neues Abkommen hervorbrachte.
„Die Arbeit sollte hier ohne Verzögerung beginnen ... die Arbeitsmenge auf dem Weg nach Kopenhagen ist riesig und die Zeit ist kurz.“, sagte die Delegation der Europäischen Union bei der ersten Sitzung in Bonn.
Leitende Beamte aus mehr als 160 Ländern diskutieren eine Reihe von Werkzeugen zur Finanzierung der Verminderung des Treibhausgasausstoßes – von dem die Wissenschaftler sagen, dass er die Gefahr eines katastrophalen Klimawandels hervorruft – und zur Vorbereitung auf den Klimawandel, der gerade jetzt stattfindet oder auf dem Weg ist.
„Kleine Inselnationen sehen sich bereits schwerwiegenden nachteiligen Folgen des Klimawandels gegenüber“, sagte die Barbados-Delegation.
Der jetzige Kyoto-Vertrag deckelt die Treibhausgase von ungefähr 37 Industrieländern, aber nicht den der zwei größten Treibhausgasverursacher – der Vereinigten Staaten und China.
Die größte Streitfrage ist es, wie die Kosten der Umschichtung des gesamten Welt-Energiesystems - weg von den fossilen Treibstoffen - aufzuteilen sind und besonders, wie bald die aufstrebenden Wirtschaften die Deckelung der Treibhausgasemissionen akzeptieren sollten.
Die Umweltminister der führenden reichen Nationen, die sich letzten Monat in Japan trafen, drängten darauf, dass ihre Führer bei einem G8-Gipfel einem globalen Ziel zur Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 zustimmen, schlugen aber keine früheren Ziele vor.
Quelle:
Soaring living costs cloud U.N. climate talks
http://www.enn.com/pollution/article/34572 (2. Juni 2008)
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