
Veröffentlicht am 27. November 2009
Ich freue mich, dass der Aktivist Sir Paul McCartney und Dr. Rajendra Pachauri, Vorsitzender des Weltklimarates, mein Hearing zur globalen Erwärmung und zur Nahrungspolitik in Brüssel kurz vor dem Kopenhagener Gipfel nächste Woche gewählt haben, um ihre Schlüsselbotschaft zu lancieren: Less Meat = Less Heat (Weniger Fleisch = Weniger Hitze).
Wir drei haben uns entschieden, kein Fleisch mehr zu essen. Das sind die Gründe.
Die Viehzucht produziert mehr Treibhausgase – 18 % – als der ganze Transportsektor – 13 %. Einige Gase aus der Viehzucht sind weit gefährlicher als die, die von den Verkehrsmitteln erzeugt werden. Lachgas hat ein etwa 300 Mal stärkeres Erwärmungspotenzial als CO2. Das meiste davon stammt aus der Gülle (Dünger).
Fleisch verbraucht mehr als 16 Mal so viel Energie und Ressourcen wie sein pflanzliches Äquivalent. Unter anderem auch gewaltig mehr Wasser, und das zu einer Zeit, da 62 % der Weltbevölkerung sich einer angespannten Wassersituation oder Dürren gegenübersehen.
Beim gegenwärtigen Tempo wird sich die Fleischproduktion weltweit auf 465 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2050 verdoppeln.
Sie verbraucht bereits 70 % des ganzen Agrarlandes und verursacht eine riesige Waldzerstörung, um Raum zu schaffen für den Futteranbau.
Die menschliche Dimension kann nicht ignoriert werden. Eine Milliarde Menschen in der Welt ist fettleibig – und eine Milliarde leidet unter Nahrungsmangel oder hungert.
Was die Umwelt- und Gesundheitfaktoren angeht, so zeigen zuverlässige Statistiken, dass die Viehzucht in den Vereinigten Staaten 55 % der Bodenerosion, 37 % des Pestizidverbrauchs und 50 % des Antibiotikverbrauchs verursacht.
Wie die jüngsten Epidemien aufzeigen, stammen 60 % der menschlichen Krankheitserreger – Bazillen – von Tieren, auch Geflügel.
Die bessere Nachricht ist, dass eine bescheidene Veränderung unserer Ernährungsgewohnheiten einen starken Einfluss auf das Tempo des Klimawandels haben kann. Noch besser ist, dass Vegetarier 28 % weniger Herzkrankheiten und eine 39 % geringere Krebssterblichkeit haben und 50 % weniger oft zuckerkrank werden. In meinem Fall fiel das „schlechte“ Cholesterin um 27 %, weil ich kein Fleisch mehr esse.
Der Ökonom Lord Stern, Autor eines wichtigen Berichts über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels, verursachte einige Kontroversen, indem er kürzlich anmerkte:
„Fleisch ist eine Wasserverschwendung und verursacht viele Treibhausgase. Es übt einen enormen Druck auf die Ressourcen der Welt aus. Eine vegetarische Ernährung ist besser.“
Eine nachhaltige Produktion von Fleisch, Milchprodukten und Fisch wird in der Klimawandeldebatte kaum erwähnt. Eine Veränderung der Ernährung ist buchstäblich unsere größte Chance, die globale Erwärmung zu stoppen, unsere Gesundheit zu verbessern und auch Geld zu sparen.
Das Thema der zukunftsfähigen Nahrungspolitik wird von vielen – allerdings nicht genügend – als Schlüssel gesehen, den „heißen Krieg“ gegen die globale Erwärmung zu gewinnen, wenn die Weltbevölkerung wahrscheinlich um 2050 auf mehr als neun Milliarden ansteigt und der Fleisch- und Milchverzehr sich verdoppelt.
Ich stamme aus einer Bauernfamilie und kenne die Bemühungen, die europäische Landwirtschaft grüner werden zu lassen, aus erster Hand. In meinem Wahlkreis gibt es in Yorkshire Dales and Moors vorbildliche nachhaltige Viehzuchtbetriebe, wo die Hochlandproduktion von Rind- und Lammfleisch seit Jahrhunderten unverändert ist und einen Spitzenpreis erzielen sollte.
Es ist jetzt üblich, dass Fisch und Fischprodukte hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit etikettiert werden. Das sollte auch auf das Fleisch angewendet werden. Der Vikar in einem der ärmsten Teile meines Wahlkreises – Dewsbury – sagte letztes Jahr, dass einige seiner Gemeindemitglieder sich kein Fleisch mehr leisten können.
Ich erkenne das und ich schlage nicht vor, dass es durch höhere Fleischpreise – die unvermeidlich sind – unerreichbar werden soll; aber sie sollten eine gesündere und billigere Alternativkost in Erwägung ziehen.
Das ist für uns alle jetzt die Empfehlung des NHS (Nationaler Gesundheitsdienst), der deutschen Umweltbehörde, der schwedischen Regierung (der gegenwärtige Vorsitzende der EU) und zahlreicher andere Körperschaften.
Die kleinen afrikanischen Landwirte, die den größten Teil der Nahrung des Kontinents herstellen und vor allem vom Regen abhängig sind, könnten eine Halbierung der Ernten bis 2020 erleben. Wir müssen unsere Ernährung wesentlich verändern, ganz besonders um die Ärmsten und Verletzlichsten zu schützen: Die Wohlhabenden müssen buchstäblich die Verantwortung übernehmen, damit die Nahrungsproduktion in den Entwicklungsländern nachhaltig wird.
Reichere Länder kaufen auch Land in den Entwicklungsländern. Olivier De Schutter, der Sondergesandte für Ernährung im Büro des Hochkommissars für Menschenrechte der UN und ein anderer Sprecher auf meinem Brüssel Hearing sagten: „Der Trend beschleunigt sich schnell. Alle Länder beobachten einander und wenn ein Land andere Länder Land kaufen sieht, tut es dasselbe.“
Wie Papst Benedikt dem UN Welternährungsgipfel in Rom, der Kopenhagen vorausging, sagte: „Hunger ist das grausamste und konkreteste Zeichen der Armut.“
„Überfluss und Verschwendung sind nicht länger akzeptabel, wenn die Tragödie des Hungers immer größere Proportionen annimmt.“
Im Jahr 2006 veröffentlichte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die in Rom sitzt, ihren 400-seitigen bahnbrechenden Bericht „Der lange Schatten der Nutztierhaltung“. Sie gab eine nüchterne Warnung heraus: „Die Umweltkosten müssen pro Viehwirtschaftseinheit um die Hälfte gesenkt werden, einfach um zu vermeiden, dass sich der Schaden nicht über seinen gegenwärtigen Stand hinaus verschlimmert.“
Anfangs des Monats hörte man auf einer Klimawandel-Konferenz an der Universität Leeds den Umweltminister Hilary Been, John Prescott und mich an.
Die Diskussionsteilnehmerin, die die beste Antwort hatte, war Franny Armstrong.
Ihre 10:10-Kampagne fordert die Einzelnen auf, den Wandel zu vollziehen. Zurecht bezieht sie einen verringerten Fleischverzehr ein.
Edward McMillan-Scott, Mitglied des Europäischen Parlaments für Yorkshire and the Humber, ist Vize-Präsident des Europäischen Parlaments. Seine Aufgabenbereiche sind unter anderem Demokratie und Menschenrechte. Er hält einen Sitz als Parteiloser.
Quelle:
Yorkshire Post: "Edward McMillan-Scott: Losing our appetite for meat could ease global warming"
http://www.yorkshirepost.co.uk/opinion/Edward-McMillanScott-Losing-our-appetite.5864065.jp (27. November 2009)
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