sos-klimawandel.info

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Viehzucht und Klimawandel: Was ist, wenn die Hauptdarsteller des Klimawandels Kühe, Schweine und Hühner sind?

E-Mail Drucken

von Robert Goodland und Jeff Anhang

Immer wenn die Ursachen des Klimawandels diskutiert werden, stehen die fossilen Brennstoffe ganz oben auf der Liste. Öl, Erdgas und besonders Kohle sind tatsächlich wichtige Emissionsquellen von Kohlendioxid (CO2) und anderer Treibhausgase.
Wir glauben aber, dass der Lebenszyklus und die Versorgungskette durch Nutztiere, die zum Verzehr gezüchtet werden, als Treibhausgasquellen gewaltig unterschätzt werden und dass sie tatsächlich für mindestens die Hälfte aller vom Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich sind.
Wenn dieses Argument stimmt, dann bedeutet das, dass das Ersetzen tierischer Produkte durch bessere Alternativen die beste Strategie wäre, um den Klimawandel umzukehren.
Tatsächlich hätte diese Vorgehensweise schnellere Auswirkungen auf den Treibhausgasausstoß und seine Konzentration in der Atmosphäre – und daher auch auf die Geschwindigkeit das Klimawandels – als Aktionen zum Ersatz fossiler Treibstoffe mit erneuerbarer Energie.

Es ist bereits wohlbekannt, dass die Viehzucht zum Treibhausgasausstoß beiträgt. „Der lange Schatten der Viehzucht“, der weithin zitierte Bericht der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) aus dem Jahr 2006, schätzt, dass 7.516 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten oder 18 % der jährlichen Treibhausgasemissionen Rindern, Büffeln, Schafen, Ziegen, Kamelen, Pferden, Schweinen und Geflügel zuzuschreiben sind. Bereits diese Menge würde reichen, um auf der Suche nach Wegen gegen den Klimawandel, einen unnachgiebigen Blick auf die Viehzucht zu werfen. Aber unsere Analyse zeigt, dass auf die Viehzucht und ihre Nebenprodukte tatsächlich mindestens 32.564 Millionen Tonnen CO2 oder 51 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen jährlich entfallen.

Das ist eine starke Behauptung, die starke Beweise erfordert. Wir werden daher die direkten und indirekten Treibhausgasemissionen durch die Viehzucht gründlich überprüfen. Manche sind ganz offensichtlich, werden aber unterschätzt. Manche werden einfach übersehen; und manche sind Emissionsquellen, die bereits eingerechnet sind, aber den falschen Bereichen zugeordnet werden.

Die Daten über den Viehbestand schwanken von Ort zu Ort und unterliegen unvermeidlichen Ungenauigkeiten; wo es unmöglich war, Ungenauigkeiten bei der Berechnung irgendeiner Summe von Treibhausgasen zu vermeiden, haben wir uns bemüht, die Summe zu minimieren, so dass unsere Gesamteinschätzung als konservativ angesehen werden kann.

Das große Ganze

Die Tabelle rechts fasst die Kategorien zusammen, die auf den Emissionen des Viehbestands und ihren Größenschätzungen basieren.
Wir beginnen mit den 7.516 Millionen Tonnen an CO2–Äquivalenten pro Jahr, die der Viehzucht zuzuordnen sind.
Das ist eine Menge, die sich ergibt, wenn man den Treibhausgasausstoß zusammenzählt, der mit der Landrodung zur Schaffung von Viehweiden und zur Produktion von Viehfutter zu tun hat, damit dass die Nutztiere am Leben erhalten und die Endprodukte verarbeitet und transportiert werden.
Wir zeigen, dass 25.048 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten, die dem Viehbestand zuzuordnen sind, zu gering berechnet oder übersehen wurden.
Von dieser Zwischensumme wurden 3.000 Millionen Tonnen falsch zugeordnet und 22.048 Millionen Tonnen wurden überhaupt nicht mitgezählt.
Wenn der weltweiten Bestandsaufnahme unberechnete Tonnen an atmosphärischen Treibhausgasen hinzugefügt werden, dann steigen die Bestandsdaten von 41.755 Millionen Tonnen of 63.803 Millionen Tonnen. Die 7.516 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente der FAO, die der Viehzucht zuzuordnen sind, reduzieren sich dann von weltweit 18 % auf 11,8 % Treibhausgasemissionen. Schauen wir uns nun jede Kategorie der ungezählten oder falsch zugeordneten Treibhausgase an:

Atmung: Die FAO schließt die Atmung der Nutztiere von ihren Schätzungen durch folgendes Argument aus:

Die Atmung der Nutztiere ist keine CO2-Netto-Quelle ... Emissionen aus der Atmung des Viehbestands sind Teil des schnellen Kreislaufs eines biologischen Systems, in dem die verzehrten Pflanzenstoffe selbst – durch die Umwandlung von atmosphärischem CO2 zu organische Verbindungen – geschaffen wurden.
Da die aufgenommenen und ausgestoßenen Mengen als gleichwertig angesehen werden, wird die Atmung der Nutztiere nicht als Netto-Quelle gemäß dem Kyoto-Protokoll betrachtet.
Da Teile des verzehrten CO2 im lebenden Gewebe des wachsenden Tieres gelagert werden, könnte der wachsende globale Nutztierbestand tatsächlich sogar als Kohlendioxid-Senke angesehen werden. Die Biomasse des Viehbestands hat in den letzten Jahrzehnten erheblich zugenommen ... Das zunehmende Wachstum ... könnte als ein CO2-Speicherungsprozess angesehen werden (grob geschätzt 1 oder 2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr).

Aber es hat einen Haken, sich die Angelegenheit so zu betrachten. Untersuchen wir zunächst die Abscheidungs-Behauptung: Die Abscheidung bezieht sich auf den Entzug von CO2 aus der Atmosphäre und seine Lagerung in einem Gewölbe oder einer stabilen Verbindung, aus der es über einen langen Zeitraum nicht entweichen kann. Selbst wenn man den Viehbestand als Kohlendioxid-Senke betrachtet, ist die in den Nutztieren gespeicherte Kohlendioxid-Menge belanglos, verglichen mit der Menge, die in den Wäldern gespeichert ist, die gerodet werden, um Flächen für die Futterproduktion und die Weiden der Nutztiere zu schaffen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Viehwirtschaft ist (wie die Autos) eine menschliche Erfindung und Annehmlichkeit, es gab sie nicht in vormenschlicher Zeit. Und ein CO2-Molekül, dass von Nutztieren ausgeatmet wird, ist nicht natürlicher als eines, das aus einem Autoauspuff kommt.
Außerdem: Auch wenn es im Laufe der Zeit ein Gleichgewicht geben mag zwischen der von Tieren ausgeatmeten CO2-Menge und der Menge, die von Pflanzen in der Photosynthese aufgenommenen wird, so ist dieses Gleichgewicht jedoch nie statisch.
Heutzutage atmen einige zig Milliarden mehr Nutztiere CO2 aus als in vorindustrieller Zeit, während die photosynthetische Kapazität der Erde (ihre Fähigkeit, Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entnehmen, indem sie sie in die Pflanzenmasse speichert) stark durch die Rodung der Wälder abgenommen hat.
(In der Zwischenzeit fügen wir der Luft natürlich noch mehr Kohlenstoff hinzu, indem wir fossile Treibstoffe verbrennen, was das Kohlenstoff-Aufnahmesystem weiter belastet.

Die FAO macht geltend, dass die Atmung der Nutztiere nicht als anerkannte Treibhausgasquelle gemäß dem Kyoto-Protokoll aufgelistet wird, obwohl im Protokoll tatsächlich das CO2 ohne Ausnahme benannt wird. Eine Kategorie für „Sonstiges“ wird zugefügt, um alle möglichen anderen Gruppen aufzulisten. Aus Gründen der Genauigkeit sollte es in jedem Protokoll, das auf Kyoto folgt, separat aufgeführt werden,

Es ist verlockend die eine oder andere anthropogene Kohlenstoffquelle – entsprechend der eigenen Interessen – auszuschließen, mit der Begründung, dass sie durch die Photosynthese ausgeglichen wird. Wenn es jedoch legitim ist, Autos zu berechnen, die mit fossilen Treibstoffen betrieben werden, die von hunderten von Millionen Menschen nicht gefahren werden, dann ist es gleichermaßen legitim die Atmung der Nutztiere zu berechnen.
Wenig oder gar keine Produkte aus der Viehwirtschaft werden von hunderten von Millionen Menschen verzehrt und für das Überleben der Menschen ist die Atmung von Nutztieren (im Gegensatz zur menschlichen Atmung) nicht erforderlich.
In dem wir die Treibhausgase, die der Atmung der Nutztiere zuzuschreiben sind, nicht in die Bilanz aufnehmen, ist vorhersehbar, dass sie nicht zugeordnet werden und ihr Menge zunehmen wird – wie das tatsächlich auch schon geschieht.

Kohlendioxid aus der Atmung von Nutztieren steht – laut einer Einschätzung des britischen Physikers Alan Calverd – für 21 % der weltweiten anthropogenen Treibhausgase.
Er hat keine Gewichtsangaben für dieses CO2 zur Verfügung gestellt, es sind jedoch etwa 8,769 Millionen Tonnen.
Calverds Einschätzung ist die einzige Original-Einschätzung dieser Art; aber da sie nur eine Variable enthält (die Gesamtmasse aller Nutztiere, da außer den kaltblütigen Fischen, etwa alle dieselbe Menge CO2 pro Kilogramm ausstoßen) sind alle CO2-Berechnungen aus der Atmung eines bestimmten Nutztiergewichts etwa gleich.

In Calverds Einschätzung gab es keine Erklärung dafür, dass das CO2, verursacht durch die Atmung der Nutztiere, aus den globalen Treibhausgas-Bestandsaufnahmen herausgenommen wurde. Es gab auch keine Erklärung für die Treibhausgase, die wir in unserer Analyse der Viehzucht zuordnen. Nachdem alle relevanten Treibhausgase der globalen Treibhausgas-Bestandsaufnahme hinzugefügt wurden, fällt der Prozentsatz der Treibhausgase, der der Atmung der Nutztiere zuzuordnen ist von 21 auf 13,7 %.

Land: Da es jetzt einen weltweiten Mangel an Weideland gibt, ist praktisch die einzige Möglichkeit, mehr Nutztiere und mehr Futter zu produzieren, die natürlichen Wälder zu zerstören. Das Wachstum der Märkte für Viehzuchtprodukte ist in den Entwicklungsländern am größten, wo der Regenwald normalerweise mindestens 200 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichert. Wo der Regenwald durch mittelstark verschlechtertes Weideland ersetzt wird, reduziert sich die Kohlenstoffspeichermenge auf 8 Tonnen pro Hektar.

Jeder Hektar Weideland kann durchschnittlich nicht mehr als ein Stück Vieh ernähren, das jeweils nur den Bruchteil einer Tonne Kohlenstoff aufnimmt. Im Vergleich dazu werden vielleicht mehr als 200 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar in kurzer Zeit freigesetzt, wenn der Wald und andere Vegetationsformen abgeschnitten, verbrannt oder aufgefressen werden.

Von dem darunter liegenden Boden können weitere 200 Tonnen pro Hektar freigesetzt werden und weitere Treibhausgase stammen aus der Atmung der Tiere und ihren Ausscheidungen.
Jede Art der Viehzucht ist also nur ein winziges Kohlenstoff-„Sparschweinchen“, das an die Stelle von riesigen Kohlenstofflagern in den Böden und den Wäldern tritt.
Aber wenn die Produktion von Tieren und Futtermitteln beendet wird, regeneriert sich der Wald oft wieder. Das Hauptaugenmerk bei der Abschwächung der Treibhausgase wird auf die Verminderung der Emissionen gelegt, während auf riesige Mengen potenzieller Kohlenstoffaufnahme durch die Bäume verzichtet wird – trotz ihrer Fähigkeit, die Treibhausgase schnell und billig abzumildern.

Die FAO berechnet Emissionen, die den Landnutzungsänderungen aufgrund der Einführung der Viehzucht zuzuordnen sind; aber nur die relativ kleine Menge aus den Änderungen jedes Jahr.
Merkwürdigerweise berechnet sie nicht die viel größere Menge an Treibhausgasreduktionen, auf die verzichtet wird, indem 26 % des Landes weltweit als Viehweiden und 33 % des bebaubaren Landes für den Anbau von Futtermitteln verwendet wird, statt dem Land die Möglichkeit zu geben, sich wieder zu Wald zu erneuern.

„Wenn man eine bedeutende Menge tropischen Landes aufgibt, das als Viehweide und Futteranbaufläche genutzt wird, um den Wald zu regenerieren, könnte das potenziell die Hälfte aller von Menschen verursachten Treibhausgase (oder sogar mehr) abmildern.“

Der Hauptgrund, dass das nicht geschieht, ist, dass das Rückgewinnung von Land, dass als Weidefläche und für den Futteranbau genutzt wird, noch keine Priorität hat; im Gegenteil, die Futterproduktion und die Weideflächen weiten sich immer mehr in den Wald hinein aus.

Oder nehmen wir an, dass das Land, das als Weidefläche und für den Futtermittelanbau genutzt wird, stattdessen für den Anbau von Feldfrüchten verwendet wird, die direkter in menschliche Nahrung und Bio-Diesel umgewandelt werden könnten. Diese Treibstoffe könnten die Hälfte der weltweit genutzten Kohle ersetzen, die für den Ausstoß von 3.340 Million Tonnen an CO2-Äquivalenten jedes Jahr verantwortlich ist.
Diese Tonnage repräsentiert 8 % der Treibhausgase in den weltweiten Treibhausgas-Bestandsaufnahmen, die die in diesem Artikel bewerteten Treibhausgase aussparen,
oder 5,6 % der weltweiten Treibhausgase, wenn die in diesem bewerteten Treibhausgase eingeschlossen sind.
Wenn Biomasse-Rohmaterial ausgewählt und vorsichtig bearbeitet wird, dann können Bio-Treibstoffe pro Energieeinheit 80 % weniger Treibhausgase als Kohle hervorbringen.
Aus diesem Grund können die Zusatz-Emissionen, die aus der Landnutzung für die Viehzucht und den Futtermittelanbau resultieren, auf 2.672 Millionen Tonnen in CO2-Äquivalenten oder jährlich 4,2 % an Treibhaugas-Emissionen weltweit geschätzt werden.

Wenn man sich diese zwei plausiblen Szenarios anschaut, sollten mindestens 4,2 % der weltweiten Emissionen einkalkuliert werden, die dadurch entstehen, dass darauf verzichtet wird, die Treibhausgasemissionen zu vermindern, indem das Land als Weide- und Futteranbaufläche genutzt wird.

Methan: Laut FAO stammen 37 % des von Menschen verursachten Methans aus der Viehzucht. Obwohl Methan die Atmosphäre stärker erwärmt als CO2, liegt seine Halbwertszeit in der Atmosphäre bei nur etwa 8 Jahren – gegenüber dem CO2, das mindestens 100 Jahre überdauert. Eine signifikante Verringerung der weltweiten Nutztierhaltung würde folglich die Treibhausgase relativ schnell reduzieren, verglichen mit Maßnahmen, die sich auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz beziehen.

Die Fähigkeit der Treibhausgase, Wärme in der Atmosphäre einzufangen, wird mit ihrem globalen Treibhauspotenzial (Greenhouse Warming Potential oder GWP) beschrieben, das ihre Erwärmungskraft mit der von CO2 vergleicht (CO2 hat ein GWP von 1). Die neue weithin akzeptierte GWP-Zahl für Methan ist 25, gesehen über einen Zeitraum von 100 Jahren.
Sie liegt allerdings bei 72, wenn man einen Zeitrahmen von 20 Jahren annimmt; was situationsgerechter ist, aufgrund des großen Effekts, den die Verminderung des Methans über einen Zeitraum von 20 Jahren haben kann, und aufgrund des akuten Zusammenbruchs des Klimas, der in den nächsten 20 Jahren erwartet wird, wenn keine wesentlichen Treibhausgasreduktionen erreicht werden. Der Weltklimarat (IPCC) unterstützt die Verwendung eines Zeitrahmens von 20 Jahren für Methan.

Die FAO geht davon aus, dass sich der Methanausstoß der Viehzucht durch Darmgase und Gülle im Jahr 2004 auf 103 Millionen Tonnen belief, was 2.369 Millionen Tonnen CO2 entspricht.
Das sind 3,7 % der weitweiten Treibhausgase, wenn man – wie die FAO es tut – das veraltete GWP von 23 anwendet.
Wenn man ein GWP von 72 ansetzt, ist das Methan für 7.416 Millionen Tonnen CO2 oder 11,6 % der weltweiten Treibhausgase verantwortlich.
Wenn man also den angemessenen Zeitrahmen von 20 Jahren – statt den Zeitrahmens von 100 Jahren – für Methan ansetzt, steigt die Gesamttreibhausgasmenge, die den Produkten aus der Viehzucht zuzuordnen ist, um 5.047 Millionen Tonnen (oder 7,9 Prozentpunkte) an CO2-Äquivalenten an. (Es sind weitere Arbeiten notwendig, um die Methan-Emissionen neu einzumessen, die in einem 20-Jahres-Zeitraum nicht den Viehzucht-Produkten zuzuordnen sind).

Andere Quellen: Vier zusätzliche Kategorien von Treibhausgasen, die sich auf mindestens 5.560 Millionen Tonnen in CO2-Äquivalenten (8,7 % der Treibhausgasemissionen) belaufen, wurden von der FAO übersehen oder zu gering veranschlagt und werden im existierenden Bestandsbericht der weltweiten Treibhausgase nicht einkalkuliert.

Erstens: „Der lange Schatten der Viehzucht“ zitiert die FAO-Statistiken aus dem Jahr 2002 als Hauptquelle für seine 18 %-Schätzung. Von 2002 bis 2009 ist die weltweite Tonnage an Viehzuchtprodukten um 12 % gestiegen, was einen proportionalen Anstieg bei den Treibhausgasemissionen ergeben muss.
Durch die Hochrechnung der FAO-Schätzung und unserer eigenen Schätzung kalkulieren wir, dass die Zunahme bei den Viehzuchtprodukten weltweit von 2002 bis 2009 mit etwa 2.560 Millionen Tonnen in CO2-Äquivalenten oder 4,0 % der Treibhausgasemissionen zu veranschlagen ist.

Zweitens: Es hat sich gezeigt, dass die FAO und andere sowohl das Weidevieh als auch Tiere in der Massenviehhaltung häufig in offiziellen Statistiken zu gering veranschlagen.
„Der lange Schatten der Viehzucht“ benutzt nicht nur keinen Korrekturfaktor für diese zu geringen Berechnungen, sondern verwendet in manchen Sektionen tatsächlich sogar geringere Zahlen als die, die in der FAO-Statistik und anderswo erscheinen.
Zum Beispiel berichtet „Der lange Schatten der Viehzucht“, dass im Jahr 2002 weltweit 33,0 Millionen Tonnen Geflügel produziert wurden, während der Food Outlook der FAO aus dem Jahre 2003 angibt, dass 72,9 Millionen Tonnen Geflügel 2002 weltweit produziert wurden.
Der Bericht besagt auch, dass 2002 weltweit 21,7 Milliarden Nutztiere gezüchtet wurden, während viele Nicht-Regierungsorganisationen berichten, dass jährlich etwa 50 Milliarden Nutztiere in den ersten Jahren dieses Jahrtausends gezüchtet wurden.
Wenn die wahre Zahl näher bei 50 Milliarden als bei 21,7 Milliarden liegt, dann läge der Prozentsatz der weltweiten Treibhausgase, die in offiziellen Viehzuchtstatistiken nicht berechnet werden, über 10 %.

Drittens: Die FAO zitiert verschiedene Aspekte der Treibhause im Zusammenhang mit der Viehzucht aus den Jahren 1965, 1982, 1993, 1999 und 2001. Die heutigen Emissionen wären viel höher.

Viertens: Die FAO gibt Minnesota als eine reiche Datenquelle an. Aber wenn diese Daten auf die Welt übertragen werden, dann werden die wahren Werte unterbewertet, da die Betriebe in Minnesota viel effizienter arbeiten, als Betriebe in den meisten Entwicklungsländern, wo die Viehzucht am schnellsten anwächst.

Schließlich glauben wir, dass die FAO einige Emissionen übersehen hat, die in anderen Bereichen als der Viehzucht abgelegt wurden. Diese Emissionen machen mindestens 3.000 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente oder 4,7 % der weltweiten Treibhausgasemissionen aus.

Erstens gibt die FAO an, dass die durch die Viehzucht bedingte Entwaldung – wie sie z. B. aus Argentinien berichtet wird – aus den Treibhausgas-Berechnungen ausgeschlossen wird.
Zweitens spart die FAO Zuchtfische aus ihrer Nutztier-Definition aus und unterlässt es daher, die Treibhausgase zu berechnen, die aus deren Lebenszyklus und der Lieferkette entstehen. Sie spart auch Treibhausgasemissionen aus, die anteilig durch den Bau und den Betrieb von Gewerbebetrieben an Land oder auf See entstehen, die sich der Verarbeitung der Meereslebewesen widmen, die als Viehfutter (bis zur Hälfte des jährlichen Fangs von Meereslebewesen) dienen.

Schließlich berechnet die FAO die wesentlich höheren Treibhausgasmengen nicht, die jedem der folgenden Aspekte der Viehzuchtprodukte zuzuordnen sind, im Vergleich zu Alternativen zu Viehzuchtprodukten:

• Fluorkohlenstoffe (wesentlich stärker gebraucht zum Kühlen von Viehzuchtprodukten als für die Alternativen), die ein globales Erwärmungspotenzial haben, das einige tausend Mal stärker ist, als das von CO2.

• Kochen, was üblicherweise für Fleisch höhere Temperaturen und längere Garzeiten mit sich bringt, als für die Alternativen, und in Entwicklungsländern große Mengen von Kohle (was die CO2-Absorption von Bäumen reduziert) und Kerosin verbraucht, was beides große Mengen von Treibhausgasen produziert.

• die Entsorgung der zwangsläufig großen Mengen von Gülle aus der Viehhaltung und der Abfallprodukte aus der Viehzucht in Form von Knochen, Fett und verdorbenen Produkten, die alle große Mengen von Treibhausgasen freisetzen, wenn sie auf Mülldeponien, Verbrennungsanlagen oder in Gewässer gelangen.

• die Produktion, der Vertrieb und der Verkauf von Nebenprodukten wie Leder, Federn, Haut und Fell und deren Verpackungen.

• die Produktion, der Vertrieb und der Verkauf von Verpackungsmaterial für Fleischprodukte, was aus hygienischen Gründen wesentlich umfangreicher ist, als für die Alternativen zu den Fleischprodukten.

• die kohlenstoffintensive medizinische Behandlung von Millionen zoonotischer Krankheitsfälle (wie der Schweinegrippe) und chronisch degenerativer Erkrankungen (wie Herzkranzgefäßerkrankungen, Krebs, Zuckerkrankheit und Bluthochdruck, der zum Schlaganfall führt), die in Verbindung stehen mit dem Konsum von tierischen Produkten.
Die vollständige Berechnung der Treibhausgase, die den Viehzuchtprodukten zuzuordnen sind, würde Teile des Baus und des Betriebs von pharmazeutischen und medizinischen Betrieben einschließen, die gebraucht werden, um diese Krankheiten zu behandeln.

Abschwächung

Ein wichtiger Risikofaktor für den Klimawandel ist das Bevölkerungswachstum, das zwischen 2006 und 2050 grob geschätzt bei 35 % liegen wird. Für denselben Zeitraum rechnet die FAO damit, dass sich die Zahl der Nutztiere weltweit verdoppelt, so dass die Treibhausgase in Zusammenhang mit dem Viehbestand sich auch in etwa verdoppeln würden (oder geringfügig etwas weniger ansteigen würden, wenn alle Empfehlungen der FAO vollständig umgesetzt würden), während weithin angenommen wird, dass die Treibhausgase aus anderen Industriezweigen sinken. Das würde die Menge der Emissionen, die mit der Viehwirtschaft in Zusammenhang stehen, noch inakzeptabler machen, als unsere heutigen lebensgefährlichen Mengen. Das bedeutet auch, dass eine wirksame Strategie den Ersatz von Produkten aus der Viehwirtschaft durch bessere Alternativen beinhalten muss; statt ein Fleischprodukt durch ein anderes zu ersetzen, das einen etwas geringeren CO2-Ausstoß hat.

Ein beachtliches Gebilde aus Theorien, Glaubensvorstellungen und Eigennutz wurde um die Idee herum aufgebaut, dass man den Klimawandel durch erneuerbare Energien und
durch Energieffizienz verlangsamen könne. Die Treibhausgasemissionen haben zugenommen seit das Kyoto-Protokoll 1992 unterschrieben wurde und der Klimawandel hat sich beschleunigt. So wünschenswert sie auch wären, selbst größere Fortschritte bei der Verdrängung der nicht-erneuerbaren Energien würden umfangreiche Aktionen zur Reduktion der riesigen Treibhausgasmengen aus der Viehzucht nicht unnötig machen.

Der Ersatz der Produkte aus der Viehwirtschaft kann nicht nur eine schnelle Reduktion der atmosphärischen Treibhausgase erreichen, sondern auch die anhaltende Nahrungs- und Wasserkrise der Welt umkehren. Wenn die unten beschriebenen Empfehlungen befolgt werden, könnte eine mindestens 25%ige Verminderung bei den Produkten aus der Viehwirtschaft erreicht werden – zwischen heute und 2017, dem Ende der Bindefrist, die auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Kopenhagen im Dezember ausgehandelt werden soll.

Aufgrund der Dringlichkeit, den Klimawandel zu verlangsamen, glauben wir, dass es effektiver ist, die Veränderungen direkt den Industriezweigen zu empfehlen, als den Regierungen, Änderungen in ihrer Politik vorzuschlagen, was schließlich zu Änderungen in der Industrie führen kann oder auch nicht. Das stimmt auch, obwohl die Industrie und die Investoren normalerweise florieren, wenn sie kurzfristig auf Kunden und Aktionäre reagieren, während das Klima ein Langzeit-Risiko darstellt.

Die Treibhausgase, die in Zusammenhang stehen mit dem Viehbestand, könnten von den Regierungen durch die Erhebung von Kohlenstoff-Steuern gemanagt werden (trotz der Opposition der Viehwirtschaft). In dem Fall würden die Führungskräfte in der Nahrungsmittelindustrie und die Investoren nach den Gelegenheiten suchen, die diese Kohlenstoff-Steuern schaffen würden.
Tatsächlich könnte es sein, dass sie versuchen auch ohne Kohlenstoffsteuern von diesen Gelegenheiten zu profitieren, denn die Treibhausgase, die in Zusammenhang stehen mit der Viehwirtschaft, sind ein gravierendes Risiko für die Nahrungsmittelindustrie selbst. Es wird vorhergesagt, dass zerstörerische Klimaereignisse die entwickelten Märkte zunehmend bedrohen und noch mehr Schaden in aufstrebenden Märkten hervorrufen, wo für die Nahrungsmittelindustrie ansonsten das größte Wachstum vorhergesagt wird.

Chance

Für eine individuelle Nahrungsmittelfirma gibt es mindestens drei Anreize, auf Risiken und Chancen zu reagieren, die allgemein auf die Nahrungsindustrie anwendbar sind. er erste Anreiz ist, dass einzelne Nahrungsmittelfirmen bereits jetzt unter zerstörerischen limaereignissen leiden, sodass dem Eigeninteresse einer Firma sehr gut gedient sein könnte, wenn sie handelt, um den Klimawandel zu verlangsamen. n betroffenen Gebieten kann erwartet werden, dass zerstörerische Klimaereignisse nicht nur die Märkte der Nahrungsmittelindustrie zerstören, sondern auch ihre Infrastruktur und ihre Handlungsfähigkeit.
Zum Beispiel kamen alle diese Risiken 2005 im Anschluss an den Hurrikan Katrina in der Gegend um New Orleans zum Tragen, als die Whole Foods Market GmbH Verluste von 16,5 Millionen Dollar für das Jahr meldete – aufgrund der Schließung ihrer beschädigten Läden im Gebiet von New Orleans, wegen des Umsatzverlusts und der Renovierungen in den beschädigten Läden. Solche Risiken werden in Zukunft verschärft durch extreme Klimaereignisse, die mit zunehmender Häufigkeit und Intensität weltweit auftreten werden.

Ein zweiter Anreiz ergibt sich aus der Wahrscheinlichkeit, dass sobald die gegenwärtige Wirtschaftskrise gelöst ist, die Nachfrage nach Öl auf ein Niveau steigt, das unmöglich zu befriedigen ist, aufgrund des endgültigen Rückgangs der Produktion (das Phänomen des Ölfördermaximums). Der Benzinpreis wird so hochgehen, dass er viele Teile der heutigen Wirtschaft zum Zusammenbruch bringt. Erzeugnisse aus der Viehwirtschaft wären besonders betroffen, denn jedes Gramm Bio-Diesel aus Pflanzen, dass irgendwie produziert werden kann, um konventionelle Treibstoffe zu ersetzen, wird produziert werden – und auf diese Weise der Viehwirtschaft abgezogen werden – um eine Katastrophe zu verhindern. Es ist vorhergesagt worden, sowohl aus Kreisen der Viehwirtschaft als auch aus Finanzkreisen, dass das Ölfördermaximum den Zusammenbruch der Viewirtschaft innerhalb weniger Jahre verursachen könnte. Den Wettbewerbern in einem solchen Szenario voraus zu sein, ist ein anderer Grund, dass die Manager in der Nahrungsmittelindustrie, damit beginnen, die Erzeugnisse aus der Viehzucht sofort durch bessere Alternativen zu ersetzen.

Ein dritter Anreiz ist, dass eine Unternehmen der Ernährungsbranche Alternativen zu Erzeugnissen aus der Viehwirtschaft produzieren und vermarkten kann, die ähnlich schmecken, aber leichter zu kochen, weniger teuer, gesünder und daher besser sind als Produkte aus der Viehwirtschaft. Diese Alternativen sind Nachahmungen der tierischen Erzeugnisse – wie z. B. Rindfleisch, Hühnchen und Schwein aus Soja- und Seitan (Weizeneiweiß); und Käse und Eiskrem aus Soja- und Reismilch.

Der Umsatz bei den Fleischersatzprodukten aus Soja war von 1,7 Milliarden im Jahr 2005 auf insgesamt 1,9 Milliarden USD allein in den Vereinigten Staaten im Jahr 2007 angestiegen, laut der Soyfoods Association of North America (Gesellschaft für Soja-Nahrung Nord Amerikas).
Im Vergleich dazu überstieg der Umsatz der Fleischprodukte (inklusive Geflügel) in den Vereinigten Staaten im Jahr 2007 100 Milliarden Dollar. Dieses Verhältnis von 1,9 zu 100 lässt viel Raum für Umsatzzuwächse bei den Fleisch- und Molkereiersatzprodukten. Fleisch- und Molkereiersatzprodukte werden bereits überall in den Entwicklungsländern verkauft und ihr Umsatz hat in den letzten Jahren, genau wie in den Vereinigten Staaten, zugenommen. Die Bemühungen, die Umsatzzahlen für diese Erzeugnisse in den Entwicklungsländern zu steigern, brauchen nicht auf ähnliche Anstrengungen zu warten, um in der entwickelten Welt erfolgreich zu sein. Weltweit ist der Markt für Fleisch- und Molkereiersatzprodukte potenziell fast so groß wie der Markt für tierische Produkte.

Große Bio-Lebensmittelhersteller könnten diese Chancen besonders ansprechend finden. Diese Unternehmen könnten Niederlassungen zum Verkauf von Fleisch- und Molkereiersatzprodukten gründen – möglicherweise vollständig ohne Fleisch oder Milchprodukte. Sie könnten ihr Produktion und ihre Umsätze für Ersatzprodukte innerhalb weniger Jahre wesentlich steigern, bei vernünftigen Kapitalkosten und mit attraktiver Kapitalrendite. Und weil die Fleischersatzprodukte und die Molkereiersatzprodukte ohne die Treibhausgas intensiven Prozesse erzeugt werden, wie sie in der Viehzucht üblich sind – wie z. B. die CO2-Emissionen der Tiere, der Landverbrauch für den Futteranbau und für Viehweiden – erzeugen die Ersatzprodukte einen deutlich kleineren Anteil der Treibhausgase, die den Viehzuchterzeugnissen entstehen. Zusätzliche Einkünfte könnten gewonnen werden aus dem Verkauf von Emissionszertifikaten für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen, die von den Ersatzprodukten erzielt werden, im Vergleich zu den Produkten aus der Viehwirtschaft.

Ersatzprodukte sind fast nicht von Fleisch- und Milchprodukten zu unterscheiden, wenn sie gehackt, paniert, mit Soße übergossen, gewürzt oder auf andere Art verarbeitet werden. Eine der am wenigsten riskanten Strategien für ein Tochterunternehmen könnte daher eine Fast-Food-Kette mit Verkaufsstellen sein, die Soja-Burger, Soja-Hühnchen, Soja-Hühnerprodukte, Sandwichs mit verschiedenen Fleischersatzerzeugnissen und/oder Soja-Eiskrem bieten.
Wenn die Kette schnell wachsen würde, wären auch andere Nahrungsmittelfirmen versucht, den Vorkämpfer zu imitieren.

Wenn die Produktion von Fleischersatzprodukten und Molkereiersatzprodukten wesentlich zunimmt, dann werden sich die Kosten verringern – ein ausschlaggebender Vorteil, zumindest so lange die gegenwärtige Wirtschaftsrezession in vielen Ländern anhält. Kostenminderungen ergeben sich aus der Massenproduktion und dem zunehmenden Wettbewerb unter den Herstellern von Ersatzprodukten, auch weil der Hauptausgangsmaterial für Bio-Diesel Sojaöl ist. Um die als wesentlich höher vorhergesehene Nachfrage für Bio-Diesel zu befriedigen, wird es Überschüsse an Sojamehl geben, was nicht nur ein Nebenprodukt des Sojaöls ist, sondern das Rohmaterial für viele Fleisch- und Molkereiersatzprodukte. Überschüsse bei den Beständen an Sojamehl könnten den Preis bedeutend nach unten bringen.

Für Verbraucher, die keine Ersatzprodukte für Fleisch oder Molkereiwaren mögen, sind proteinreiche Leguminosen und Getreide leicht erhältliche Alternativen. Eine andere Option könnte künstliches Fleisch sein, das in Labors aus Zellen, die ursprünglich von Nutztieren stammen, erzeugt wird – manchmal auch „in vitro-Fleisch“ genannt. Es sind schon manche Experimente durchgeführt und Patente erteilt worden, aber die Produktion und die mögliche Vermarktung lassen noch einige Jahre auf sich warten und es wird einige Zeit dauern, bis bekannt ist, ob „in vitro-Fleisch“ es mit den Ersatzprodukten hinsichtlich der Kosten, des Geschmacks und der Umweltfolgen aufnehmen kann.

Vermarktung

Um das oben diskutierte Wachstumsziel zu erreichen, ist eine erhebliche Investition in die Vermarktung des Produkts erforderlich, insbesondere da Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten für viele Konsumenten eine Neuigkeit darstellen. Eine erfolgreiche Kampagne sollte negative Aspekte vermeiden und positive hervorheben. Zum Beispiel drängt sich vielen bei der Empfehlung, an einem Tag der Woche auf Fleisch zu verzichten, der Gedanke an Entbehrung auf. Stattdessen sollte die Kampagne betonen, dass die ganze Woche über eine Reihe von Nahrungsmitteln gegessen werden, die schmackhaft und einfach zuzubereiten sind und zu denen ein “Supernahrungsmittel” wie Soja gehört, das das Leben der Menschen bereichern wird. Bei ansprechenden Nachrichten über Essen reagieren die Menschen auf Begriffe, die Komfort, Vertrautheit, Glück, Ruhe, schnelle und einfache Zubereitung, einen niedrigen Preis und Popularität heraufbeschwören. Konsequenterweise sollten zusätzlich dazu noch einige andere Themen berührt werden, um eine effektive Marketingkampagne aufzubauen.

Tierische Nahrungsmittel durch vegane Alternativen zu ersetzen, ermöglicht es den Konsumenten, durch eine einzige, machtvolle, kollektive Aktion weltweit die größte Menge an Treibhausgasen zu reduzieren. Amtlich zertifizierte Hinweise auf den alternativen Produkten über die Menge an verbrauchten Treibhausgasen können einen entscheidenden Verkaufsvorteil darstellen.

Vegane Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten sind preisgünstiger, verbrauchen weniger Ressourcen, sind einfacher in der Zubereitung und gesünder als tierische Produkte.

Vegane Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten sind tierischen Produkten deutlich überlegen und sprechen damit die gleichen Konsumentenbedürfnisse an, die auch zum Kauf anderer Ersatzprodukte führen, wie z.B. Rolex-Kopien.

In Entwicklungsländern, in denen der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch- und Milchprodukten niedriger ist als in Industrienationen, herrscht oft die Meinung vor, dass Fleisch- und Milchprodukte Teil einer besseren Ernährung und eines besseren Lebens sind, da die Menschen dort noch nicht über die nachteiligen Auswirkungen tierbasierter Kost informiert wurden. Dennoch können Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten sogar bessere Verkaufszahlen erzielen, besonders wenn man sie mit dieser Absicht vermarktet.

Wie die Erfolgsgeschichte grüner Businessmodelle gezeigt hat, sind Umweltschützer das beste Ziel für eine Kampagne, da der Verzehr von Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten der beste Weg ist, um den Klimawandel zu bekämpfen. Umweltschützer werden auch dafür sorgen, dass diese Nachricht an andere Menschen übermittelt wird. Sie werden sich zudem dafür einsetzen, dass bei Treffen, an denen sie teilnehmen, vegane Alternativen gereicht werden und dass die Nachricht von den Treibhausgasen, die dadurch vermieden wurden, gut publiziert wird.

Kinder sind wahrscheinlich am empfänglichsten für Nachrichten über neue Nahrungsmittel und Fast Food, da sie eher dazu neigen auf Werbung zu reagieren. Ihre Gewohnheiten sind noch nicht so festgefahren wie bei Erwachsenen und sie versuchen oft, auf einen neuen Trend aufzuspringen. Oft essen Eltern auch das Fast Food oder andere Nahrungsmittel, die auf Drängen der Kinder gekauft wurden. Gleichzeitig erfahren Kinder in der Schule immer mehr über den Klimawandeln und suchen nach Aktivitäten, die es ihnen erlauben, das Gelernte umzusetzen. Dennoch sind sie die hauptsächliche Zielgruppe, wenn es um die Vermarktung tierischer Produkte geht, trotz der schmerzlich hohen Risiken, die diese Nahrungsmittel für das Klima bedeuten. Um dies zu korrigieren, sollte auf geeignete Standards bei der Vermarktung für Kinder geachtet werden. Auf jeden Fall sollte die Vermarktung von veganen Alternativen zu Fleisch- und Milchprodukten für Kinder Priorität haben.

Zusätzlich können Nahrungsmittelfirmen fleischlose Alternativen durch strategische Allianzen mit anderen Firmen vermarkten. Sie können sich mit Schulen, staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen zusammentun. Umweltschützer mit entsprechenden Kenntnissen können beauftragt werden, fortlaufende, umfassende Untersuchungen dazu durchzuführen, inwieweit Treibhausgase auf tierische Produkte und auf vegane Alternativen zurückzuführen sind. Politiker und Berühmtheiten können gewonnen werden, um öffentlich Werbung für Alternativen zu tierischen Produkten zu machen.

Wir empfehlen, dass Lebensmittelhändler, wenn sie Auslagen planen und (für die vorteilhafte Platzierung im Regal) Einstellgebühren festlegen, auch die Vorteile erwägen, die es bringt, wenn fleischlose Alternativprodukte neben Fleisch- und Milchprodukten präsentiert werden. Dies würde viele Konsumenten mit veganen Alternativen bekannt machen, die diese Alternativen sonst nicht kennenlernen würden, wodurch ihr Verkauf zunehmen würde. Normalerweise werden gute Verkaufszahlen erreicht, wenn den Konsumenten verschiedene Formen eines Produkts in demselben Regal präsentiert werden. Wenn Alternativen weniger kosten als Fleischprodukte, kann die Präsentation von beiden Produktarten nebeneinander zu einem Vorteil für die Lebensmittelhändler führen. Denn wenn sich für die Konsumenten bei einem direkten Vergleich herausstellt, dass vegane Alternativen billiger sind als Fleischprodukte, dann kann die gleichzeitige Präsentation den Lebensmittelhändlern während eines ökonomischen Abschwungs dabei helfen, ihr Gesamt-Verkaufsvolumen beizubehalten.

Investitionsquellen

Ein Unternehmen, das einen soliden Plan zur Umsatzsteigerung von Fleisch- oder Molkerei-Ersatzprodukten hat, wird ziemlich wahrscheinlich kommerzielle Finanzierungsmöglichkeiten bei Investoren finden, die Investitionsmöglichkeiten suchen, die eine Verlangsamung des Klimawandels versprechen. Es kann vielleicht auch eine konzessionäre Finanzierung bei Entwicklungs-Finanzinstitutionen und „Klimafonds“ finden. Aber es muss eventuell das Bewusstsein von Investoren geschärft werden, denen Fleisch- und Molkereiersatzprodukte unbekannt sind.

Es kann den Investoren gezeigt werden, dass es in ihrem eigenen Interesse liegt, neue Investitionen für die Herstellung von Fleisch und Molkereiprodukten zu vermeiden und stattdessen in Ersatzprodukte zu investieren. Im Vergleich zu Projekten auf dem Energie- und Transportsektor können Ersatzprodukt-Projekte schnell umgesetzt werden, mit relativ niedrigen Investitionsmehrkosten, einer stärkeren Abschwächung der Treibhausgase bei gleicher Investitionssumme und schnelleren Kapitalerträgen.

Die Investitionen zur Minimierung und Abmilderung von Treibhausgasen konzentrieren sich häufig auf erneuerbare Energie auf dem Verkehrs- und Energiesektor.
Die Infrastruktur erneuerbarer Energien benötigt lange und komplexe Produktentwicklungs-Zyklen und erfordert viel Kapital.
Die Umstellung von Fahrzeugflotten und Kraftwerken wird mit Billionen von Dollar prognostiziert und erfordert einen politischen Willen und Konsens, der nicht zur Verfügung zu stehen scheint.

Die meisten kommerziellen Banken, einige Export-Kreditagenturen und manche Aktienfonds nehmen sogar Äquator-Prinzipien in Anspruch, mit denen sie sich verpflichten, sich bei Investitionsprojekten in Entwicklungsländern an eine Reihe von rigorosen Umwelt- und Sozialstandards zu halten. Wenn diese Standards Investitionen in groß angelegte Viehzuchtprojekte missbilligten, dann wäre eine Firma mit Fleisch- oder Milchersatzprodukten gut positioniert, um Investitionen anzuziehen.

Vorteilspaket

Die Produktion von Fleisch- und Milchersatzprodukte verlangsamt nicht nur den Klimawandel, sondern trägt auch dazu bei, die globale Nahrungskrise abzuschwächen, da eine viele kleinere Menge von Nahrungspflanzen benötigt wird, um eine gegebene Kalorienmenge in Form eines Ersatzproduktes zu produzieren, statt als Produkt aus der Viehzucht.
Ersatzprodukte würden auch die globale Wasserkrise entschärfen, da die großen Wassermengen, die in der Viehzucht notwendig sind, frei werden.
Die Ergebnisse hinsichtlich der Gesundheit und im Bereich der Ernährung wären besser als bei Produkten aus der Viehwirtschaft. Die Herstellung von Ersatzprodukten wäre arbeitsintensiver als bei Waren aus dem Viehzuchtbereich, was zur Schaffung von mehr und qualifizierteren Arbeitsstellen führt. Das würde auch die schädlichen Arbeitspraktiken verhindern, die in der Viehwirtschaft üblich sind (jedoch nicht bei der Herstellung von Ersatzprodukten), u. a. auch die Sklavenarbeit in manchen Gegenden des Amazonasregenwaldgebietes. Arbeiter, die in der Viehwirtschaft arbeiten, können leicht umgeschult werden zur Herstellung von Ersatzprodukten.

Natürlich werden noch weiterhin einige Nutztiere gezüchtet, besonders in gemischten landwirtschaftlichen Systemen, wo sie wichtig sind. Sie könnten auch dort wichtig sein, wo die Viehwirtschaft eine der wenigen Möglichkeiten für die ländliche Bevölkerung ist, Vermögen zu schaffen und Einkünfte zu haben. Das ist jedoch zunehmend weniger üblich, da in den letzten Jahren das dramatische Wachstum bei der Anwendung von Computern, bei der mobilen Kommunikation, beim Internet-Banking, der Mikro-Finanzierung und der netzunabhängigen Elektrizität eine Vielzahl von Chancen für arme ländliche Gemeinden geschaffen hat.

Seit vielen Jahren basiert die Befürwortung von Ersatzprodukten als Alternative zu den Viehzuchtprodukten auf Ernährungs- und Gesundheitsargumenten, auf dem Mitgefühl für Tiere und auf Umweltfragen, abgesehen vom starken Kohlenstoffausstoß. Diese Argumente werden meist ignoriert und der Verzehr von Produkten aus der Viehwirtschaft ist weltweit angestiegen, was manche glauben lässt, dass eine solche Befürwortung nie Erfolg haben wird. Sogar die Aufforderung, die Regierungen mögen aufgrund des Klimawandels eine Reduktion bei der Herstellung von Viehzuchtprodukten anordnen, könnte sich als unwirksam erweisen, weil die Nahrungsindustrie selbst starke Lobbyarbeit leistet. Wenn aber von der kaufmännischen Seite die Sache für die Fleisch- und Molkerei-Ersatzprodukte klar ist, dann können die, die normalerweise auf Regierungen Einfluss nehmen, sich direkt an die Führer in der Nahrungsmittelindustrie wenden, die sie dann vielleicht als Champions willkommen heißen. Die Geschäftsrisiken für Ersatzprodukte wären denen in den meisten anderen Nahrungszweigen ähnlich, aber die Risiken würden abgemildert durch die Tatsache, dass ein Großteil der notwendigen Infrastruktur (wie z. B. der Anbau und die Verarbeitung von Getreide) bereits existiert.

Die Hauptveränderung wäre eine wesentliche Reduzierung der Produkte aus der Viehwirtschaft. Ein Wachstum, das von der Industrie oder vom Angebot gelenkt wird, ist in anderen Industriebereichen erfolgreich, z. B. bei den Anbietern von Computern und Mobiltelefonen. Daraus lässt sich schließen, dass es auch bei Ersatzprodukten für Fleisch- und Molkereiwaren erfolgreich sein kann. Im Allgemeinen hat die weltweite Nahrungsmittelindustrie eine sehr ausgeklügelte Marktkapazität, die ein hohes Wachstum bei der Vermarktung von neuen Nahrungsprodukten praktisch zur Norm werden lässt – sogar ohne Berücksichtigung des Auftriebes, der durch das Interesse an der Verlangsamung des Klimawandels erreicht werden könnte.

Das Risiko, einfach so weiterzumachen, ist höher als das Risiko, etwas zu verändern. Das Plädoyer für einen Wandel ist nicht mehr nur eine öffentliche politische Linie oder ein ethisches Argument, sondern es ist jetzt auch ein unternehmerisches Argument.
Wir glauben, das es von allen Industriezweigen das beste Geschäftsszenario zur schnellen Umkehr des Klimawandels ist.

Nach 23-jähriger Arbeit ging Robert Goodland als leitender Umweltberater bei der Weltbankgruppe in Pension. Im Jahr 2008 wurde er mit der ersten Coolidge Memorial Medal by the IUCN für hervorragende Beiträge zum Umweltschutz ausgezeichnet. Jeff Anhang leitet die Forschungsabteilung und ist Umweltspezialist bei der Internationalen Finanzkorporation der Weltbankgruppe, die Finanzierungen auf dem Privatsektor und Beratung für Entwicklungsländer anbietet.

Für weitere Informationen über Fragen, die in dieser Geschichte angesprochen wurden, besuchen Sie
www.worldwatch.org/ww/livestock

Quelle:
Livestock and Climate Change: What if the key actors in climate change are... cows, pigs, and chickens?
http://www.worldwatch.org/files/pdf/Livestock%20and%20Climate%20Change.pdf (November 2009 • PDF-Datei • Englisch • 718 KB)