
Viehzucht und Klimawandel
von Robert Goodland und Jeff Anhang
Die FAO zur Viehzucht
„Livestock's Long Shadow: Environmental Issues and Options“, [Der lange Schatten der Viehzucht: Umweltfragen und Optionen], Steinfeld, H., Gerber P., Wassenaar, T., Castel, V., Rosales, M. & Haan, C., Rome, Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen, 2006.
Treibhausgase in allen Industriezweigen
„World Greenhouse Gas Emissions in 2005“, [Welttreibhausgas-Emissionen im Jahr 2005] World Resources Institute
http://www.wri.org/publication/world-greenhouse-gas-emissions-in-2005
Umfang des Verkaufs von landwirtschaftlichen Nutztieren
Die Statistiken der FAO
http://faostat.fao.org/site/573/default.aspx#ancor
„Meat Production Continues to Rise“, [Die Fleischproduktion steigt weiter], Brian Halweil
http://www.worldwatch.org/node/5443
Kyoto-Protokoll
„Kyoto Protocol to the United Nations Framework Convention on Climate Change“, [Kyoto-Protokoll – Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen]
http://unfccc.int/essential_background/kyoto_protocol/items/1678.php
Treibhausgase aus der Atmung der Nutztiere
„A Radical Approach to Kyoto“, [Eine radikale Annäherung an Kyoto], Alan Calverd, Physics World, Juli 2005.
Treibhausgase aus Wald, Grasland und Boden
„Forest Industry Carbon Assessment Tool“, [Kohlenstoff-Bemessungsinstrument der Holzverarbeitungsindustrie]
http://www.ficatmodel.org/landing/index.html
Treibhausgase aus Kohle und Bio-Treibstoff
„Stern Review on the Economics of Climate Change“, [Stern-Report: Der wirtschaftliche Aspekt des Klimawandels], Nicholas Stern, London, Großbritannien, Schatzmeister Ihre Majestät, 2006.
Zeitrahmen von 20 Jahren für Methan
„Climate Change 1994: Radiative Forcing of Climate Change and an Evaluation of the IPCC IS92 Emission Scenarios“, Intergovernmental Panel on Climate Change, Ed. J.T. Houghton, Cambridge, U.K., Cambridge University Press, 1995.
Prognostizierter Bevölkerungszuwachs der Menschheit
„World Population to Exceeed 9 Billion By 2050“, [Weltbevölkerung wird im Jahr 2050 9 Milliarden übersteigen]
http://www.un.org/esa/population/publications/wpp2008/pressrelease.pdf
Finanzielle Ergebnisse der Nahrungsmittelhersteller im Anschluss an zerstörerische Klimaereignisse
„Whole Foods Market Reports Fourth Quarter Results“, [Whole Foods Marktbericht zum vierten Quartal]
http://www.wholefoodsmarket.com/company/archives/Q405financial.php
Ölfördermaximum
„Peaking of World Oil Production: Impacts, Mitigation, and Risk Management“, [Ölfördermaximum in der Welt-Ölproduktion: Auswirkungen, Abmilderung und Risiko-Management], Robert S. Hirsch, Energieministerium der USA
http://www.netl.doe.gov/publications/others/pdf/Oil_Peaking_NETL.pdf
„Energy Future: A Significant Period of Discomfort“ [Energie-Zukunft: Eine signifikante Periode des Unbehagens] http://knowledge.allianz.com/en/globalissues/safety_security/energy_security/hirsch_peak_oil_production.html
„Ethanol fuels concern of US farmers“, [Äthanol-Treibstoffe schüren die Besorgnis der US-Farmer] The Age
http://www.theage.com.au/news/business/ethanol-fuels-concern-of-us-farmers/2007/01/28/1169919212154.html?page=2
Verkauf von Sojaprodukten
„Sales and Trends“, [Umsätze und Trends]
http://www.soyfoods.org/products/sales-and-trends
Sojamehl als Nebenprodukt von Biotreibstoffen
„Biofuels Impact on Crop and Food Prices: Using an Interactive Spreadsheet“, [Die Auswirkungen von Bio-Treibstoffen auf die Preise von Nahrungspflanzen und Nahrungsmittel unter Verwendung einer interaktiven Tabelle.]
http://www.federalreserve.gov/pubs/ifdp/2009/967/ifdp967.htm
Investitionen in erneuerbare Energie-Infrastruktur
„Investors must learn to play a leading role“, [Investoren müssen lernen, eine führende Rolle zu spielen.], Financial Times, September 15, 2008.
Rezession bei Lebensmitteln
„The squeeze is on: When the grocery budget bursts, smarter shopping hits the menu“, [Die Daumenschrauben sind angelegt: Wenn das Budget für Lebensmittel platzt, kommen cleverere Einkäufe auf den Speisezettel.] Kristen Browning-Blas, Denver Post, 14. Januar 2009
http://www.denverpost.com/lifestyles/ci_11437603
Chancen für die Armen auf dem Land
„You Can Hear Me Now: How Microloans and Cell Phones Are Connecting the World's Poor to the Global Economy“, [Ihr könnt mich jetzt hören: Wie Mikrokredite und Handys die Armen der Welt mit der globalen Wirtschaft verbinden], Nicholas P. Sullivan, San Francisco, Jossey-Bass, 2007.
Arbeit in Verbindung mit der Viehzucht
„Fast Food Nation“, Eric Schlosser, Boston, Houghton Mifflin, 2001.
„Bound Promises: Contemporary Slavery in Rural Brazil“, [Verpflichtende Versprechen: zeitgenössische Sklaverei im ländlichen Brasilien]
http://www.witness.org/index.php?option=com_rightsalert&Itemid=178&task=story&alert_id=54
Wasserverbrauch in Verbindung mit der Viehzucht
„Food, Energy, and Society“, Third Edition, [Nahrung, Energie und Gesellschaft] Ed. David Pimentel und Marcia Pimentel, Ithaca, New York, 2007.
Gesundheit und Ernährung in Bezug auf die Viehzucht
„Diet and Chronic Degenerative Diseases: Perspectives from China“, [Ernährung und chronische degenerative Erkrankungen: Perspektiven aus China] T. Colin Campbell und Chen Junshi, American Journal of Clinical Nutrition, 1994; 59 (suppl): 1153S-61S.30.
Fragen und Antworten
Warum sollten die Leute auf Ihren Artikel reagieren, wenn im Dezember in Kopenhagen wahrscheinlich eine Vereinbarung zur Abschwächung des Klimawandels durch die Reduktion von fossilen Brennstoffen abgeschlossen wird?
Aufgrund der hohen Treibhausgasemissionen durch den Lebenszyklus [der Tiere] und durch die Versorgungskette mit Produkten aus der Viehzucht können sogar größere Fortschritte bei der Reduktion von fossilen Brennstoffen die Notwendigkeit nicht aufheben, den Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten zu reduzieren.
In Ihrem Artikel empfehlen Sie Fleisch- und Molkereiersatzprodukte, die aus Nutzpflanzen wie Soja und Weizen hergestellt werden. Aber ist der Anbau von Feldfrüchten wie Soja nicht ein genauso großes Problem wie Fleisch?
Die größten und nachteiligsten Auswirkungen beim Anbau von Soja und anderen Feldfrüchten, entstehen durch die Umwandlung der Wälder, und anderer empfindlicher Standorte hier und dort, die CO2 aufnehmen. Aber Fleisch- und Molkereiersatzprodukte brauchen viel kleinere Mengen von Soja und Weizen, als das, was gegenwärtig für die Fleisch- und Milchproduktion angebaut wird. Daher würde der heutige Trend der weltweiten Ausdehnung der Soja- und Weizenproduktion gestoppt, wenn Fleisch- und Molkereiersatzprodukte das Fleisch ersetzen. Das bereits umgewandelte Land würde mehr als auseichen, um Soja und Weizen für die Produktion von Ersatzprodukten zu liefern.
Wir sprechen uns dagegen aus, dass noch weiterer Wald für den Nutzpflanzenanbau – oder zu irgendeinem anderen Zweck umgewandelt wird.
Es gibt bereits Kampagnen für „Fleischfreie Montage“ und Ähnliches. Warum sollte das nicht genügen?
Der Vorschlag, einmal die Woche kein Fleisch zu essen, suggeriert Entbehrung.
So wird normalerweise kein Nahrungsprodukt vermarktet. Verbraucher tendieren dazu, Nahrungsmittel zu kaufen, die als schmackhaft, billig, einfach zuzubereiten und gesund vermarktet werden. Bei der Werbung für ein solches Produkt schlägt der Hersteller vor, dass das Produkt ständig gegessen werden sollte. Zum Beispiel wird nicht dafür geworben, dass man von Pepsi auf Coca Cola nur einmal die Woche umsteigen solle, sondern die ganze Woche.
Ist Methan nicht das Haupttreibhausgas aus der Viehzucht? Und wenn das so ist, warum konzentriert sich Ihr Artikel nicht mehr auf Methan?
Methan ist wichtig, aber andere Treibhausgase sind das auch. Z. B können die Auswirkungen des CO2, das von den Nutztieren ausgeatmet wird, größer sein als dieselbe Menge CO2, die durch irgendeinen andere Industriezweig freigesetzt wird. Das liegt daran, dass andere Industriezweige CO2 mit Partikeln – etwa Sulfaten – freisetzen, die einen abkühlenden Effekt haben und den erwärmenden Effekt des CO2 aufheben, wohingegen im Atem solche Partikel nicht vorhanden sind.
Es ist also wichtig, sich auf die Emissionen zu konzentrieren, die dem Verzicht auf eine Reduzierung von Kohlenstoff zuzuschreiben sind, indem das Land als Viehweide oder für den Futteranbau verwendet wird. Das liegt daran, dass eine Reduktion, auf die verzichtet wird, genauso stark ins Gewicht fällt, wie ein Zuwachs derselben Treibhausgasmenge.
Darüber hinaus ist es so, dass die Verminderung von Kohlenstoff auf Land, das für die Viehzucht und den Futteranbau genutzt wird, die einzig machbare Weise ist, eine wesentliche Menge des heutigen atmosphärischen CO2 kurzfristig zu absorbieren.
Ihr Artikel deutet an, dass Nichtregierungsorganisationen davon ausgehen, dass 50 Milliarden Nutztiere glaubhafter sind als die Schätzung von 21, 7 Milliarden im FAO-Bericht „Der lange Schatten der Viehzucht“. Warum sollten die Leute einer Schätzung von Nichtregierungsorganisationen eher Glauben schenken als der Schätzung, die in „Der lange Schatten der Viehzucht“ abgegeben wird?
Nachdem unser Artikel zur Veröffentlichung eingereicht worden war, entdeckten wir, dass die Statistikabteilung der FAO selbst sagt, dass es im Jahr 2007 56 Milliarden landwirtschaftliche Nutztiere gab.
Der Artikel behauptet, dass Bio-Diesel Kohle ersetzen kann. Wie ist das möglich?
Wenn mehr Land für den Pflanzenanbau zur Herstellung von Bio-Diesel verwendet wird (was passieren kann, auch wenn es nicht gewünscht wird), ist es notwendig, dass Kohle durch die Verwendung von Bio-Treibstoffen ersetzt wird, statt sie zusätzlich zu verwenden. Man kann das ins Auge fassen. In der Vergangenheit haben sowohl Bio-Treibstoffe als auch Kohle zu den globalen Energievorräten beigetragen, aber ihre Austauschbarkeit war begrenzt. In letzter Zeit sind sie jedoch untereinander austauschbar geworden, da sich die Kapazität der Bio-Treibstoffe in vielen Ländern (auch in den USA) erhöht hat und uns zunehmend Autos zur Verfügung stehen, die sowohl mit Strom oder Bio-Diesel oder mit beidem betrieben werden können. Es wird erwartet, dass dieser Trend der zunehmenden Ersetzbarkeit sich fortsetzt.
Warum sollte für die Berechnung von Methan ein anderer Zeitrahmen verwendet werden als für Kohlendioxid?
Jedes Treibhausgas sollte entsprechend seiner Verweildauer als Treibhausgas in der Atmosphäre berechnet werden. Laut dem Weltklimarat der UNO (IPCC) ist die Wahl des Zeitrahmens, um die verschiedenen Treibhausgase auszuweisen, eine politische Entscheidung, keine wissenschaftliche Frage. Die Wahl eines Zeitrahmens von 20 Jahren für Methan wird von der folgenden Empfehlung des IPCC unterstützt:
Wenn der politische Schwerpunkt darauf liegt, sich gegen etwaige potenzielle nicht-lineare Klimaereignisse in der relativ nahen Zukunft abzusichern, dann würde die Wahl einer 20-Jahres-Periode einen Index ergeben, der relevant ist für das Treffen von Entscheidungen hinsichtlich angemessener Strategien bei der Senkung von Treibhausgasen. Wenn außerdem die Geschwindigkeit des potenziellen Klimawandels von größtem Interesse ist (mehr als die Stärke), dann kann die Konzentration auf kürzeren Zeithorizonten liegen.
Kann man mit dem Methan nicht dadurch umgehen, dass man es abschwächt, statt es zu vermeiden?
Der Viehzuchtsektor hat auf Diskussionen über die Klimarisiken reagiert, für die er verantwortlich ist, indem er verlautbart, dass er an neuem Futter für die Nutztiere arbeitet und dass er Gülle zu Biogas umwandeln will. Solche Bemühungen würden die Methanemissionen reduzieren. Die Entwicklung neuen Futters ist jedoch noch in einem Forschungs- und Entwicklungsstadium. Selbst wenn es langsam eingesetzt wird, wird es wahrscheinlich teurer anzubauen sein, als das heutige Futter. Und es ist unwahrscheinlich, dass es in vielen Teilen der Welt sofort übernommen wird. Obwohl es bereits einige aktive Projekte gibt, mit der Gülle zu Biogas umgewandelt wird; und selbst wenn solche Projekte dramatisch zunehmen und neues Futter verwirklicht wird, können diese Maßnahmen höchstens ein paar Prozent der weltweiten Treibhausgase abmildern. Wenn sich gleichzeitig die Zahl der landwirtschaftlichen Nutztiere verdoppelt, wie der FAO-Bericht aus dem Jahr 2006 vorhersagt, dann könnten sich die Treibhausgase aus allen anderen Bereichen des Viehzuchtsektors verdoppeln, während sich die Treibhausgase anderer Industriezweige verringern. Das würde den Prozentsatz der Treibhausgase, der dem Viehzuchtsektor zuzuordnen ist, sogar noch inakzeptabler machen als heute.
Warum ist es wichtig, die Treibhausgase zu berechnen, die bei der Kühlung von Fleisch- und Milchprodukten entstehen?
Der FAO-Bericht schließt die Treibhausgase aus, die der Kühlung der Produkte aus der Viehwirtschaft zuzuschreiben sind, z. B. Fluorkohlenwasserstoffe, teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe und Perfluorcarbone. Die meisten dieser Gase haben ein Erwärmungspotenzial, dass Hunderte und Tausende Male stärker ist als das von CO2. Für die Vorratskette der Viehzucht-Produkte ist viel mehr Kühlung notwendig als für alternative Produkte.
Warum ist es wichtig die Treibhausgase zu berechnen, die durch das Garen von Fleisch- und Milchprodukten entstehen?
Der FAO-Bericht schließt die Treibhausgase aus, die dem Garen von Erzeugnissen aus der Viehzucht zuzuschreiben sind. Selbst mit den wirksamsten Garmethoden muss Fleisch üblicherweise bei höheren Temperaturen und für längere Zeit gekocht werden als alternative Produkte. Fleisch wird jedoch oft gegart in Öfen, auf Grills, in Straßenverkaufsständen, die in den Entwicklungsländern oft mit Holzkohle und Kerosin betrieben werden. Diese Methoden sind weit verbreitet und oft kulturell tief verwurzet, aber auch sehr ineffizient und CO2-intensiv.
Sie bringen Heiz- und Abkühlungsperioden für jeden Garvorgang mit sich und sind daher noch CO2-intensiver pro verwendete Thermal-Energieeinheit als Kohlekraftwerke. Durch die Produktion der Holzkohle wird oft die Entwaldung verschärft. Darum sind die Treibhausgase durch das Garen von tierischen Erzeugnissen wesentlich höher als durch das Garen von Alternativprodukten.
Warum ist es wichtig, die Treibhausgase zu berechnen, die aus der Abfallentsorgung von Produkten aus der Viehwirtschaft entstehen?
Der FAO-Bericht schließt die Treibhausgase aus, die der Abfallentsorgung von Erzeugnissen aus der Viehzucht zuzuschreiben sind – das ist die Verteilung und Beseitigung von unvermeidlich großen Mengen von Abfallprodukten aus der Viehzucht. Das bezieht sich auf die Nahrungskette des Großhandels, des Einzelhandels und der Verbraucher. Die Treibhausgase aus der Abfallentsorgung von Erzeugnissen aus der Viehwirtschaft sind wesentlich höher als die Treibhausgase aus der Abfallentsorgung von alternativen Produkten. In größerem Umfang als bei alternativen Produkten wird ein großer Teil der Viehzucht-Erzeugnisse zu Abfall in Form von Knochen, Fett und abgelaufenen und verdorbenen Produkten. Einige dieser Abfälle werden weiterverarbeitet in Prozessen, die üblicherweise hohe Energiemengen benötigen. Der FAO-Bericht stellt nicht klar, ob er die Treibhausgase berechnet, die aus dieser Art Energieverbrauch herrühren. Der FAO-Bericht erklärt deutlich, dass er die Treibhausgase nicht berechnet, die durch die Entsorgung mancher tierischer Abfälle in Gewässern entstehen, wo sie Algen, die Kohlenstoff aufnehmen, und auch andere Wasserlebewesen abtöten, die dann CO2 abgeben, wenn sie verrotten. Der FAO-Bericht gibt an, dass der Mangel an Daten die Hochrechnung der dadurch entstehenden Treibhausgasmenge unmöglich macht. Zusätzlich berechnet der FAO-Bericht nicht die Treibhausgase, die durch Abfälle aus der Viehzucht freigesetzt werden, die auf Mülldeponien und in Verbrennungsanlagen entsorgt werden. Was beides bedeutende Mengen an Treibhausgasen freisetzen würde.
Warum ist es wichtig, die Treibhausgase aus Nebenprodukten der Viehzucht zu berechnen?
Der FAO-Bericht aus dem Jahr 2006 schließt Treibhausgase aus, die der Herstellung, dem Vertrieb und der Entsorgung von Nebenprodukten zuzuschreiben sind, wie z. B. Produkte die aus Leder, Federn, Haut und Fell hergestellt werden, und ihre Verpackungen. Durch die Herstellung dieser Nebenprodukte entstehen wesentlich höhere Treibhausgasaufkommen als bei der Herstellung von Ersatzprodukten.
Welches könnten die Auswirkungen auf die Gesundheit und die Ernährung sein, wenn Erzeugnisse aus der Viehwirtschaft ersetzt werden?
Die Auswirkungen auf die Gesundheit und die Ernährung würden sich bei den Konsumenten im Vergleich zu den Erzeugnissen aus der Viehzucht allgemein verbessern, angesichts der besseren Erschwinglichkeit von Ersatzprodukten (weil arme unterernährte Menschen sich vielleicht kein Fleisch und keine Milchprodukte leisten können), und angesichts des hohen Vorkommens von Fettleibigkeit und Übergewicht und chronisch degenerativen Erkrankungen in Zusammenhang mit Erzeugnissen aus der Viehwirtschaft – aber nicht im Zusammenhang mit Fleisch- und Molkereiersatzprodukten.
Wie kamen Sie auf die Idee, Produkte aus der Viehzucht durch Ersatzprodukte zu ersetzen?
Fleisch- und Molkereiersatzprodukte machen es den Leuten, die an den Verzehr von Fleisch und Milchprodukten gewöhnt sind, leicht, ihre bereits vorhandenen Vorlieben zu verbessern.
Diese Ersatzprodukte ermöglichen es den einzelnen Menschen in und aus allen Regionen der Welt, ihre Familienrezepte und kulturellen Traditionen gewissermaßen unverändert beizubehalten.
Viele Menschen, die teilweise oder vollständig damit aufhören, Fleischprodukte zu essen, fangen damit an, Fleisch- und Molkereiersatzprodukte zu essen. Und die meisten setzen den Konsum weiterhin fort. Viele berichten, dass das Probieren von Ersatzprodukten sie davon überzeugte, dass sie tierische Erzeugnisse in ihren Mahlzeiten ersetzen können.
Bei der Vermarktung von Ersatzprodukten wurden bereits deutliche Erfolge erzielt.
Potenziell kann eine Verbesserung verschiedener Eigenschaften bei den Ersatzprodukten erreicht werden, was zu einem noch größeren Erfolg führen könnte.
Konsumenten von Milchprodukten sehen Milch-Ersatzprodukte regelmäßig als Wahlmöglichkeit neben den Milchprodukten stehen. Während Fleischkonsumenten nicht regelmäßig Fleischersatzprodukte in der Nähe der Fleischprodukte sehen. Das könnte erklären, warum die Umsätze für Ersatzprodukte aus Milch viel stärker gestiegen sind als die von Fleischersatzprodukten. Z. B. ist der Umsatz von Soja-Milch in den USA und in manchen anderen Ländern um über 20 % jährlich in den letzten Jahren gestiegen, während der Umsatz bei den Fleischersatzprodukten viel geringer gestiegen ist.
Es gibt viele Beispiele dafür, dass Ersatzprodukte von den Verbrauchern gerne gewählt werden. Z. B. wird bei den Nahrungsmitteln die Margarine oft der Butter vorgezogen. In der Bekleidungs- und Möbelbranche erzielen die kostengünstigen Billigprodukte oft viel höhere Umätze als teure Designer-Versionen, die ihnen zugrunde liegen. Für den kleinen Prozentsatz von Konsumenten, die nicht in der Lage sind, Nahrungsmittel aus Soja oder Gluten zu verzehren, sind andere eiweißreiche Nahrungsmittel bequem erhältlich.
Ist der CO2-Ausstoß von Hühnern nicht niedriger als der von Rindern, was bedeutet, dass der Ersatz von Rind durch Huhn eine gute Alternative wäre, statt alle Fleischsorten durch Ersatzprodukte zu ersetzen?
Eine mögliche Strategie wäre die Unterscheidung zwischen verschiedenen Viehzuchterzeugnissen, entsprechend der Menge an Treibhausgasen, für die sie verantwortlich sind, um dann tierische Erzeugnisse mit kleinerem CO2-Fußabdruck als Ersatz für tierische Erzeugnisse mit größerem CO2-Fußabdruck zu verwenden. Das wäre jedoch keine effektive Strategie, denn jedes Kilogramm jedes Produktes aus der Viehzucht ist fast für dieselbe Treibhausgasmenge verantwortlich. Es gibt nur wenig Unterschiede zwischen den landwirtschaftlichen Nutztieren, wenn es um die Atmung der Tiere, den Landverbrauch für den Futteranbau und die meisten anderen in diesem Artikel erörterten Faktoren geht, die für die meisten Treibhausgase verantwortlich sind, die den tierischen Produkten im Allgemeinen zugeschrieben werden können. Die Hauptfaktoren, bei denen es wesentliche Unterschiede gibt, sind die Gärungsprozesse im Darm, das Weiden und die benötigte Futtermenge zur Herstellung von Rindfleisch- und Molkereierzeugnissen.
Der Unterschied, den diese Faktoren auf den Gesamttreibhausgasausstoß ausmachen, sind relativ unbedeutend, wenn man Rindfleisch- und Molkereiprodukte mit anderen Viehzuchtprodukten vergleicht. Darum würde der Verzehr von Huhn statt von Rind (beispielsweise) keine nennenswerte Verlangsamung des Klimawandels ergeben.
Als die FAO schätzte, dass 18 % der weltweiten Treibhausgase der Viehzucht zuzuschreiben seien, war es für sie vielleicht vernünftig, Maßnahmen zur Abschwächung der Emissionen zu empfehlen, statt sie insgesamt zu vermeiden. Bei der neuen, viel höheren Schätzung in diesem Artikel wird die breite Vermeidung von Emissionen aus dem Viehzuchtsektor ausschlaggebend. Es ist nun möglich zu verstehen, dass die dramatische Ausweitung des Viehzuchtsektors in den vergangenen Jahrzehnten die Menschheit gefährden kann und dass es keine andere Möglichkeit geben mag, die Klimarisiken durch die Nahrungsmittelindustrie und durch die Welt im Allgemeinen zu bewältigen, als die Erzeugnisse aus der Viehzucht durch bessere Alternativen zu ersetzen.
Der FAO-Bericht 2006 empfiehlt keine Aktion, um die von ihm vorhergesehene Verdopplung der Viehproduktion innerhalb einiger Jahrzehnte zu verhindern. Fünf Jahre vor der Veröffentlichung des FAO-Berichts 2006, im Jahr 2001, schien es aber berechtigt zu handeln, als einer der Autoren der Mit-Autor von Livestock Development [Entwicklung der Viehzucht] war – eine geplante Finanzentwicklungsstrategie, die die Finanzierung von großen Massenviehzuchtbetrieben vermeiden wollte.
Aufgrund der im früheren Artikel erstellten Schätzung von Treibhausgasen aus der Viehzucht kann es jetzt sogar noch wichtiger sein als im Jahr 2001, als der Bericht Livestock Development [Entwicklung der Viehzucht] veröffentlicht wurde, dass Finanzinstitutionen Strategien umsetzen, um die Massenviehhaltungsbetriebe nicht zu finanzieren. Nichts gegen die Verdopplung der Viehzuchtproduktion zu tun, steht im Widerspruch zur Verpflichtung der Unterzeichnerstaaten des Kyoto-Protokolls, ihre Treibhausgase reduzieren zu wollen; während andere Industrie- und Wirtschaftszweige tätig werden und die Treibhausgase vermindern, für die sie verantwortlich sind.
Veröffentlicht im World Watch Magazin, November/Dezember, Band 22, Nr. 6
Quelle:
Sources and Resources for “Livestock and Climate Change”
http://www.worldwatch.org/ww/livestock (November 2009)
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